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Spektakuläre Premieren-Ausstellung in Hagen: Von Sonntag, dem 27. Juni 2021, bis Sonntag, dem 15. August 2021, präsentiert das Osthaus Museum Hagen am Museumsplatz 1 dreizehn großformatige Gemälde der beiden KunstlegendenJulian Schnabel und Jiři  Georg Dokoupil.

 

Unter dem Titel „Two Czechoslovakians Walk into a Bar“ werden  Werke gezeigt, die im Jahr 2015 während eines Besuchs von Julian Schnabel im Berliner Atelier Dokoupils gemeinsam realisiert wurden. Parallel dazu sind in den Kabinetträumen sowie in der Unteren Galerie auch Grafiken des New Yorker Künstlers Julian Schnabel aus den späten 70er Jahren bis 2021 zu sehen.

Vorwort von Tayfun Belgin aus dem Katalog: 


Jiří Georg Dokoupil & Julian Schnabel 
Two Czechoslovakians Walk into a Bar 
Collaboration Paintings

 

Berliner Dialog


Zwei Bilder, die zu Beginn der 1980er Jahre entstanden sind, haben einen großen Eindruck auf mich hinterlassen. Zum einen: Ein zweiteiliges Werk vor einer blauen Kulisse mit einem durch Stacheldraht festgehaltenen Gehirn eines Menschen, daneben eine Vase mit Blumen. Diese Arbeit des damals 28-jährigen Georg Dokoupil hat den Titel: „Geburtstag des gefangenen Fachmanns (Diptychon)“, 1982, 250 x 300 cm. Dokoupil, 1954 in Tschechien (damals Tschechoslowakei) geboren, verließ mit seiner Familie nach dem Prager Aufstand 1968 ein Land, welches zu jener Zeit unter der zum Teil unmenschlichen Herrschaft des Sowjetsystems stand. Die erwähnte Arbeit aus der Phase der wilden Malerei Dokoupils deutete für mich – in aller ästhetischen Schärfe – die damaligen Verhältnisse an. 

Georg Dokoupils Drang durch Bilder sich selbst auch Klarheit über Weltdinge zu verschaffen, bescherte uns in den Jahrzehnten danach ein sehr anschauliches Bildspektrum mit Werken, die u.a. mit Ruß, mit Muttermilch, mit Reifenabdrücken und auch Seifenlaugen realisiert wurden. Malerei hat eben unendliche Ausdrucksformen, Georg Dokoupil findet immer wieder neue Wege und setzt seine Anker. Bei ihm schauen wir aus nächster Nähe Leoparden an, sie kommen auf uns zu mit ihrem samtenen Fell und den leuchtenden Augen: meisterliche Werke mit Kerzenruß realisiert. An einem anderen Ort sehen wir die großformatigen Seifenblasenbilder der letzten Jahre mit spielerischen Variationen von Farben und Formen. 

Der Maler des zweiten Werks aus 1981 betitelte es mit: „The Sea“, 300 x 390 cm: Julian Schnabel. Seine Werke hatten in der wichtigen Berliner Ausstellung „Zeitgeist“ große Aufmerksamkeit erregt, da sie – zumindest für europäische Augen – ungewöhnlich waren. In „The Sea“ begegnet uns ein Meer von blauer Farbe mit intensiven weißen Wellenbewegungen, die eine Menge zerbrochener mexikanischer Töpfe durchwirbeln. Ein Stück Treibholz ist dicht an das Bild gesetzt und wirkt von weitem wie ein Beobachter inmitten des Geschehens. Diese ebenfalls großformatige Arbeit des damals 30-jährigen Künstlers aus der Phase der „Plate-Paintings“ war einerseits eine Zumutung für unsere damaligen, an Klassikern wie Barnett Newmann oder Marc Rotko geschulten Augen. Andererseits boten diese wilden, verkürzt mit Neo-Expressionismus bezeichneten Werke, eine gänzlich andere Aura, eine grenzenlose Freiheit, ein Abenteuer der Malerei ohne aufgesetzte theoretische Fundamentierung durch Kritiker wie Clement Greenberg. Dieses unbändige Schauen, um das Alltägliche in eine Sphäre der Kunst zu bringen und vice versa, dauert im OEuvre Schnabels bis heute an: in Malerei, in Skulptur, Performance und im Film. Wobei die feinfühligen Beobachtungen und eindrücklichen Schilderungen von existentiellen Lebenssituationen und bedrohten Lebensräumen eine herausragende Qualität des Filmregisseurs Julian Schnabels darstellen. 

Beiden Künstlern ist eigen, dass sie beständig auf der Suche sind, überall und mit wachem Geist. Für beide ist Malen nichts anderes als Entdeckung. Die Vielfalt ihres Schaffens findet im direkten Prozess statt. Das Ergebnis: Leuchtende Leopardenaugen gegen Farbströme, zarte Seifenlaugen gegen kraftvolle Zeichen, Geheimnis gegen Erzählung. Unterschiedlich ist ihr Bildwollen, verbindend ist ihre intellektuelle Kraft, die sich gerade in den „Collaboration Paintings“ eindringlich äußert. Diese gemeinsamen Arbeiten präsentieren wir unter dem Titel: „Two Czechoslovakians Walk into a Bar“ – bezugnehmend auf die Herkunft des Vaters von Julian Schnabel sowie auf derjenigen von Georg Dokoupil aus Tschechien. Diese gemeinsamen realisierten Werke offenbaren im Modus spielerischen Gestaltens die handschriftlichen Qualitäten beider Akteure. Auch wenn diese Leichtigkeit unsere Augen verwöhnt, ist doch der Dialog beider bei der Realisierung dieser Arbeiten ein intensiver gewesen. Auf den Schlag des einen folgte die Antwort des anderen, auf Linie folgte Farbe, auf geschlossene Form eine offene. Beide Künstler sind großartige Inszenierer in ihren Medien. Philipp Glass hätte sicherlich eine große Freude an der Vertonung dieser Arbeiten, die in ihrer formalen Gegensätzlichkeit mehr Gemeinsamkeit entwickeln konnten, als dies vor Beginn dieses Abenteuers denkbar gewesen sein mag. 

Ich bin Georg Dokoupil und Julian Schnabel zu großem Dank verpflichtet. Das Osthaus Museum Hagen, ein seit den Tagen des Hagener Folkwang-Museums ab 1902 traditioneller Ort für zeitgenössische Kunst, erhielt die Ehre, diese großartigen Werke in einer Premiere-Ausstellung zu präsentieren. Ein Team von Begeisterten und Förderern hat dieses Projekt begleitet. Reiner Opoku als Kurator, Autor und Ansprechpartner für beide Künstler übernahm die Organisation. Ihm danken wir herzlich! Wilfried Dickhoff, Autor und Herausgeber des Katalogs danke ich für seine einfühlsame Gestaltung des Katalogs. Die Galerie Geuer und Geuer Art Gmbh ermöglichte mit ihren Partnern das Zustandekommen dieser Schau, daher gilt mein großer Dank Dirk Geuer. Dem Team des Osthaus Museums mit dem Verwaltungsleiter Michael Fuchs danke ich in gebührender Weise! 

 

Quelle: Jörg Schwarz; Journalismus, PR & Lyrik

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