Emmanuelle Bonnets zweites Album „Prérie(s)“ ist eine Ode an weite Horizonte, an Vergänglichkeit und… Insekten. Ein ätherischer, von Atem durchdrungener Moment, eine warme Brise, die einen gemeinsamen Raum wie einen Ballon aufbläst und einem Ansatz klanglicher Verbundenheit nachspürt.
Gemeinsam erweitern die vier Musiker um die Schweizer Sängerin und Komponistin Emmanuelle Bonnet die Grenzen der spontanen Komposition und spielen nicht nur mit Klang, (Dis-)Harmonie und Textur, sondern auch miteinander.
Sie arbeiten mit Worten, Motiven und Miniaturen und bilden dabei ein Kollektiv, dessen Dialoge sich mit Zartheit und Behutsamkeit entfalten – so wie Bienen das Sammeln der Pollen ohne Schaden anzurichten genießen.
Die vier Mitglieder des Quartetts trafen sich während ihres Studiums in Basel und entdeckten bald eine gemeinsame Liebe zur Improvisation und zum kollektiven Experimentieren. Schon bei den ersten Klängen des Albums zeigt sich ihr gemeinsames Verständnis für das Spiel und das gegenseitige Zuhören. In ihren Augen entsteht die Komposition in der Gemeinschaft. Bonnet bringt ihre Klangideen und Kompositionsfragmente ein, dann arbeitet die Gruppe an ihnen und pflanzt die musikalischen Voraussetzungen für spätere Treffen. Bonnet gibt dieser musikalischen Gemeinschaft dabei vollständige Freiheit. Ihr Prinzip ist das des Spielens im wahrsten Sinne des Wortes: ein Ort, an dem Musiker und Musikerinnen eigene Ideen ungebunden und frei entwickeln und sich dabei komplett in jeden musikalischen Moment versenken können.
Exemplarisch für diesen Ansatz steht das erste Stück des Albums „A-Line (or sometimes)“ über die Flüchtigkeit der Zeit. „sometimes“ steht hier für den exakten Moment, in dem sich das Quartett trifft, aber auch für vollkommene Unsicherheit, die jederzeit eintreten kann.
Neben Bonnets eigenen Texten gibt es zwei aus anderer Feder: Das ironische Stück „Troubled Fruits“ von Pianistin Yvonne Rogers handelt von der prekären Lage von Früchten, die dem baldigen Verfall geweiht sind. Der Klang der Worte verfängt sich wie ein improvisierter Obstsalat. Was sollen sie nur tun? Macht ein einziger Tag einen Unterschied in ihrer Existenz? Wird es in Zukunft genügend Wasser geben, um sie zu ernähren?
Die pränostalgische und melancholisch gefärbte Ballade „Fame is a bee“ basiert auf einem Gedicht von Emily Dickinson und spricht über die Zerbrechlichkeit der Bienen, deren Leben so kostbar ist, wie ihr Tod ein Albtraum für das Ökosystem ist. Ein Echo darauf ist das von Nostalgie und Trauer angehauchte, walzerhafte Stück „Prérie“. Es hebt ein Schlüsselelement des Albums besonders hervor: Bonnets klare und reine Stimme flattert geradezu um die Ankerpunkte der behutsam agierenden anderen Instrumente herum. So wie die sich ständig neu ausrichtenden Regeln und Gesetze der blühenden Prärie, verhandelt die musikalische Gemeinschaft die Freiheit immer wieder neu. Zusammen schaffen sie klangliche Materie, werden Teil des Stoffs, aus dem nicht nur die Prärie besteht, sondern auch unser Leben.
Emmanuelle kommt aus Genf und spielte erst Saxophon, später alte Musik und trat mit Chören auf. Schon früh mochte sie Improvisation und das Spielen mit Klang, was sie immer wieder nach Orten suchen ließ, die ihrer Stimme eine bestimmte Akustik für Experimente boten – etwa Treppenhäuser oder Keller. Für „Prérie(s)“ wurde dieser Raum zu einer Lichtung mit freiem Blick auf den Himmel, auf Bienen, Stechmücken, Libellen und herumschwirrende Glühwürmchen. Ihre Suche nach dem vollständigen klanglichen Eintauchen blieb aber bestehen – nur ist sie dieses Mal nicht allein dabei.
Emmanuelle Bonnet: Prérie(s)
Emmanuelle Bonnet: Stimme, Komposition | Yvonne Rogers: Klavier | Tabea Kind: Kontrabass | Lucas Zibulski: Schlagzeug
Label: Mousse Records | Vertrieb: iMusician
CD, LP, digital
EAN digital: 4069493531442
VÖ: 30.01.2026
Weitere Informationen (Emmanuelle Bonnet)
Tourdaten:
31.01.2026 CH-Genf / AMR (Releasekonzert)
02.02.2026 CH-Chur / JazzChur
05.02.2026 CH-Lausanne / Jumeaux Jazz Club
07.02.2026 CH-Olten / Jazz in Olten
09.02.2026 CH-Baden / Jazz in Baden

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