Die 1952 fertiggestellte 7. Sinfonie, die Prokofjew in einer für ihn schwierigen Zeit komponierte, da die sowjetische Führung ihn anfeindete und sein Gesundheitszustand kritisch war, sollte sein letztes vollendetes Hauptwerk sein.
Im Auftrag der sowjetischen Kinderradioabteilung komponiert und oft als „Kindersinfonie“ bezeichnet, ist Prokofjews Sinfonie Nr. 7 eine nostalgische Reflexion über die Jugend. Doch trotz ihrer wehmütigen Melodien und kindlichen Unschuld liegt in ihnen eine unterschwellige Traurigkeit. Mit durchgängigen melancholischen Nuancen und einem Ende, das an ein schlagendes Herz erinnert, mündet die Sinfonie in ein rätselhaftes Gefühl des Abschieds.
Auf dem neuen eigenverlegten Album des London Symphony Orchesters (LSO) leitet der italienische Gastdirigent Gianandrea Noseda das Orchester in einer mitreißenden Aufführung. Noseda arbeitet seit 2008 mit dem LSO und wurde 2016 zum „Principal Guest Conductor“ ernannt. Seit Herbst 2021 ist er Generalmusikdirektor am Opernhaus Zürich.
Der im damaligen russischen Kaiserreich und in der heutigen Ukraine geborene Sergei Prokofjew (1891–1953) wurde von seinen Eltern, besonders von seiner Mutter, schon früh für Musik begeistert. Bereits im Alter von neun Jahren – um das Jahr 1900 – schrieb Prokofjew den Text und die Musik für seine musikalische Märchenoper „Der Riese“ (Verlikan).
Nach dem Studium der Komposition bei Nikolai Rimski-Korsakow und Anatoli Ljadow am Konservatorium in St. Petersburg reiste er als Pianist und Dirigent nach Amerika, Frankreich und Deutschland.
Dort entwickelte er eine eigene unverkennbare und präzise musikalische Sprache.
1936 zog er zurück in die Sowjetunion; 1941 trennte er sich von seiner spanischen Frau, der Sängerin Carolina Codina (1897–1989), und verließ die gemeinsamen zwei Söhne.
Er stellte sich in den Dienst der stalinistischen Vorgaben, komponierte Sinfonien und Opern sowie Filmmusik für sowjetische Filme und politische Massenveranstaltungen.
1948 heiratete er die Autorin Mira Mendelson (1914–1968), die er bereits 1938 kennengelernt hatte. Sein Gesundheitszustand war bereits durch einen Unfall im Jahr 1945 angeschlagen. Dazu kam, dass die politische stalinistische Führung der SU ihn bezichtigte, „formalistische" Musik zu schreiben, die die Erfahrungen der arbeitenden Klassen nicht gebührend reflektiere.
Davon erholte sich Prokofjew nicht mehr und starb am selben Tag wie Stalin, am 5. März 1953.
Die zeitlich recht kurze 7. Sinfonie (1951–1952) wurde erst nach seinem Tod im Oktober 1952 in Moskau uraufgeführt.
Als ob der Komponist in seine Anfangszeit zurückkehren wollte, sind Elemente, die an Werke Rimski-Korsakows erinnern und an seine 1. Sinfonie hörbar. Die melodische Leichtigkeit und instrumentale Durchsichtigkeit sind gespickt mit orientalischen Anklängen. Die vier Sätze (Moderato, Allegretto, Andante espressivo und Vivace) sind poetisch, freundlich und geradezu verträumt. 1957 wurde das Werk mit dem Leninorden ausgezeichnet.
Prokofiev: Symphony No 7
LSO0401 / LSO Live
CD, Streaming, Download
Ca. 30 Min. Dauer
VÖ: 17.04.2026

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