Bildende Kunst
Blick in die Studio-Ausstellung. Foto: Kunstsammlungen der Veste Coburg

Voller Anmut tanzt ein elegant gekleidetes Paar durch den Saal. Im Hintergrund wird getuschelt. Dabei fällt ein wenig schmeichelhafter Begriff für den jungen Mann ein: „Windbeutel!“ – Man muss unwillkürlich bei dieser Szene schmunzeln.

Die Darstellung gehört zu einer Bilderserie, die 1781 in einem Taschenkalender erschien. Sie verspricht, zwölf Möglichkeiten aufzuzeigen, „seine Liebe anzutragen – oder um ein Herz, oder eine Hand, oder einen Geldbeutel anzuhalten.“ 

 

Geschaffen hat sie der am 16. Oktober 1726 in Danzig geborene Künstler Daniel Nikolaus Chodowiecki (1726–1801). Er war ab den 1740er Jahren in Berlin tätig und avancierte bald zum gefragtesten Illustrator seiner Zeit. Anlässlich seines 300. Geburtstags zeigen die Kunstsammlungen der Veste Coburg ab dem 9. Juli eine Studio-Ausstellung, die Einblick in sein vielfältiges zeichnerisches und druckgraphisches Werk gibt. Dabei stehen die persönlichen Skizzen von engen Familienmitgliedern und das gemeinsame künstlerische Schaffen ebenso im Mittelpunkt wie die vom Gedanken der Aufklärung geprägten druckgraphischen Serien. 

 

Die Ausstellung ist auf ungewöhnlichem Weg entstanden. Gemeinsam mit Prof. Dr. Stefanie Knöll, der Leiterin des Coburger Kupferstichkabinetts, setzte sich eine Gruppe von Studentinnen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ein Semester lang intensiv mit dem zeichnerischen und druckgraphischen Werk Daniel Nikolaus Chodowieckis auseinander. Am Ende des Semesters standen neben den üblichen Ergebnissen – dem Referat und der Hausarbeit – auch eine konkrete Idee für eine Ausstellung. Dabei waren die Seminarteilnehmerinnen, wie Prof. Dr. Stefanie Knöll bemerkt: „Vor allem bin ich fasziniert von den vielfältigen Frauenbildern, die Einblick in das damalige gesellschaftliche Leben geben.“ 

 

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In vielen kuratorischen Besprechungen hatte das Team darüber diskutiert, welche Blätter in der Ausstellung gezeigt werden sollten. Das war keine leichte Aufgabe, denn der Chodowiecki-Bestand im Kupferstichkabinett der Kunstsammlungen der Veste Coburg umfasst über 4000 Druckgraphiken und rund 200 Handzeichnungen. Daran lässt sich ermessen, wie sehr sich der Coburger Herzog Franz Friedrich Anton (1750–1806), der das Kupferstichkabinett begründete, für die Werke des in Berlin tätigen Künstlers interessierte.  

 

Chodowiecki arbeitete vor allem im Kleinformat. Die Leiterin des Kupferstichkabinetts erläutert: „Die Bilder begleiten das Kalendarium in den Taschenkalendern dieser Zeit. Hieraus erklärt sich, warum seine Serien meist aus zwölf Darstellungen bestehen – eine für jeden Monat.“ Neben dem Kalenderteil enthalten die kleinen Bücher Texte über allerlei Wissenswertes aus Geschichte, Naturkunde und Literatur. Ebenso bieten sie – ganz wie heutige Zeitschriften – aktuelle Tipps zu Mode und Frisuren. 

 

Die Herausgeber der Kalender sahen sich den Ideen der Aufklärung verpflichtet. Wohl am deutlichsten zeigt sich dies in der berühmten Serie über die „natürlichen und affektierten Handlungen des Lebens“. In ihr stellt Chodowiecki zwei Möglichkeiten, durchs Leben zu gehen, vergleichend nebeneinander. Dabei gelingt es ihm, seine moralischen Empfehlungen humorvoll zu verpacken. Noch heute laden seine Darstellungen zum Schmunzeln ein. 

 

Besonders berührend ist ein frühes Werk in der Ausstellung: das sogenannte Familienbild des Künstlers (Cabinet d'un peintre), entstanden 1771 auf ausdrücklichen Wunsch Chodowieckis Mutter in Danzig. Sie hatte ihren Sohn lange nicht gesehen und kannte ihre Schwiegertochter sowie die Enkel gar nicht. In einem Zimmer voller Kunstwerke ist die ganze siebenköpfige Familie versammelt. Ein wunderbares Familienporträt und zugleich eine Geste der Liebe über weite Entfernung hinweg.

 

Chodowiecki Familie

Daniel Nikolaus Chodowiecki: Cabinet d'un peintre, Radierung, 1771 Kunstsammlungen der Veste Coburg, Inv.-Nr. IV,9,14

 

Chodowieckis detailreiche Zeichnungen und Druckgraphiken laden dazu ein, die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts aus seinem persönlichen und überaus humorvollen Blickwinkel zu entdecken. In Ergänzung zu den Objekttexten bietet eine Smartphone-App weiterführende Informationen zur Ausstellung.  


„Daniel Nikolaus Chodowiecki: Kunst – Familie – Moral“

Zu sehen bis zum 25. Oktober 2026 im Studio der Veste Coburg, 96450 Coburg

Geöffnet: täglich 10.00 – 17.00 Uhr

Kuratorin der Ausstellung: Prof. Dr. Stefanie Knöll.

Weitere Informationen (Veste Coburg)

 

Die Ausstellung ist Teil eines internationalen Kooperationsprojektes instagram.com/chodowiecki300

 

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