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Dass die Musikszene an den Rändern Europas eine wichtige Rolle spielt, ist längst ein Allgemeinplatz. Dass sie aber derartig vielseitig ist, erstaunt dann doch immer wieder. Es gibt recht eigenartige Kombinationen diverser Musikrichtungen, die überaus gut funktionieren und etwas hervorbringen, das es Wert ist, auf dem gesamten Kontinent bemerkt zu werden.

 

Stellen wir uns einmal vor, es gibt eine junge Band namens „Ritva Nero“ (dt.: runterhängender schwarzer Ast), die sich 2017 in Finnland gegründet hat. Und weiter, sie kombiniert Metal mit vielen Ausprägungen des Rock und Blues mit tanzbarer Partymusik, als auch mit der unsterblichen Folktradition Finnlands und Kareliens. Klingt doch recht eigen – oder?

 

Das Ergebnis ist sensationell!

 

Ritva Nero Immortal Tradition COVERAuf dem ersten Ritva Nero-Album „Immortal Tradition“ (dt.: „Unsterbliche Tradition“), das im Februar 2022 auf dem deutschen Markt erscheint, liefern die fünf Musikerinnen und Musiker in neun Titeln und 41 minutenlang diese eigene, höchst hörenswerte Klangkombination ab. Zum großen Teil fetzt die Musik, die sich auf Tänze des nordischen Raums der Finno-Ugrischen-Stämme zwischen Bottnischem Meerbusen der Ostsee und dem Weißen Meer bezieht. Dabei stammen die meisten Tänze ursprünglich sowohl aus Nord- als auch aus Osteuropa: Jenkka (Finnland), Maanitus (Karelien), Polka (Tschechien/Böhmen) und Mazurka (Polen).

 

Passend zu dieser auf das 19. und sehr frühe 20. Jahrhundert zurückgehenden Orientierung finden sich im Repertoire der Instrumente der finnische Dudelsack (Säkkipilli), der aus dem 17. Jahrhundert stammt und die Tastenfidel (Nyckelharpa), die bereits im Mittelalter entwickelt wurde. Mit einem kurzem Bogen werden die Saiten gestrichen und mit Tasten verkürzt. Hinzu kommen Sopransaxofon, Rockbass und Heavy Metal-Schlagzeug. Die Liedtexte werden in finnischer oder schwedischer Sprache vorgetragen.

 

Die dichte niederfrequente Bass- und Trommel-Begleitung schafft eine eigene energetische Ebene, ohne die Nuancen und rhythmischen Details der melodischen Phrasierung der Melodien zu verändern. Saxophonistin und Bandgründerin Sanna Salonens, die an der Sibelius Akademie (Fachbereich Volksmusik) in Helsinki ihren Abschluss machte, platzierte von Anbeginn an hier den Kernpunkt ihres musikalischen Schaffens. An der Akademie traf sie Petri Prauda, ​​nahezu der einzige Spieler des Säkkipilli sowie Emilia Lajunen, die die Nyckelharpa spielt.

 

Ritva Nero Live F Pasi VirtaRitva Nero – Live. Foto: Parsi Virta

 

Schließlich wurden sowohl Drummer Patrik Fält gebeten, sich Ritva Nero anzuschließen, da er für sein sehr schnelles Double-Kicks-Spiel bekannt war als auch Jani Snellman als Rockbassist, der bereits mit finnischer Volksmusik und selbst mit historischen Tänzen einige Erfahrung hatte. Den Premierenauftritt hatte die Band zum Abschlusskonzert der Bachelorarbeit von Salonen an der Akademie. Ihr Sound war etwas völlig Neues und Ungehörtes in der finnischen Folk-Szene. Das Publikum war begeistert.


Ritva Nero: Immortal Tradition

Sanna Salonen (Sopransaxofon) | Emilia Lajunen (Tastenfidel) | Petri Prauda (Finnischer Dudelsack) | Jani Snellman (E-Bass) | Patrik Fält (Drums)

CD

Label: Nordic Notes

EAN: 0647016904535

VÖ: 25.02.2022

 

Tracklist

1. Trepatska Thrasher

2. Slayer of Schottische

3. Moshpit Mazurka

4. Megapolka

5. Rahapolska Helsingista

6. Kaks’askelvalssi

7. Dragon Quadrille

8. Rutvan Polkka

9. Master of Maanitus

 

YouTube-Video:

- Ritva Nero – Master of Maanitus

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