Bildende Kunst

Die Galerie Alte Schule, im Herzen des Ortes Ahrenshoop, an der Ostsee gelegen, dort wo das Fischland auf den Darß trifft, widmet sich mit einer Ausstellung dem Künstler Gerhard Marcks und dessen Freunden, die eine direkte Beziehung zu der Künstlerkolonie Ahrenshoop hatten.

Der Bildhauer und Grafiker Marcks kaufte im Ortsteil Niehagen vor 90 Jahren ein Atelierhaus.

 

Nur 40 Jahre zuvor waren bereits eine Gruppe von Künstler:innen auf das beschauliche Fischerdorf gestoßen und malten es, die Landschaft, die Reetdach-gedeckten Häuser, den Bodden, die Dünen, den alten Friedhof oder der Einheimischen mühsame Arbeit.

 

Ahrenshoop Alte SchuleVielseitig und komplex ist die Ausstellung von Bronzen und grafischen Arbeiten, denn neben Werken von Marcks sind Zeichnungen und Holzschnitte von Lyonel Feininger (1871-1956), Aquarelle von dessen jüngsten Sohn Theodore Lux Feininger (1910-2011), Grafiken und Zeichnungen von Bauhauskollegen wie Marguerite Friedlaender (1896-1985), Oskar Schlemmer (1888-1943), Johannes Itten (1888-1967), Georg Muche (1895-1987), Wilhelm Wagenfeld (1900-1990), Werner Gilles (1894-1961), Johannes Driesch (1901-1930) und Karl Peter Röhl (1890-1975) u.a. zu sehen. Daneben sind Fotografien, Briefe, Einladungskarten und Plakate ausgestellt, die von den 1920gern bis Anfang der 1960ger Jahre Bezugspunkte bilden.

 

GMarcksGerhard Marcks kam 1919, im Jahr der Gründung, an die Kunst und Gestaltungsschule Bauhaus – vom Architekten Walter Gropius (1883-1969) berufen. Als künstlerischen Leiter der Keramikwerkstatt im thüringischen Dornburg verantwortet er bis 1923 die Ausbildung der Keramiker. In diesen vier Jahren lernte er die meisten der in der Ausstellung eingewobenen Künstler:innen kennen. In einem Brief aus dem Jahr 1963 schreibt Marcks rückblickend: „Ich kam […] selber noch ganz in der Gärung und nun mit dem Verlangen, Handwerk so weit wie möglich mit der Kunst zu vereinen“ ans Bauhaus und in „dieser romantischen Epoche… bildeten wir dort eine gewisse Eigenständigkeit (gegenüber Weimar; Anm. der Red.), die gewiss reaktionär anmutete“. Besonders schätze er die pädagogischen Fähigkeiten Johannes Ittens, später Moholy-Nagys, verehrte Klee und Kandinsky und Freunde fürs Leben wurde er dort mit Feininger und Schlemmer. 1923 gab es inhaltliche Divergenzen am Bauhaus, viele Lehrende aus der Anfangszeit gingen oder wurden ausgewechselt. Was blieben waren Erinnerungen, Freundschaften und ein gereifter Künstler.

 

Einige Jahre unterrichtete Marcks ab 1925 an der Kunstschule Schloß Giebichenstein in Halle im Lehrgebiet Bildhauerei. Im gleichen Jahr besuchte er erstmals Ahrenshoop und fünf Jahre später kaufte er eine kleine Büdnerei, ein einzelnes Haus mit etwas Pachtland, welches er sukzessive erweiterte. Nach seiner Entlassung in Halle siedelte er ganz an die Ostsee. Seit 2019 ist das Haus in Niehagen von Privathand renoviert und als Kunstort erlebbar.

 

Nicht weit davon entfernt erlebt man zurzeit kleine Plastiken, Holzschnitte, Zeichnungen, Radierungen, Lithografien und Aquarelle im Original. Teils dicht und miteinander kommunikativ gehängt, können sich die Besucher:innen die Reihungen, Blöcke und Petersburger Hängungen anschauen. Einige Motive sind bekannt wie beispielsweise der Holzschnitt „Zwei Katzen“ aus dem Jahr 1921 – das Motiv wurde 1989 zum 100. Geburtstag von Marcks auf einer BRD-Briefmarke verewigt. Auch Lyonel Feiningers „Villa am Strande“, 1918 und Manhattan I, 1951 sind zu sehen. Zwar bildet das größte Konvolut die 1920er-Jahre ab, darüber hinaus finden sich aber auch Werke der 1910er bis 1950er-Jahre.

 

Für die Entdeckungsreise sollten sich die Besucher:innen etwas Zeit nehmen, auf wenig Raum gibt es dennoch viel zu sehen, zu lesen und zu erfahren. Entwicklungsschritte einzelner Künstler sind wie tagebuchartige Ausschnitte zusammengetragen worden.


Gerhard Marcks und seine Bauhaus-Freunde

Zu sehen bis zum 14. August 2022 in der Galerie Alte Schule Ahrenshoop, Dorfstraße 16 in 18347 Ahrenshoop

Öffnungszeiten: Mi-So: 10-13 und 14-18 Uhr oder nach telefonischer Absprache

Weitere Informationen

Der DIN A5-Katalog kostet 10 €

 

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Sammlung Freese, Moeller Fine Art New York, der Stiftung Bauhaus Dessau, dem Gerhard-Marcks-Haus Bremen, dem Gerhard Marcks Künstlerhaus Ahrenshoop und privaten Leihgebern.

 

 

Abbildungsnachweis:
- Galerie Alte Schule Ahrenshoop. Foto: Claus Friede

- Gerhard Marcks, Haarkämmende, 1944, Bronze, 41 x 12 x 10,5 cm

 

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