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Morten Kargaard Septet: Zealand

Gut Ding will Weile haben, sagt ein deutsches Sprichwort. Von der Idee Morten Kargaards im Jahr 2012 bis zur Fertigstellung des Albums hat es fünf Jahre gedauert. In seiner Ausbildung als Absolvent des Königlich Dänischen Konservatoriums in Kopenhagen und der Berklee School of Music in Boston spiegelt sich bereits ein transmusisches Interesse zwischen Klassik und Jazz.
Kargaard meint, die Interaktionen zwischen beiden Genres hätte deutlich Luft nach oben und er sei möglicherweise der richtige mit seinem neuen Album „Zealand“ eine Lücke zu schließen.

Um es vorweg zu sagen, das gelingt ihm und seinem Septett nur bedingt. Auch wenn auf der CD hier und da der traditionelle Pfad der Klassik verlassen wird und rhythmische Tempowechsel erfolgen, so bleibt sie doch in der klassischen Schublade, denn woanders. Musikalisch ist das Album nicht schlecht, nur der Anspruch widersetzt sich dem Ergebnis.

„Zealand“ ist ein deskriptives, narratives Album, wie bereits sein Vorgänger „Origin“. Es erzählt von der dänischen Insel Sjælland in der Ostsee, auf der so bedeutende Städte wie Kopenhagen, Roskilde, Helsingør und Fredriksberg liegen. Letztgenannte Stadt ist Aufnahmeort des Albums, präziser, die Lindevang Kirche, ein hübscher, kühler und klarer Backsteinbau für das knapp 15.000 Einwohner zählende Kirchspiel. Der Ort hat was heimeliges und Normales, kein Superdom, keine weltbekannte Kathedrale weit und breit.

COVER Morten Kargaard Septet: ZealandSchon in der Vergabe der acht Titel, z.B. „The Wind“, „Painter’s Garden“ oder „Swan Song“ lässt sich der Charakter ablesen. Das Album ist wie eine Reise choreographiert, nicht nur eine von Ort zu Landschaft zu Ort, sondern auch von Zustand, zu Erinnerung, zu Lebenshaltung. Das Morten Kargaard Septet umkreist letztlich neben persönlichen Empfindungen, die in Komposition umgesetzt sind, allgemein gültige Setzungen, ohne Klischees allzu sehr zu bemühen. Jedoch – der Klang ist nordisch, die Themen sind es auch: es tauchen folkloristische Momente ebenso auf, wie Mythenfragmente. Der Hörer kann sich gut hineinversetzen und auch seine eigenen Bilder abrufen, während er den Klängen lauscht. Manchmal, für meine Begriffe zu selten und zu kurz, reißen die Musiker aus den zu erwartenden Vorgaben aus. Da öffnet sich für ein kurzes Zeitfenster ein neuer spannender Raum, fällt aber nach wenigen Takten wieder zurück in eine bekannte Struktur. Der Befreiungskampf ist zu schnell entschieden...
Ein Hauch von Filmmusik hängt in der Luft – das Septett hat auch darin bereits Erfahrung – und ist besonders dann gut, wenn es im übertragenen Sinn bildliche Vorlagen gibt oder welche entstehen. Die melodiösen Bilder gleiten in der Regel dahin. Das wird auch dadurch unterstützt, dass bei „Zealand“ vermieden werden soll, dass ein Instrument in irgendeiner Situation die stimmliche Dominanz übernimmt – das hat geklappt. Jedes Instrument ist nur einmal vorhanden, auf reine und jazzige Rhythmusinstrumente wird ganz verzichtet. Morten Kargaard spielt Gitarre, hinzu kommen zwei Blasinstrumente und vier Streicher.

Eine ganze Reihe von Stücken sind Auftragskompositionen und hörbar durch gewisse Vorgaben der Auftraggeber geprägt. Das funktioniert zwar bis zu einem gewissen Grad, kommt aber an seine Grenzen. Und die liegen in einem Augenblick beheimatet, wenn es wie Auftragsarbeit klingt.

Morten Kargaard Septet: Zealand
Mette Termansen – oboe, english horn; Maj Berit Guassora – trumpet, flugelhorn; Karen Johanne Pedersen – violin; Jákup Lützen – viola; Samira Dayyani – cello; Morten Kargaard – guitars; Lars Johnsen – bass;
Guest: Ida-Marie Arendt – 2nd violin on "Painter's Garden"
Label: Animato
CD, ACD6161
EAN: 4012116616132
VÖ: 21.07.2017

Hörproben
YouTube-Video:
Morten Kargaard Septet, Kulturreportagen zum Bornholm Musikfestival (4:45 Min.) Dänisch mit engl. Untertiteln
Homeland - a beautiful sunset to homeland (5:42 Min.)


Abbildungsnachweis:
Header: Morten Kargaard Septet. Foto: © Patricia Frazão & Zen Production
CD-Cover
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