Kultur Kolumne
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- Geschrieben von: Redaktion -
Wenn es eine Konstante in der Biografie Vanessa Wagners gibt, dann ist es wohl ihre Vielseitigkeit.
Zum einen verfolgt sie eine Karriere als Musikerin, die ein großartiges Solo-, Kammer- und Konzertrepertoire auf internationalen Bühnen aufführt und für das „La Dolce Volta“-Label aufnimmt.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Kant befand sich in einem philosophiehistorisch vermittelten Dreifachdilemma.
Das erste Dilemma ist das einer Ontologie, die aus reinen Begriffen Probleme zu lösen sich anschickte, die aus reinen Begriffen, so Kant, unlösbar sind. Bestenfalls liefert diese – metaphysische – Ontologie Begriffserläuterungen, indem sie, je nach vorweg eingenommenem Standpunkt, verkündet, was sie sich beispielsweise unter dem Begriff der Unendlichkeit, Gottes etc. zu denken vorgenommen hat. Und liefert nichts weiter als Leerformeln, indem von Gott unter anderem seine Allweisheit, Allgüte, Allgegenwart etc. prädiziert wird. Derart zugespitzte Abstraktionen – das steckt bereits in dem Präfix All drin – sagen, ihrer Unbedingtheit wegen, schlechterdings nichts Bestimmtes aus. Wer das Unbedingte oder Absolute prädiziert, prädiziert nichts. Ein Alles ist so wenig wie ein Nichts.
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- Geschrieben von: Stefan Diebitz -
Die Anfänge der analytischen Philosophie im Wien der Zwanziger Jahre schildert der britische Autor David Edmonds unter dem irreführenden Titel „Die Ermordung des Professor Schlick“.
Leider wurde Moritz Schlick tatsächlich ermordet – leider, denn er scheint ein sympathischer Mensch gewesen zu sein –, aber irreführend ist der Titel trotzdem, denn Edmonds hat nicht die Geschichte eines Mordes erzählt, sondern den Versuch unternommen, dem Leser das Schicksal des „Wiener Kreises“ vor Augen zu führen, dem eine Reihe von später einflussreichen Philosophen und Wissenschaftstheoretikern angehörte. Erst nach gut zweihundert Seiten, im fünfzehnten Kapitel, wird die Geschichte der Bluttat erzählt und der Mörder vorgestellt, und der Rest des Buches gilt dann dem ferneren Schicksal der Mitglieder des Wiener Kreises, von denen viele nach England oder auch in die USA auswanderten.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Mit dem Album „Suite & Concertos“ schlägt il Gusto Barocco unter der Leitung von Jörg Halubek in einer Solisten-Besetzung Basler Schule den Bogen über drei Jahrhunderte, indem der Geist der musikalischen Zusammenkünfte des Collegium Musicum unter der Leitung Bachs im Zimmermann‘schen Kaffeehaus in Leipzig in unsere heutige Zeit überführt wird.
Bei aller musikalischen Expertise und allem Forscherdrang der Alte Musik- Spezialisten bezüglich der historisch informierten Aufführungspraxis bleibt dabei jedoch die Erkenntnis: Nicht alle Hintergründe lassen sich wiederherstellen, nicht alle Kontexte sind zu erschließen.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Peter Tschaikowsky und Alexander Glasunow haben jeweils nur ein Solokonzert für die Violine komponiert. Aber in jedem von den beiden werden alle virtuosen Register ausgereizt.
In einer neuen Aufnahme mit diesen beiden Meisterwerken trifft der Geiger Ivan Pochekin auf das Russische Nationalorchester – eine prominentere und erfahrenere Kombination ist wohl kaum denkbar, um diesen Werken einen individuellen Stempel aufzudrücken.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Musikgeschichtliches Zwischenspiel: Der Wandel der Sinfonik im 19. Jahrhundert
Endgültig im Zentrum des musikalischen Schaffens steht die Sinfonie seit Ludwig van Beethoven (1770-1827). Den Abschluss bildet Gustav Mahler (1860-1911). Zunächst hatte die Sinfonie, ähnlich wie die Ouvertüre, bei Konzerten den Stellenwert einer Einleitung. Mit den letzten drei Sinfonien Mozarts (1756-1791) beginnt die klassische Zeit der Sinfonien. Zentren sinfonischen Schaffens waren Mannheim und Wien. Die Norm der Viersätzigkeit setzte sich durch: Schneller Satz (Allegro), Langsamer Satz (Andante, Adagio), Menuett mit Trio, Schneller Satz (Finale). Nach diesem Muster komponierte bereits Haydn (1732-1809), ab ca. 1770 auch Mozart und schließlich vor allem Beethoven. Allerdings erreichte die Durchführung des 1. Satzes der fünften Sinfonie Beethovens eine motivisch-thematische Konzentration und Steigerung der Ausdrucksgewalt, die die Sinfonien Mozarts und Haydns weit überragte. Insgesamt charakteristisch für Beethovens Sinfonien sind drei Gesichtspunkte. 1. Musikalische Themen erfahren eine sich aus ihrer Anlage sinnfällig sich entfaltende Entwicklung; 2. Erweiterung der Ausdrucksfähigkeit des Orchesters; 3. Die Sätze werden nach Prinzipien des motivischen Zusammenhangs geordnet.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Was der weitgehend unbekannte Name Georg Muffat an Verbreitung und Reputation vermissen mag, macht er durch die unglaubliche Vielfalt, virtuose Kraft und seinen Einfluss insbesondere auf die Entwicklung der Instrumentalmusik wett.
Die Schatzkammer Muffat, die insbesondere in seiner Sonaten-Sammlung „Armonico Tributo“ zum Vorschein kommt, nimmt das Alte Musik-Ensemble Concerto Copenhagen und ihr Leiter Lars Ulrik Mortensen zur diskografischen Speerspitze kurz nach ihrem 30. Jubiläum im Jahr 2021.
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- Geschrieben von: Claus Friede -
Ikaros ist in der griechischen Mythologie jener Sohn, dessen Vater Daidalos, um von der Insel Kreta zu entkommen, Flügel fertigte, um per Vogelschlag flüchten zu können. Bekanntlich kam der junge Übermut zu nahe an die Sonne und stürzte ab.
So alt dieser Mythos, so alt die Metapher einer Bestrafung für vermeintliches Fehlverhalten. So jung allerdings das Schweizer Quintett dieses Namens.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Weil ich keiner falschen Erwartungshaltung Vorschub leisten will, präzisiere ich: Das Einst in der Überschrift bezieht sich auf die längst vergangenen Tage meiner Jugend- und Studienzeit. Als ich, Mitte der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts, das Studium der Philosophie und Germanistik an der FU Berlin aufgenommen habe. Zu einer Zeit also, als die Stadt noch geteilt war. Das Jetzt hat einen ganz konkreten Anlass: Meine in Leipzig Kulturwissenschaft studierende Tochter hat in Leipzigs unabhängiger Hochschulzeitung, kurz Luhze, einen Artikel veröffentlicht über das seit Oktober 2018 existierende Reclam-Museum.
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- Geschrieben von: Marion Hinz -
Ein preisgekrönter Roman von den Qualen der menschlichen Existenz.
Der mit dem Booker Prize ausgezeichnete Roman „Das Versprechen“ von Damon Galgut (Deutsch von Thomas Mohr) ist im Februar auf Platz 1 der ORF-Bestenliste und auf Platz 5 der SWR-Bestenliste. Der Roman erzählt eine Familiengeschichte, die sich über fast 40 Jahre des politischen Umbruchs in Südafrika erstreckt – von der Apartheid bis hin zur Demokratie, gesponnen um vier Beerdigungen in vier aufeinanderfolgenden Jahrzehnten.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Der Gitarrist Paco de Lucía brachte den Flamenco in seiner instrumentalen, virtuosen Spielart seit den 1980er Jahren einem Publikum näher, welches bis dahin vor allem Jazz und Rockmusik hörte.
40 Jahre danach liefert das schweizerische Eos Guitar Quartet eine Hommage an den legendären spanischen Musiker. Mehr noch: Für zwei Stücke konnte die „Grande Dame” des Flamencogesangs Carmen Linares gewonnen werden. Für die rhythmische Unterstützung sorgt der Perkussionist Ricardo Espinosa. Der künstlerische Blickwinkel dieser neuen, vielgestaltigen Produktion kommt definitiv aus dem Heute.
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- Geschrieben von: Stefan Diebitz -
Was geht in einem Menschen vor, der zu etwas durchgestoßen ist, das alles ändert: seine politische Einstellung, seinen Glauben, seine große Liebe? Wie vollziehen sich solche „ruckweisen Horizont-Erweiterungen“?
Das sind die Fragen, mit denen sich Lenz Prütting beschäftigt, ein langgedienter Theatermann, Theoretiker des Lachens und nicht allein in der Literatur beschlagener Autor.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
„1. Mattes und wenig bedeutendes Denken faßt sich selten kurz. (…) Es muß dauernd um die Sache herumgehen, weil es die Sache (…) nicht trifft (…). Je länger das Geschwätz, desto dünner der Sinn (…). Dagegen gehört es zu einem großen Gedanken, daß er nötigenfalls größte Kürze verträgt, ja zu ihr besonders fähig ist. Der schlimmste Tag im Leben eines ungezielten, unnotwendigen (…) Denkers mag es sein, auf einer halben Seite sagen zu müssen (…), was er zustande gebracht hat. Da brechen die Verzierungen ab, da zeigt sich: zum Lakonischen gehört Mark.“
Bereits „der einzige Satz: Erkenne dich selbst“, macht „ein wichtiges Stück Hegel kenntlich (…).“ (Ernst Bloch, Subjekt-Objekt. Erläuterungen zu Hegel, st 12. 1972, S. 32)