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Sophie Oster Quartet. Foto: Matthias Kuhaupt

„Praise“ (dt.: „Lob“) heißt das neue und dritte Album des Quartetts um die aus Ludwigsburg stammende Sängerin, Pianistin und Komponistin Sophia Oster.

 

Nach „Jubilation“ (2021) und „All Smiles“ (2023) ist „Praise“ gepägt von einigen Eigenkompositionen und/oder Texten aus der Feder der in Hamburg lebenden Musikerin. Wer oder was Lob verdient hat, bleibt offen. Vielleicht ist es das Lob an die lyrische Intimität, an rhythmische Raffinesse und künstlerische Reife.

 

Zusammen mit Konstantin Herleinsberger (Flöte, Saxophon), dem Deutsch-Amerikaner Paul Imm (Bass) und dem Brasilianer Rafael Müller (Schlagzeug) entfaltet Oster mit sechs Stücken eine musikalische Reise im zeitgenössischen Jazz.


Mit dem titelgebenden Doppelstück „Praise / Strong Woman“, eine Eigenkomposition von Sophia Oster, beginnt eine vielseitige musikalische Reise. Das fließend-ruhige Klaviersolo eröffnet mit einer wiederkehrenden Melodie das Stück und zieht die Hörer schließlich in einen rhythmischen Raum. Saxofon und Schlagzeug unterstützen, wechseln sich in der Führung ab und nehmen Tempo auf. Schließlich gleitet alles zurück in einen ruhigen Hafen und zum Klang der Flöte endet die Fahrt.

 

Im „Freedom Song“, wird zunächst gemeinsam nach einem parallel-laufenden Rhythmus gespielt. Kleine Piano-Akzente bestimmen die erste Hälfte des Stücks. Die Freiheit wird im gemeinsamen Gleichklang geschaffen und endet, wie sie begonnen hat: wie selbstverständlich unaufgeregt.

 

Sophia Oster Quartet COVEREin weiteres Doppelstück ist mit „Woodstock / Go“ betitelt. Uns begegnen Joni Mitchell und Wayne Shorter. Bekannte Klänge, bekannter Text – diese Hymne, die 1970 sofort in mehreren Versionen veröffentlicht wurde. Ob Crosby, Stills, Nash & Young, Mitchells eigene Version oder die von der britischen Band Matthews Southern Comfort, Sophia Oster schafft es eine eigene Version zu kreieren, die sich deutlich von den vorher genannten abhebt. Das Arrangement von Paul Imm zieht mit viel eigenen, freien Passagen dennoch entlang des Festivalgeländes von 1969. Eine Hommage an all die Musiker und Gäste von Woodstock, die friedlich im „Garten Eden“ ihre Welt leben wollten. Wie weit wir davon weg sind, ist hier nur eine Randnotiz.

 

Zu einer Komposition des amerikanischen Jazzmusikers Steve Allee hat Sophia Oster einen Text geschrieben: „No Mind“. Das Zupfen des Basses ist das Gegenteil von „ohne Verstand“, es führt in eine bedächtige Weise, zur Stimme und zum Wischen auf der Snare und schließlich zum Saxofon. Der Charakter erinnert an eine ruhige Nacht, in der man sich wohlfühlt, in der der Rhythmus klar und präzise, aber unaufdringlich ist.

 

„My Kind Of Blues“ ist rasant. Es folgt einer klaren Haltung, nämlich der des Quartetts. Die Führung wechselt zwischen den Instrumenten, mal werden die Töne gezogen, mal setzten sie sich einzeln ab. Der Rhythmus ist bestechend und wechselnd, Tempoverzögerungen und Geschwindigkeitsaufnahme machen das Stück zu einem wunderbaren Rausch.

 

Brasilianisches Portugiesisch intoniert Sophia Oster zu „Carinhoso“ (dt.: „Liebevoll“). Dieses schöne Stück, das es in scheinbar unendlich vielen Versionen gibt, wurde 1917 vom brasilianischen Komponisten und Saxophonisten Pixinguinha aka Alfredo da Rocha Vianna Jr. komponiert. Der Text von Carlos Alberto Ferreira Braga – Braguinha (kleine Gitarre) oder João de Barro genannt –, wurde 1936 auf Wunsch der Sängerin Heloísa Helena geschrieben. Dieses einfühlsame Liebeslied ist pures Gefühl. Stimme, Klavier und Saxofon berührend sich ebenso zärtlich wie die Lippen der Liebenden.

 

Sophia Oster F Nils Jöhnk

Sophie Oster. Foto: Nils Jöhnk


Vollkommen verwundert stell man fest, dass das Album schon zu Ende ist. „Praise“ ist das Lob, das man dem Quartett weiterleiten muss. Ein feines und sich treubleibendes Werk, von dem man genau das erhält, was man braucht, Stimmungen, in denen wir alle Zuhause sind.


Sophia Oster Quartet: Praise

Sophia Oster: Piano, Vocal, Komposition | Konstantin Herleinsberger: Saxofon, Flöte | Paul Imm: Bass | Rafael Müller: Schlagzeug

Laika Records. Vertrieb: Galileo Music Communication

CD, 39:20 Min. Cover design and photo by Gabriela Basso
EAN: 4011786254330
VÖ: 05.09.2025


YouTube-Video:

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Praise/Strong Women - SOPHIA OSTER QUARTET (15:30 Min.)

 

Tracklisting:

01.Praise/ Strong Women (K: Sophia Oster) 9:32
02. Freedom Song (K: Sophia Oster) 4:52
03.Woodstock/ Go (K: Joni Mitchell, Wayne Shorter; Arr: Paul Imm)7:48
04. No Mind (K: Steve Allee, T: Sophia Oster) 6:17
05. My Kind of Blues (K: Sophia Oster) 5:17
06. Carinhoso (K: Pixinguinha, T: Braguinha) 5:13

 

CD-Release-Konzert:
22.11.2025 Jazzhall Hamburg

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