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Endlich ändert sich etwas, wir zeigen es! Wie in anderen Ländern war die Regie in den indischen Filmindustrien lange Zeit bis auf wenige Ausnahmen ein ausschließlich männliches Betätigungsfeld. Dies ändert sich seit einigen Jahren jedoch rapide. Diese Entwicklung wollen wir aufgreifen und mit einem kleinen, feinen Programm ein Licht auf das Schaffen von Filmemacherinnen der jüngeren Generation werfen. Das in jeder Hinsicht vielfältige Programm – in Bezug auf Sprache, Genre und Machart – spiegelt die enorme Bandbreite, Vielfältigkeit und Kreativität der Arbeit indischer Regisseurinnen wider: vom starbesetzten klassischen Mainstream-Kracher über Arthouse-Kino bis zum Independent-Film. Zwischen 3. November und 10. November gibt es auf der großen Leinwand die vier Langfilme Village Rockstars, Die Schneiderin der Träume, Ozean der Träume, A Night of Knowing Nothing sowie das Kurzfilmprogramm Experimenta India zu erleben. Kuratiert von Sonja Majumder und Barbara Lorey de Lacharriere.

Karten für alle Veranstaltungen sind erhältlich online unter www.metropoliskino.de und vor Ort täglich an der Kinokasse während der Öffnungszeiten (30 Minuten vor der ersten Vorstellung).

 

Im Metropolis Kino gilt während der India Week die 3G-Regelung, sodass Zuschauer:innen geimpft, getestet oder genesen mit entsprechendem Nachweis zu uns ins Kino kommen können.

 

Alle Filme und Termine der India Week im Überblick:

Mittwoch, 3. November, 17:00 Uhr & Donnerstag, 4. November, 20:00 Uhr:

Village Rockstars

IN 2017, Rima Das, 87 Min., OV/Engl. UT

Mit Bhanita Das, Basanti Das

Das junge Mädchen Dhunu wohnt in einem wunderschönen, abgelegenen Dorf in Assam und liebt es, auf Bäume zu klettern, mit den Jungs zu fischen und Luftgitarre zu spielen, wenn sie nicht gerade ihrer verwitweten Mutter bei der täglichen Arbeit hilft. Nichts wünscht sie sich sehnlicher als eines Tages eine richtige Gitarre zu besitzen.

Indiens Beitrag für die Oscar-Verleihung 2019 ist eine mutige Geschichte über Hoffnung, Träume, Sehnsucht und die unerschütterliche menschliche Widerstandskraft, die zwar das Dilemma der Armut aufzeigt, aber der Ton und das Thema des Films sind alles andere als tragisch. Im Grunde ist es eine ermutigende Geschichte über Mut und unser Streben nach Glück.

 

Freitag, 5. November, 19:30 Uhr & Mittwoch, 10. November, 17:00 Uhr:

Die Schneiderin der Träume

Sir

IN/FR 2018, Rohena Gera, 99 Min., OmU

Mit Tillotama Shome, Vivek Gomber, Geetanjali Kulkarni, Rahul Vohra

Zwei einsame Menschen begegnen sich in der Megacity Mumbai: Ashwin ist nach mehreren Jahren in New York wieder in seine Heimatstadt zurückkehrt, Ratna hat ihr Dorf verlassen, um in der Stadt als Hausmädchen zu arbeiten — in Ashwins Wohnung. Trotz ihrer so unterschiedlichen sozialen Herkunft bemerken sie nach und nach, dass sie vieles gemeinsam haben: Beide mussten den Verlust eines nahestehenden Menschen verkraften, beide haben ihre beruflichen Träume familiären Verpflichtungen und Erwartungen unterzuordnen. In langen Gesprächen entwickeln sie ein tiefes Verständnis füreinander. Doch wo schon ihre Freundschaft aufgrund der starken und starren Hierarchien der indischen Gesellschaft ungewöhnlich ist, stellt eine mögliche Liebesbeziehung ein absolutes Tabu dar. Rohena Geras leises Spielfilmdebüt feierte 2018 in der Reihe Critic’s Week bei den Filmfestspielen von Cannes Premiere.

 

Sonntag, 7. November, 19:30 Uhr:

Ozean der Träume

Dil Dhadakne Do

IN 2015, Zoya Akhtar, 170 Min., OmU

Mit Anil Kapoor, Shefali Shetty, Priyanka Chopra, Anushka Sharma

Die Mehras gehören zur High Society von Delhi. Nach außen geben sie eine Bilderbuchfamilie ab: reich, angesehen, bestens vernetzt, die Tochter standesgemäß verheiratet, der Sohn in den Startlöchern, um den Vater als Chef des Familienunternehmens abzulösen. In Wirklichkeit sieht vieles nicht ganz so rosig aus — doch Hauptsache, die Fassade stimmt. Um diese zu pflegen, lädt das Ehepaar Mehra anlässlich seiner Silberhochzeit Familie und Freunde auf eine Kreuzfahrt im Mittelmeer ein. Was als Traumreise geplant ist, führt schon bald zu Spannungen, denn die Mehras haben eines nicht bedacht: Auf einem Schiff kann man weder voreinander noch vor seinen Problemen weglaufen … Zoya Akhtar ist eine der erfolgreichsten Mainstream-Regisseurinnen des zeitgenössischen Hindi-Kinos. In ihrem starbesetzten dritten Spielfilm blickt sie mit Schwung, Musik und Humor auf die Welt der oberen Zehntausend der indischen Hauptstadt, die allem weltgewandten Auftreten zum Trotz oft noch traditionell-konservativen Denkmustern verhaftet sind.


Montag, 8. November, 17:00 Uhr:

A Night of Knowing Nothing

IN 2021, Payal Kapadia, 96 Min., OV/Engl. UT

Payal Kapadias hybrider Spielfilm A Night of Knowing Nothing ist eines der elektrisierendsten Debüts des Jahres — und Gewinner des Preises für den besten Dokumentarfilm in Cannes: ein Fiebertraum über eine unmögliche Liebe, verbunden mit einer umfassenden Reflexion über das zeitgenössische Indien. Kapadias Film basiert auf Briefen der unsichtbaren Protagonistin L an ihren entfremdeten Geliebten K. Er ist zugleich großartig und zurückhaltend und verwebt Fragmente einer Romanze und Momente des häuslichen Lebens mit dokumentarischen Aufnahmen, die über mehrere Jahre im ganzen Land gemacht wurden. A Night of Knowing Nothing beruft sich sowohl explizit als auch subtil auf große Filmemacher des indischen Kinos wie Ritwik Ghatak, Satyajit Ray und Mrinal Sen, ist allerdings alles andere als eine nostalgische Übung. Stattdessen aktualisiert er die träumerischen Bilder und den intellektuellen Scharfsinn dieser Künstler, um über den aktuellen Zustand von Kapadias Heimatland zu reflektieren — insbesondere über die Hindernisse, mit denen die Jugend dort konfrontiert ist. A Night of Knowing Nothing ist ein Film von unerwarteter Dringlichkeit.

 

Dienstag, 9. November, 19:30 Uhr:

Experimenta India

IN 2019-2021, Sandeep C. Ashwath, Namita Aavriti, Sohrab Hura, Suneil Sanzgiri,

80 Min., OV/Engl. UT

Ein Kurzfilmprogramm, das sich mit verschiedenen Formen von storytelling/Narration auseinandersetzt. Die Filme zeichnen das Persönliche und das Politische anhand von Mythen, Poesie, mündlicher Überlieferung und Musik nach und erzählen in subtilen Bildern von Liebe, Intimität, Sehnsucht und Erinnerung. Kuratiert von Shai Heredia, Filmemacherin, Kuratorin und Leiterin der von ihr gegründeten Experimenta Biennale in Indien. Sie hat weltweit für Festivals und Kunsträume Filmprogramme kuratiert. Heredia lebt und arbeitet in Bangalore, wo sie neben ihrer Arbeit für Experimenta India am Srishti Manipal Institute of Art, Design and Technology Film und Kuratorische Praxis lehrt. Seit 2021 ist sie Mitglied des Auswahlteams der Berlinale-Sektion Forum Expanded.

 

Das Programm findet in Zusammenarbeit mit der Kurzfilm Agentur Hamburg statt.

Programm:

1. Rogue (Sandeep C. Ashwath, 2 min., 2020): Ein kurzes Stück über Verführung. Es ist eine Anspielung auf das Wort »Rogue« (Schurke). Das Homophon von »Rogue« bedeutet in Hindi »Krankheit«.

2. You, Reader (Namita Aavriti, Text von Jeet Thayil, Musik von Jeet Thayil und Hollis Coats, 9 min., 2021): Charles Baudelaire schrieb das Gedicht »Au Lecteur« (An den Leser) als Einleitung zu seiner Gedichtsammlung »Les Fleurs du Mal« (Die Blumen des Bösen). Die für den Film komponierte Musik bezieht sich unmittelbar auf das Gedicht, während der Film eine Collage aus unzähligen Einflüssen auf die Regisseurin und die beiden Musiker ist.

3. Bittersweet (Sohrab Hura, 14 min., 2021): Der Film konzentriert sich auf die Beziehung Sohrab Huras zu seiner Mutter, bei der eine akute paranoide Schizophrenie diagnostiziert wurde, und ihrem Hund Elsa. Was als Flucht vor der familiären Situation begann, wurde zu einer Methode, sich mit den Realitäten in der eigenen Familie auseinanderzusetzen.

4. Letter from your Far-off Country (Suneil Sanzgiri, 18 min., 2020): Gedreht auf 16mm-Material, das 2002 ablief — im selben Jahr, in dem der staatlich geförderte antimuslimische Völkermord im Bundesstaat Gujarat stattfand. In seinem Film zeichnet der Regisseur Linien des Protests, der Poesie, der Aufstände, der Lieder und der Ruinen seit seiner Geburt im Jahr 1989 nach. Eine Suche nach Solidarität in Klängen und Farben — rund um einen Brief des Filmemachers an einen entfernten Verwandten, der ein führender Politiker der Kommunistischen Partei Indiens in Maharashtra war.

5. Rang Mahal (Palace of Colours) (Prantik Basu, 26 min., 2019): Bis vor wenigen Jahren hatte der indische Santhali-Stamm keine eigene Schriftsprache. Geschichten und Mythen wurden bewahrt und mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Jede Erzählung hat eine andere Form, ähnlich wie die Felsen eines nahe gelegenen Hügels, die verschiedene Farbtöne aufweisen.

 

OV/Engl. UT = Englische Originalfassung mit englischen Untertiteln

OmU = Englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

 

Quelle: Kommunales Kino Metropolis

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