Kultur Blog
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- Geschrieben von: Anna Grillet -

Ein hinreißender feministischer Western von und mit Tommy Lee Jones: Erschütternd, komisch, beängstigend, tragisch wie absurd. Überragend Hillary Swank.
Das exzentrische Roadmovie basiert auf Glendon Swarthouts gleichnamigen Roman. Es erzählt vom harten Überlebenskampf der Siedler in Nebraska um 1850: Missernten, Armut, Hunger, Diphtherie. Der Himmel dominiert die karge Landschaft und die Leinwand. Von majestätischer Schönheit sind hier nur die Wolken. Die 31jährige energische Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) bewirtschaftet ihre Farm allein und mit großem Erfolg.
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- Geschrieben von: Hans-Juergen Fink -

Der Hamburger Autor Ralph Giordano ist im Alter von 91 Jahren an den Folgen eines Oberschenkelhalsbruchs gestorben. Er war ein Mann, der sich persönlich gegen politische Unterdrückung wehren musste.
Ralph Giordano war immer ein echter Hamburger Jung, das hat ihm niemand austreiben können. Auch nicht die Tatsache, dass er als Mitarbeiter des Westdeutschen Rundfunks nach Köln zog und dort sein halbes Leben verbrachte. Schon sein Großvater Rocco war einst aus Sizilien ausgewandert und im Herzen doch Sizilianer geblieben, auch wenn er als Leiter eines Blasorchester in ganz Europa reüssierte und sich später in Hamburg niederließ. Giordanos Vater Alfons war Pianist, seine Mutter Lilly Klavierlehrerin. Dass sie jüdische Wurzeln hatte, blieb lange Zeit fast ohne Bedeutung, bevor es lebensbedrohlich wurde. Geboren 1923, ist Ralph Giordano mit seinen Eltern und den beiden Brüdern in Barmbek aufgewachsen, in der Hufnerstraße; das Haus ging 1943 im Feuersturm der „Operation Gomorrha" unter.
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- Geschrieben von: Isabelle Hofmann -

Ein Leben für und mit der Kunst: Unzählige Maler, Bildhauer und Keramiker hat Heinz Spielmann, langjähriger Direktor des Landesmuseums Schleswig-Holstein, im Laufe seiner Laufbahn kennengelernt. Viele davon „Aus der Nähe“, wie sein neues Buch heißt.
Isabelle Hofmann traf sich mit dem 1930 in Hattingen an der Ruhr geborenen Kunsthistoriker, der Architektur, Kunstgeschichte und Philosophie studierte. Nach seiner Station am Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, ab 1960, wurde er 1986 Direktor des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums Schloss Gottorf, gründete das Jüdische Museum in Rendsburg und das Richard-Haizmann-Museum in Niebüll. Nach seiner Pensionierung 1998 blieb er weiterhin aktiv, kuratiert auch heute noch zahlreiche Ausstellungen und publiziert Kunstbücher. 2002 war er Gründungsdirektor des Bucerius Kunst Forum, das er bis 2005 leitete.
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- Geschrieben von: Hans-Juergen Fink -

Zwei Teile von August Bournonvilles lebensfrohem „Napoli“ sind erhalten, den dramatischen Mittelteil, der in der märchenhaften Blauen Grotte spielt, hat Lloyd Riggins für das Hamburg Ballett neu choreographiert.
Applaus-Stürme für die Solisten, und nochmal gesteigert für den Mann, der „Napoli“ auf die Bühne der Hamburgischen Staatsoper gebracht hat: für den designierten Stellvertreter und vielleicht auch Nachfolger von Ballettintendant John Neumeier – für Lloyd Riggins. Der holte das Ballett des königlich-dänischen „Ballettmesters“ August Bournonville, das in Dänemark fast einen solchen Kultstatus genießt wie „Die kleine Meerjungfrau“, 171 Jahre nach seiner ersten und einzigen Aufführung in Hamburg wieder an die Elbe. Riggins hatte es während seiner Zeit beim Königlich Dänischen Ballett kennen gelernt. Seine rekonstruierende Fassung von „Napoli“ ist ein Tanzfest der besonderen Art.
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- Geschrieben von: Kerstin Schüssler-Bach -

„La Fanciulla del West“ gilt Kennern als die beste Opernpartitur von Giacomo Puccini (1858-1924).
Über 80 Jahre war das Stück nicht in Hamburg zu sehen. Wie schon bei ihrer erfolgreichen „Madama Butterfly“ legen Regisseur Vincent Boussard, Bühnenbildner Vincent Lemaire und Kostümbildner Christian Lacroix nun „La Fanciulla del West“ von Klischees frei. Der Dirigent Carlo Montanaro ist kompetenter Anwalt dieser außerordentlich vielfarbigen Musik.
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- Geschrieben von: Anna Grillet -

Michael R. Roskam inszeniert seinen melancholisch mysteriösen Neo-Noir als eigenwilliges Schuld- und Sühnedrama. Wieder atemberaubend: Tom Hardy
Der Titel des Thrillers bezieht sich auf die Gepflogenheit der Gangster, ihre nächtlichen Einnahmen aus Prostitution, Drogendeals oder illegalen Wetten kurzfristig in zwielichtigen Kneipen zu deponieren. Auf diese Weise verliert sich die Spur des schmutzigen Geldes, es wechselt ungesehen den Besitzer, die Gesetzeshüter tappen im Dunkel. Der schweigsame höfliche Bob (Tom Hardy) steht in so einer Bar hinter den Tresen, „Cousin Marv’s” heißt sie und tatsächlich ist Marv auch sein Cousin (James Gandolfini), ein sehr unleidlicher obendrein. Hier in Brooklyn wurde er früher mal respektiert, gefürchtet.
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- Geschrieben von: Isabelle Hofmann -

Was heißt normal, was heißt behindert?
In Alain Platels Stück „Tauberbach“ sind wir alle beschädigt – und Teil einer Wahnsinnswelt, die der belgische Choreograph und seine Compagnie „Les ballets C de la B“ als einzige große Müllhalde zeigen. Mit Platels furiosem apokalyptischem Abgesang auf Humanismus und Zivilisation endete am Wochenende auf Kampnagel das Hamburger Theaterfestival.
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- Geschrieben von: Christel Busch -

Eine Unterhose von Feldmarschall Montgomery, Queen Elisabeth als Pappfigur am Buffet, Funkenmariechen in den Farben des Union Jack, ein Tattoo „English and Proud" auf dem Nacken eines Soldaten...
Seit vier Jahrzehnten hält der britische Fotograf Martin Parr absurde Alltagssituationen, skurrile Eigenheiten und Traditionen seiner Landsleute mit der Kamera fest. Auf Einladung des Sprengel Museums fahndet Parr nach Spuren einer möglichen „Britishness" in Niedersachsen. Er wird fündig. Unter dem Titel „We love Britain!" entlarven seine Fotografien das Banale und Absonderliche der britischen Lebensart und Kultur in der niedersächsischen Provinz.
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- Geschrieben von: Claus Friede -

Ihr Vater, Dr. Joseph Carlebach (1883-1942), war der letzte Oberrabbiner des Synagogenverbandes in Hamburg während des Dritten Reich.
Er, seine Frau und drei seiner Töchter wurden in der Nähe von Riga im Dezember 1942 nach Auflösung des Konzentrationslagers „Jungfernhof“ ermordet.
Als Rabbiner, promovierter Wissenschaftler und Pädagoge galt Joseph Carlebach an der Talmud Tora Schule in Hamburg als schöpferischer Erzieher. Aus Wikipedia zitiert erklärt sich seine Maxime: „Er ging individuell auf den einzelnen Schüler ein und leitete ihn durch das Interesse am Thema zu selbständigem Lernen und Entdecken an. Dabei verstand der Lehrer sich als älterer Freund des Schülers. Grundlage und Ausgangspunkt der Lehre Carlebachs war der jüdische Glaube, der alle Lebens- und Wissensbereiche durchdringen und die Ganzheit und Einheit von Seele und Geist garantieren sollte.”
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- Geschrieben von: Christel Busch -

Die „kestnergesellschaft“ in Hannover präsentiert Skulpturen und Malereien des österreichischen Künstlers Heimo Zobernig.
Seit den Achtzigerjahren gehört Zobernig zu den wichtigsten Vertretern der zeitgenössischen Kunst in Österreich, so bestreitet er 2015 auf der Biennale von Venedig den Österreichischen Pavillon.
Die Ausstellung in Hannover zeigt handwerklich und industriell gefertigte Gebrauchsmöbel, die aus dem Kontext der Alltagswelt herausgenommen und zu skulpturalen Artefakten, zu Kunstwerken, erhöht werden. Zobernigs Objektkunst kommuniziert mit seinen separat ausgestellten abstrakten Gemälden. Seine Arbeiten tragen keine Namen, sie heißen einfach und stringent „ohne Titel".