Kultur Kolumne
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- Geschrieben von: Stefan Diebitz -
„Sagen Sie nicht, Sie hätten keine Zeit, denn so etwas wie ‚keine Zeit‘ gibt es bei mir nicht!“
Schünda hatte sich eben auf den Operationstisch gelegt und ließ geduldig die in einem samtigen Alt vorgetragenen Ermahnungen der grün maskierten Schwester über sich ergehen. Sie beugte sich über ihn, wie sich eine Leselampe über ein Buch beugt, und beschwor den widerspenstigen Patienten, nein befahl ihm kategorisch, sich nach der Operation wirklich zu schonen und nicht gleich irgendwohin zu hetzen. „Sie kriegen eine schöne Tasse Kaffee und ruhen sich noch ein Stündchen aus, und dann, wenn die Betäubung nachgelassen hat, dann dürfen Sie sich abholen lassen!“
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- Geschrieben von: Marion Hinz -
Es sind sinnliche Gedichte über Mensch und Natur, die Christine Langer in ihrem fünften Lyrikband veröffentlicht hat. Der schmale Band mit dem Titel „Ein Vogelruf trägt Fensterlicht“ ist voll bildhafter Poesie, mit der wir unseren Geist und unsere Seele füttern können.
Das Buch ist daher nicht nur eingefleischten Lyrikfans zu empfehlen, sondern auch solchen Lesern und Leserinnen, die eher selten Gedichte lesen. Für Literaturfreunde also, die vor allem Gedichte lesen möchten, die einerseits anregend sind für die eigene Gedankenwelt, die sich aber andererseits nicht allzu schwer erschließen lassen. Gedichte also, die sich uns möglichst schon beim ersten Lesen öffnen, die wir sofort verstehen, die Herz und Sinn berühren und die Sicht weiten. Von solch feiner Art sind die hier versammelten poetischen Texte. Daher ist dieser neue Lyrikband der mehrfach ausgezeichneten 1966 in Ulm geborenen Lyrikerin als Lektüre für alle Stimmungslagen zu empfehlen.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Womit sieht sich der Leser dieses Kriminalromans von Anfang an konfrontiert?
Mit dem ganz normalen Wahnsinn und der fanatischen Scheinheiligkeit einer durch und durch verkehrten Welt. Mit einer bizarren Farce über den Parteienfilz im Salzburger Land.
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- Geschrieben von: Stefan Diebitz -
Der ewige Schachspieler
Nach dem Ausflug nach Täby (Schweden) setzte ich mich, von den vielen Eindrücken ermattet, in eine der vielen verschwiegenen Ecken, die mir die ungeheuerliche Bibliothek von Rolf Littorin (R.L. 1923-2015) bot, und studierte eine kleine Broschüre über die örtliche Kirche, die wir besichtigt hatten. Einem gewissen Albertus Pictor wurde das ebenso ungelenke wie anziehende Bild von Ritter und Tod zugeschrieben, die miteinander Schach spielten, und R.L. wollte ja zu gerne wissen, warum seit der Restaurierung das furchtbare Wort, das der Tod zu dem Ritter sprach, fehlte. „Ich setze dich matt!“, drohte der Tod dem Jüngling. Die These, dem Gemeinderat sei die Farbe für die Inschrift zu teuer gewesen, wollten wir einerseits nicht ganz unwahrscheinlich, andererseits aber doch ein wenig zu profan finden.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Man muss kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass sich dieses Buch, das man immer wieder lesen und/oder als Nachschlagewerk zu Rate ziehen kann, als Standardwerk etablieren wird oder bereits etabliert hat.
Es bietet eine Analyse der Newtonschen Mechanik in ihrer mehr als 200jährigen, speziell – „bedingt durch die Konzeption reiner Mathematik“ (358) – deutschsprachigen Entwicklung. Im Zentrum steht die Frage nach ihrer Modernisierung vor dem Hintergrund der Frage nach dem Wandel im Verhältnis zwischen Axiomatik und Empirie. Sein wichtigstes Ziel sieht Pulte darin, „die Auflösung des axiomatischen Denkens der KMN (Klassische Mathematische Naturphilosophie, F.-P.H.) im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu analysieren“ (76). Der Übergang „von einem ‚axiomatisch-deduktiven‘ zu einem ‚hypothetisch-deduktiven‘ Theorieverständnis“ (81) soll nachvollzogen werden. Behandelt werden, um nur die wichtigsten Theoretiker zu nennen, I. Newton, L. Euler, J. Lagrange, I. Kant, J. Fries, C. G. J. Jacobi, B. Riemann und C. Neumann. Für an Fragen der reinen und angewandten Mathematik, der Physik und Wissenschaftstheorie (-geschichte) Interessierte ist diese Arbeit gleichermaßen lesenswert.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Gypsy-Swing-Gitarrist Wawau Adler richtet sich mit seinem neuen Album „I Play With You“ einerseits an sein geliebtes Instrument – die Gitarre – aber gelichzeitig auch direkt an seine langjährige Fangemeinde.
Er wechselt zwischen einer klassischen Gitarre aus den Vierzigerjahren, der Selmer Nr. 828, über moderne Instrumenten bis zur zeitgenössischen elektrischen Gitarre.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Höhere Dimensionen im Spiel: Jede Phrase der Musik von Nicole Johänntgen wirkt wie ein Atemzug.
Wenn sich das Saxofonspiel der Saarländerin auch immer weiter ausdifferenziert, so bleibt hier doch der Ruhepuls in jedem Moment gewahrt.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
Martin Suter, das Ass? Die Rezensenten sind voll des Lobes, enthusiasmiert und euphorisch. Wo man hinhört: Aufgeregte Superlative im Rauschen des Blätterwalds.
Doch kann das sein? Trifft diese hypertrophe Begeisterung den Schweizer Autor in seinem Kern, oder legt sie falsche, der Sensationsgier geschuldete Fährten?
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- Geschrieben von: Claus Friede -
Die Republik Altai liegt im südwestlichen Teil Sibiriens, grenzt an Kasachstan, China und an die Mongolei. Kontinental asiatisch wird der Raum kulturell großzügig als schamanisch bezeichnet.
„New Asia“, das Ensemble um den Sänger und Instrumentalisten Dobrynya Satin, stammt aus dem dünnbesiedelten Land. Es ist ein Land der eiskalten Flüsse, der schneebedeckten Gipfel und der kargen Steppen.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Georg Philipp Telemanns früheste erhaltene Oper, die leichte und charmante „Pastorelle en musique“, eine hochgelobte Produktion der Musikfestspiele Potsdam mit exzellenten Solisten und dem Ensemble 1700 unter Dorothee Oberlinger erscheint am 3. Juni bei deutsche harmonia mundi.
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- Geschrieben von: Stefan Diebitz -
Was brachte Thomas Mann dazu, ein bizarres Werk Hartmanns von Aue († 1210/1220) in einem heiter-ironischen, fast schon frivolen Stil nachzuerzählen?
Was den mittelalterlichen Dichter an der Geschichte des Gregorius interessierte, wird aus dem Prolog deutlich, in dem er in ganz einfachen, sogar naiven Worten das Problem von Schuld und Sühne umkreist.
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- Geschrieben von: Redaktion -
Der Schweizer Harfenist Joel von Lerber widmet sich dem virtuosen Repertoire für die moderne Konzertharfe: Am 27. Mai erscheint sein Album „Légende“ mit einem Programm, das Höhepunkte des romantischen Harfen-Repertoires zu einem stimmigen Porträt sowohl des Instrumentes als auch des Künstlers verbindet.
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- Geschrieben von: Frank-Peter Hansen -
„..., dass für den Künstler, der dieses Namens würdig sein will, die Gefahr, dem Publikum zu missfallen, eine weit geringere ist als die, sich durch dessen Launen bestimmen zu lassen – und dieser Gefahr bleibt jeder ausübende Künstler insbesondere preisgegeben, wenn er nicht entschieden und prinzipiell den Muth fasst, für seine Überzeugung ernstlich und consequent einzustehen und die von ihm als die besseren erkannten Sachen vorzuführen, mag es den Leuten gefallen oder nicht.“ (Franz Liszt)
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- Geschrieben von: Marion Hinz -
Kann eine Fünfzehnjährige stolz auf ihren Vater sein, der erfolgloser Verkäufer von Markisen ist? Um es vorwegzunehmen: Ja, sie kann.
Dass dies möglich ist und darüber hinaus immer und überall neuer Raum für eine neue, wenn auch andersartige Beziehung entstehen kann, davon erzählt Jan Weiler in seinem Roman „Der Markisenmann“.