Kultur Kolumne
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- Geschrieben von: Claus Friede -
Dass die Musikszene an den Rändern Europas eine wichtige Rolle spielt, ist längst ein Allgemeinplatz. Dass sie aber derartig vielseitig ist, erstaunt dann doch immer wieder. Es gibt recht eigenartige Kombinationen diverser Musikrichtungen, die überaus gut funktionieren und etwas hervorbringen, das es Wert ist, auf dem gesamten Kontinent bemerkt zu werden.
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- Geschrieben von: Redaktion -
„Tremor" heißt übersetzt zittern oder beben. Das große Erdbeben von Lissabon am 1. November 1755 ist das zentrale Thema in einem neuen Liederzyklus für Frauenstimme, Chor und Instrumentalbegleitung von Nuno Côrte-Real.
Unter Leitung des Komponisten musiziert die Lissabonner Sopranistin Bárbara Barradas mit Côrte-Reals eigenem „Ensemble Darcos“. Dabei geht es um eine genreübergreifende Reflexion aus verschiedenen Perspektiven. Das Reflektieren über eine der größten Naturkatastrophen der europäischen Geschichte wird dadurch zu einem Projekt des Erinnerns in der Gegenwart.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Michael Lane veröffentlicht am 18. Februar sein neues Indie Folk-Album „Take It Slow“ über Greywood Records.
„Dieses Album ist für mich sehr besonders, weil es das erste Mal war, das ich mich von anderen Künstlern habe inspirieren lassen. Ich sehe nichts Falsches daran, weil am Ende des Tages jeder Song besonders und einzigartig wird. Alle Songs in ‚Take It Slow‘ haben eine Botschaft, die mich direkt im Herzen trifft und ich hoffe, es ist für jeden, der die Songs hört, auch so", erläutert Michael Lane sein Produktionsergebnis.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
„Überhaupt mache ich die Anforderung, daß, wer sich mit meiner Philosophie bekanntmachen will, jede Zeile von mir lese. Denn ich bin kein Vielschreiber, kein Kompendienfabrikant, kein Honorarverdiener, keiner, der mit seinen Schriften nach dem Beifall eines Ministers zielt – mit einem Worte, keiner, dessen Feder unter dem Einfluß persönlicher Zwecke steht: ich strebe nichts an als die Wahrheit und schreibe, wie die Alten schrieben, in der alleinigen Absicht, meine Gedanken der Aufbewahrung zu übergeben, damit sie einst denen zugute kommen, die ihnen nachzudenken und sie zu schätzen verstehn (sic!).“
(Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung II, stw., 1986, S. 589)
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- Geschrieben von: Claus Friede -
Sei fröhlich! Diese Aufforderung ist in diesen Zeiten mehr als notwendig. Die 1998 in Frankreich gegründete und seit zwanzig Jahren in Sankt Petersburg ansässige Klezmer- und Folkgruppe „Dobranotch“ (Добраночь) verbreitet mit dem neuen Album „Zay Freyleikh!“ viel positives und lebenslustiges Timbre.
Der jiddische Begriff „freyleikh“ heißt nicht nur fröhlich, sondern ist gleichzeitig auch der Name eines ausgelassenen Tanzes, der insbesondere auf Hochzeiten gespielt wird. Ein Tag der Fröhlichkeit, ein Anlass des Feierns, ein Leben in guten wie in schlechten Zeiten und darüber hinaus.
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- Geschrieben von: Claus Friede -
Das amerikanische, in New York ansässige, Barockensemble „Quicksilver“ erkundet auf seinem neuen Album die musikalischen Wurzeln Wiens, die lange von der Ära Mozarts und Haydns das Musikleben prägten.
Es ist die Zeit der Reformation, die Habsburger steigen zur mächtigsten Dynastie in Europa auf, der Dreizigjährige Krieg wird Mitteleuropa zerstören, Gegenreformationen und die religiöse Teilung sind besiegelt. Der Absolutismus kündigt sich an und beeinflusst das kulturelle Leben in Österreichs Hauptstadt Wien bis in die Eingeweide.
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- Geschrieben von: Marion Hinz -
Ein faszinierender Roman – traurig, tragisch und schön.
Es ist kurz vor Weihnachten 1939. Vor dem Bahnhof von Genthin in Sachsen-Anhalt kommt es drei Monate nach Beginn des Zweiten Weltkriegs und zwei Tage vor Heiligabend in einer eiskalten Nacht zum schwersten Zugunglück, das sich jemals auf deutschem Boden ereignet hat. Zwei Züge prallen aufeinander, hunderte Menschen sterben und hunderte werden verletzt.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Ein Hauptwerk selbst zu erläutern, kann zumindest drei Gründe haben. Zum einen, wie im Falle Kants mit seinen Prolegomena, ist die Absicht die, einem eklatanten Missverständnis oder Nichtverstehen der Kritik der reinen Vernunft entgegenzuwirken. Zum anderen, wie im Falle Johann Gottlieb Fichtes mit seiner mehrmaligen Neu- und Überarbeitung der Wissenschaftslehre, mag ein systematisches Ungenügen hinsichtlich des jeweils Erreichten und doch noch nicht für wirklich adäquat Befundenen vorliegen.
Und schließlich ist, was auf Schopenhauer zutrifft, das Leiden unter einer flächendeckenden Nichtbeachtung ausschlaggebend dafür, dass der Versuch unternommen wird, per Selbstverdoppelung die Aufmerksamkeit zu erzwingen, von der dieser Philosoph zeitlebens überzeugt gewesen ist, dass sie ihm ganz und gar zu Unrecht vor allem von auf seine Leistung neidischen Universitätsphilosophen vorenthalten worden ist. Man habe ihn durch ein Ignorieren in den Orkus des Vergessenseins transferieren wollen, weil sonst zu befürchten gestanden hätte, dass die eigenen vergleichsweise mediokren Leistungen vor seiner geistigen Großtat als vernachlässigenswert dagestanden hätten.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Imperfekt, Perfekt, Präsens, Futur I und II. Diese unterschiedlichen Zeitformen impliziert das Wort Verschwundensein. Und sie alle sind mit angedacht und thematisiert in dem 2016 in die Kinos gekommenen Film „Paula – Mein Leben soll ein Fest sein".
Die schweizerische Schauspielerin Carla Juri verkörpert in diesem emotional grandios auslotenden Film die im Alter von 31 Jahren verstorbene expressionistisch-naiv-naturalistische (ich charakterisiere sie auf diese kunsthistorisch etwas aus dem Rahmen fallende Weise) Malerin Paula Modersohn-Becker.
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- Geschrieben von: Claus Friede -
Es sind von Deutschland aus gerade einmal 1.200 km Entfernung: Bosnien-Herzegowina. Dorther kommt das Quintett Divanhana.
In ihrer Heimat spielt die Band schon seit mehr als zehn Jahren vor ausverkauften Häusern. Höchste Zeit, dass das Ensemble auch im deutschsprachigen Raum im Feld der Weltmusik-Fans neue Interessierte findet.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Gemeinhin wird ein Genie dafür angesehen, dass es sich weit über ein wie auch immer festzulegendes Normalmaß hinausbegeben hat. Genauer: Es ist das zum Grenzübertritt willenlos Getriebene, dem sich zu widersetzen ausgeschlossen ist.
Etwas Monströses und ungebunden Halsbrecherisches, grade so wie eine unkontrolliert hereinbrechende Naturgewalt, scheinen die unverzichtbaren Ingredienzien eines von der Mitwelt mit Ehrfurcht angestaunten Ausnahmemenschen zu sein. So dass dem Genie das dynamische Erhaben-Sein wesentlich zuzurechnen ist.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Santa Diver wurde 2006 vom Jazz-Geiger Luca Kézdy und dem Komponisten und Multiinstrumentalisten David Szesztay gegründet. Das dritte Mitglied des ungarischen Jazz-Trios, der Schlagzeuger David Szegő, kam 2015 hinzu.
Die drei Instrumente und die Persönlichkeit bewahren eine einzigartige und originelle musikalische Dimension, die irgendwo in der Kreuzung von Jazz, Welt und freier Musik liegt.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Schopenhauer und unbekannt?! Das passt, denken der Kenner und der gebildete Laie (generisches masculinum), nicht zusammen. Jedenfalls nicht für dieses und das letzte Jahrhundert. Denn zu Lebzeiten ist es um den Bekanntheitsgrad des pessimistischen Querdenkers nicht wirklich gut bestellt gewesen.
Der Quengler, Miesepeter und Misanthrop lebte über Jahrzehnte hinweg in geistig-intellektueller Isolation. Beherrschte das Unbeherrschtsein – die frustrierte Reaktion eines in seiner Bedeutsamkeit nicht erkannten philosophischen Bahnbrechers – wie kein zweiter seiner Zeitgenossen.
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- Geschrieben von: Marion Hinz -
Schöne Gedichte vom Segen und Fluch des Alters
Louise Glück hat bisher dreizehn Gedichtbände und zwei Essaysammlungen veröffentlicht. 2020 wurde sie mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Nur wenige ihrer Bücher sind bisher auf Deutsch erschienen, genauer gesagt, sind es zwei, „Wilde Iris“ und „Averno“ (Übersetzung: Ulrike Draesner). Nun ist Louise Glücks jüngstes Buch mit dem Titel „Winterrezepte aus dem Kollektiv“ wie die beiden Vorgängerinnen im Verlag Luchterhand erschienen. Dieser neue Lyrikband ist ein denkwürdiges lyrisches Alterswerk voll sprachlicher Schönheit. Er enthält 15 Gedichte, längere und kürzere. Original und Übersetzung (Uta Gosmann) befinden sich auf gegenüberliegenden Seiten. Das Buch nimmt uns Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit, auf eine Reise ins Innerste und lässt uns tief in die Gedankenwelt der amerikanischen, vielfach preisgekrönten Autorin eintauchen. Eindringen möchte man an dieser Stelle nicht sagen, wohl aber dies: es sind eindringliche Gedichte, die wir aufblättern.