Der Wahl-Hamburger Achim Seifert grundiert als Sideman bei Trilok Gurtu oder dem norwegischen Trompeter Mathias Eick variabel die Grooves oder sorgt bei Udo Lindenberg, Max Mutzke, Leslie Clio und Eko Fresh für Erdung (und manchmal auch für Songs).
Als Leader seiner eigenen Formation, dem Achim Seifert Project, tritt er seit 2011 als Musiker und Komponist ins Rampenlicht.
Seit der Gründung seines Projekts hat der Berklee-Absolvent Achim Seifert in wechselnden Besetzungen vier Alben unter diesem Namen veröffentlicht. 2016 erhielt er für Noticed My Heart eine Echo Jazz-Nominierung. Auf dem bislang letzten, von NDR Kultur zum „Jazzalbum der Woche“ gekürten Werk Dünyalar („Welten“) begab er sich auf die Suche nach den Wurzeln seines türkischstämmigen Vaters und lotete u.a. mit Leonhard Huhn, Roman Rofalski, dem Grammy-nominierten Flötisten Sarpay Özçağatay und Frederik Köster Schnittstellen und Verbindungsmöglichkeiten zwischen Jazz- und türkisch-arabischen Stilmitteln aus.
Schon 2011 beschrieb der Kölner Stadt-Anzeiger nach einem Konzert bei den Leverkusener Jazztagen das Achim Seifert Project als die „erste positive Überraschung in Form eines Stars, der vorher noch keiner war.” Und das Jazz Thing lobte 2023 in einem Text zu Dünyalar: „Die krummen Takte selbstverständlich klingen zu lassen, gehört zu den Grundtugenden der Band.“
Für das neue Werk Woven Strings, das am 25.09.2026 erscheint, wählte Seifert nun einen anderen Ansatz. Im Zentrum stand der Plan, Kompositionen und Arrangements kompakter zu gestalten, eine Art „Leadsheet-Ideal“ anzustreben: „Es ging mir diesmal vor allem darum, zu schauen, wie ausgewählte Melodien und Töne miteinander kommunizieren.“ Zudem, sagt Seifert, biete eine gezielte Reduktion den Vorteil, dass sich alle Beteiligten in den Kompositionen freier bewegen und Details noch stärker fokussieren könnten. „Natürlich gibt es Harmonien, aber deren Auslegung habe ich bewusst offengelassen.“ Auch rhythmisch, etwa in Richtung bestimmter Grooves, hat er nur wenige Vorgaben gemacht. Darin lag ein gewisses Risiko, immerhin kam der in Hamburg lebende brasilianische Schlagzeuger Rafa Müller ganz neu in die Band. „Wir haben uns erst beim Spielen so richtig kennengelernt und uns in jeder Hinsicht hervorragend verstanden“, erzählt Seifert, „schon während der Proben hat Rafa viele tolle Ideen für Grooves angeboten.“
Bereits seit vielen Jahren schätzt Seifert dagegen den Wahlkölner Hayden Chisholm. „Das erste Mal habe ich ihn gesehen, als ich noch an der Uni in Hannover studierte“, erinnert er sich, „damals war ich sofort begeistert von seiner mikrofeinen Tonalität und seinen Klangfarben.“ Vor rund einem Jahr lud er den renommierten Saxophonisten zu einem Konzert in Hamburg ein. Schon eine gute Weile zuvor hatte Seifert eine Reihe von Stücken skizziert, in die er nach Chisholms Zusage gezielt dessen Ästhetik adaptierte und einarbeitete. Nach nur drei Tagen Probe verlief der gemeinsame Gig mit Pianist Lars Duppler und Schlagzeuger Rafa Müller so künstlerisch erfolgreich, dass die Produktion eines Albums nahtlos folgte.
Der nächstmögliche Aufnahmetermin im Hamburger Clouds Hill-Studio, ein halbes Jahr nach eben jener Uraufführung, bot der Band die Möglichkeit, über das bislang entwickelte Repertoire noch einmal nachzudenken. Seifert versteht das nach ihm benannte Projekt als kollektive Kooperation, behält aber – auch als Produzent – stets das letzte Wort. „Dank unseres gemeinsamen Mindsets entstand im Studio eine sehr kreative und konzentrierte Atmosphäre. Das aufmerksame Zuhören und der Sound der einzelnen Musiker werden natürlich umso relevanter, wenn nicht so viel auf den Notenblättern steht.“
Durchschnittlich drei Takes pro Stück genügten; auf Edits wurde weitgehend verzichtet. Das Ergebnis versteht Seifert als eine „Momentaufnahme“, ähnlich wie bei einem Konzert. „Das Album fühlt sich für mich sehr direkt an, und die Improvisationen sind sehr schön in den dramaturgischen Kontext eingebettet“, freut sich der erklärte Fan von Keith Jarrett, Pat Metheny und ECM. Natürlich spielt auch der Bandleader einige Soli, vermeidet dabei aber spektakuläres Auftrumpfen. Die Demonstration von Fingerfertigkeit um ihrer selbst willen ist überhaupt nicht sein Ding; lieber legt Seifert die Töne unter das Mikroskop und untersucht sie auf ihre Substanz. „Mir ist es wichtig, kein Bass-Solo zu spielen, sondern ein Solo in einem Stück.“ Hinzu kommt, dass dem E-Bass im Jazz der melodische Ausdruck natürlich mehr liegt als dem Kontrabass.“
Anders als beim Vorgänger-Album flirten die Stücke von Woven Strings kaum mit ungeraden Metren, so wie es das Stück „BL“ mit seiner energisch-fließenden und impressionistischen Anmutung tut. Und falls sich doch nicht ganz gerade Metren einfinden, wie etwa beim 11/8 von „Sound Of You“, fallen die Flirts subtil, fast unauffällig aus. Als Bassist schätzt Achim Seifert ausgefeilte Rhythmik und ist daher auch von Lars Dupplers rhythmischem Spiel begeistert. Noch zentraler sei aber, sagt er, die Stücke als Songs zu sehen, als geschlossene Einheiten, und sich auf deren Essenz zu konzentrieren. Mit Chisholm, Duppler, Müller und dem Gasttrompeter Frederik Köster beim Stück „AT“ hat Achim Seifert ideale Partner, um nuancierte Klangsprache, tiefgründige und dynamische Momente sowie lebendige Interaktionen stimmungsvoll zu vereinen.
Achim Seifert Project: Woven Strings
Achim Seifert: E-Bass, Komposition | Rafa Müller: Schlagzeug, Percussion | Hayden Chisholm: Saxophon, Obertongesang; Komposition „Fly” | Frederik Köster: Trompete „AT” | Lars Duppler: Klavier, Rhodes, Komposition „The Last Days Of Night”
Label und Vertrieb: Traumton Records
Formate: LP, digital (die CD ist Promotion Only!)
EAN: 705304474020
VÖ 25. September 2026
Weitere Informationen (Achim Seifert)
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Achim Seifert Project feat. Hayden Chisholm | movement #3 (2:44 Min.)
Tourdaten:
09.11.2026 Leverkusen / Leverkusener Jazztage
25.11.2026 Hamburg / Fat Jazz
27.11.2026 Düsseldorf / Jazzschmiede
29.11.2026 Aachen / Dumont
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