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In Zusammenarbeit mit dem Musée de la Musique – Philharmonie de Paris stellt der französische Gitarrist Sébastien (Seb) Martel ein neues und besonderes Album vor: „Saturn 63“.

„Saturn 63“ erscheint im Label InFiné. Der Titel des Albums bezieht sich auf ein Objekt deutscher Gitarrenbaukunst der Nachkriegszeit, ein Modell aus dem Jahr 1963, die „Hopf Saturn 63“.

 

In der Musikbranche des Schubladendenkens fällt Seb Martel oft in den Experimentalbereich – hier wird das neue Album allerdings unter Electronica einsortiert. Das wiederum beschreibt in keiner Weise seine unglaubliche Vielseitigkeit und wird dem Musiker bei weitem nicht gerecht!

 

Seb Martel ist durchaus ein besonderer Musiker, versiert im Rock, Post-Rock, mit Jazz-Improvisationen, Blues und kubanischem wie karibischem Folk vertraut, südamerikanischer Musik und französischen Chanson, historisch bewandert sowie postmodern bis zeitgenössisch unterwegs. Viele Künstler wie -M-, Morcheeba, Femi Kuti oder Salif Keita profitierten von seinem Können. Er komponiert für sich und andere und gründete 2002 mit seinem Bruder Nicolas Martel und der Kontrabassistin Sarah Murcia die Band „Las Ondas Marteles“.

 

Seb Martel Saturn 63 COVERDas neue Album ist geprägt von den Klängen verschiedener E-Gitarren. Wie in einem Forschungsprojekt lotet der Musiker den Sound von neun Gitarren aus. Diese kommen allesamt aus dem Musée de la Musique, einer Zweigstelle der Philharmonie de Paris.

 

Begleitet wird er von den Stimmen seiner engen Mitarbeiter (Bruder Nicolas, Cindy Pooch, Sabrina Bellaouel, Martin Gamet, Vincent Ségal, Vic Moan und Marc Anthony Thomason). Zwei berühmte Namen des französischen Chansons, -M- (Matthieu Chedid) und Mathieu Boogaerts, beenden das Album („MattJam“, Nr. 14) mit einer einprägsamen, hellklingenden Improvisation und gesanglichem Teppich, der jedoch sprach- und textlos ist. Die vierzehn Stücke des neuen Albums präsentieren eine Bandbreite, „ein musikalisches Fresko“, wie es im Begleittext heißt, „die dem historischen und geografischen Erbe seines Instruments treu bleiben“.

 

Das Album enthält neben eigenen Kompositionen hörenswerte Bearbeitungen von Carl Perkins, Benjamin Britten, Cavelas Vargas oder Vincent Ségal. Durch seinen recht dogmatischen Ansatz und das Ausschmücken seiner Kompositionen mit speziellen Klangnuancen und Effekten, die während der Aufnahmen gesammelt wurden, verleiht Martel „Saturn 63“ eine ideelle und in Teilen experimentelle Note.

Das vielleicht experimentellste Stück ist „Seventy“ (Nr. 5), gefolgt von „Balulatow“ (Nr. 7) und in Abschwächung „Albert Premier“ (Nr. 6).

Martels Interpretation der klassischen Elvis Presley-Nummer von 1956 „Blue Suede Shoes“ (Nr. 2) erhält eine rhythmusbetonte, etwas entschleunigte und rockig-bluesige Note. John Lee Hooker lässt grüßen. Auch die weiteren Stücke sind geprägt vom Blues, mal offensichtlicher, mal versteckter.

 

Jedoch ziehen sich die sehr unterschiedlichen Gitarrenklänge wie ein roter Faden durch das Album, ein raum-klangliches Erlebnis, das die ästhetischen Prinzipien des französischen Künstler verdeutlicht.

 

Die Hörer*innen werden in eine außerzeitliche und eine außerräumliche Erfahrung versetzt und können sich treiben lassen.


Seb Martel: Saturn 63

Label: InFiné / Vertrieb: Alive AG

CD, Vinyl

Design: MTPC

VÖ: 16. September 2022

Weitere Informationen (Homepage Label)

 

Release-Konzert: 16.09.22 – Live with guests @ Centquatre-Paris

 

YouTube-Video:

Seb Martel - Blue Suede Shoes

 

 

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