Werbung

Neue Kommentare

Hamburger Architektur Sommer 2019

CDs JazzMe
Lana Cenčić: Sama

Ein Soloalbum, dass vom ersten Song an besticht. Die Kroatin Lana Cenčić, mit Wohnsitz in New York und beeindruckender Stimme nennt ihre neue Platte „Sama“ (dt.: allein). Wenn man darauf schaut, wer alles was zur Produktion von „Sama“ beigetragen hat, dann war sie zwar nicht allein, aber sie hat einen Großteil selbst übernommen.

Musikalisch, stimmlich, aber auch von den Texten und den Arrangements und der Reihenfolge her hat sie alles richtig gemacht. Auch die Wahl ihres musikalischen Partners, David Torn, der sich seit den 1970er-Jahren als US-amerikanischer Jazz-Gitarrist und Komponist einen Namen gemacht hat ist mehr als stimmig. Torn betreibt übrigens ein eigenes Tonstudio, die Cell Labs welches auch unter dem Namen SPLaTTeRCeLL bekannt ist und brachte so zur Produktion all sein Wissen mit ein. In diesem Fall allerdings wurde in den Brooklyn Recording Studios aufgenommen und abgemischt von Daniel James Goodwin.

Nachdem Lana Cenčić sich nach 2016 eine Auszeit genommen hat, nehmen musste – zu hoher Erwartungs- und Arbeitsdruck im Business und zu wenig Rekreations- und Kreativitätsmöglichkeiten – hat sie nun gezeigt, wie wichtig das runterdimmen auf die reinen künstlerischen Prozesse und darauf das zu tun, was Entspannung und Lebensfreude bringt. Sie fängt an, kleine Videos zu drehen – immer ist sie allein darauf zu sehen, in unwirklichen Situationen, gegen den starken Wind auf einem Dach ansingend oder in ihrer Küche sitzend und sich den Mund zuhaltend, während aus dem Off eine Stimme summt oder allein vor den Tablas sitzend, auf denen sie sich Rhythmus gibt. Täglich postet sie eine Zeitlang diese kurzen Videos bei YouTube.

Die Vielseitigkeit der in Zagreb geborenen Künstlerin ist außergewöhnlich. Sie wechselt die Instrumente, Stimmmodulationen und Sprachen wie andere Leute ihre Garderobe. Sie tanzt sich durch das Album, als ob es ihr Tagesjob seit Jahrzehnten wäre. Leichtigkeit, Verspieltheit, eine große talentierte Musikalität ist die konsequente Aneinanderreihung der acht Stücke des Albums. Auch lyrisch hat sie einiges drauf und findet viele Umschreibungen, die weder abgedroschen noch längst gehört wirken, sondern individuell, kreativ.

Lana Cencic - Sama COVER„Brala Jana“, ist das kürzeste Stück, gleich zu Beginn. Es erinnert an ein kroatisches Volkslied, wiederholt reimartig Textpassagen und Refrains und wirkt wie eine Aufforderung zum Tanz.
Was in ihr steckt zeigt sich tatsächlich in „Inside of Me“ – eine ausgesprochen schöne Singer-Songwriter-Melodie mit harmonischem Charakter. Wunderbar wie hier die Instrumente eingesetzt sind und sich sacht ergänzen.
„Higher“ ist ein ruhiges, unaufgeregtes Stück, bei der die Pianobegleitung überwiegt und ab und zu eine E-Gitarre kurze Parts übernimmt. In der Tat endet ihre Stimme schließlich in höheren Tonatmosphären.
„Mind you if I shine my light?“ fragt Lana Cenčić geradezu zärtlich jemanden. Die Antwort bleibt zwar aus, aber das Licht scheint dennoch – ihr Licht.
“U stambolu“ ist wieder so ein kroatisches, an ein Volkslied erinnerndes Stück. Die Stimme wird begleitet vom hellen, rhythmischen Klang der Tablas, Keyboard und E-Gitarre erweitern den Raum.
„Turn Me into We“ ist genau eines jener leichten, jazzigen Stücke, die Ihr Können zeigen. Ihre Stimme nimmt Farben auf, kreiert emphatische Momente.
Mit wenigen klar-strukturierten Passagen aus Klavier-, Gitarren- und stimmlicher Musik fließen bei „When are we getting there?“ die Dinge zusammen.
Den Abschluss macht „Layers Leaving“, das mit über sieben Minuten längste Stück auf der Scheibe. Wunderbar die immer wieder begleitende E-Gitarre mit dem Wurlitzer-Keyboard im Wettstreit. Rhythmisch stark, vorantreibend, mit viel Energie und Elan – das bringt Freude in die Gehörkanäle.

Lana Cenčić: Sama

Lana Cenčić: voc, piano, guitar, tabvla, keyboard, composition, lyrics, arrangements | David Torn: guitar, ambience, arrangement, production
Non Label Music (Six Degrees)
EAN: 888295785624

YouTube-Videos:
- Lana Cencic - Brala Jana - SAMA Making of Album
- Lana Cencic - Mind you if I shine my light? - SAMA Making of Album
- Lana Cencic - U stambolu - SAMA - Making of Album
- Lana Cencic - Period Cramps - SAMA - Making of Album


Abbildungsnachweis:
Header: Lana Cenčić im Aufnahmestudio in New York. Foto/PR
Album-Cover
alt

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Mehr auf KulturPort.De

In ihrem Debütroman „Streulicht“ erzählt Deniz Ohde vom Erwachsenwerden zwischen den Existenzentwürfen: vom falschen Versprechen der Bildungsgerechtigkeit, vom...

„RAAZ“ ist die erste Veröffentlichung auf dem jungen Label „30M Records“, das von Hamburg aus einer neuen Generation von Komponisten im Iran eine Plattform gibt.

Mariza, die den Fado, die traditionelle Liedform Portugals, in den vergangenen zwei Dekaden modern gestaltete, erzählt auf ihrem neuen Album „Mariza Canta Amália“...

Von Alois Riehl stammt der beherzigenswerte Satz: „Nur wer sein Denken vorzugsweise an Sprachen erzogen und an die Regeln der Grammatik gewöhnt hat, mag auch von...

„Stardust Crystals” (dt. Sternenstaubkristalle) ist nicht das erste Album von Yumi Ito, aber ein sehr besonderes. Alle acht Stücke darauf sind selbst komponiert,...

Anne Weber, geboren 1964 in Offenbach, lebt seit 1983 in Paris. Sie übersetzt aus dem Deutschen ins Französische und umgekehrt. Auch ihre eigenen Bücher schreibt...


Home     Blog     Kolumne     Reisen     NewsPort     Live

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.