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Avishai Cohen: 1970

Für die Besucher seines „1970“-Konzerts in Hamburg klingt ein Mittwochabend wie ein Shabbat (Freitag): Avishai Cohen gibt zum Auftakt seines Konzertes Zeilen eines Ruhetagsgebets wider. Was dann folgt ist die ruhige Gewissheit: „Das wird ein großartiger Abend“ in der Elbphilharmonie.

Cohen, der neben dem Bass immer wieder Gesang und Elektro-Bass anklingen lässt, will seine CD vorstellen und hat sich den derzeit wohl schönsten Rahmen dafür ausgesucht: die Elbphilharmonie in Hamburg. Seine warme dunkle Stimme klingt und steigt empor bis in die letzten Ränge, seine Musiker bauen ihm ein lässig ein Klanggerüst für die Mischung aus R’n‘B, Blues sephardischen Tönen und Latino, die der Israeli diesmal präsentiert.

A Cohen 1970 COVERDas Jahr 1970 ist – wie vermutet – das Geburtsjahr von Cohen. Mit seiner 15. Silberscheibe will er seiner Kindheit im Kibbuz offenbar Tribut zollen, musikalische Anfänge einfangen, die Bandbreite seines Wirkens zeigen – in traumhaft ruhigen, gefühlsstarken und ebenso anregend-vibrierenden, fantasievollen Songs. Das ist ein Ereignis: meditativ und gleichzeitig prickelnd, wenngleich nicht wirklich Jazz.
Avishai Cohen by Moods. Die Elbphilharmonie irritiert ihn wohl nicht mehr. Festlich gekleidete Gäste in dicken Polstern – bei einem seiner Konzerte Anfang April? Naja, so ist es eben. „Song of Hope“, „Motherless Child“… Der Klang im großen Saal scheint letztlich auch ihn davonzutragen. Und er schafft es irgendwann, das Publikum – wenigstens teilweise – von den Sitzen zu fegen. Bis dahin schauen die Besucher ihm beseelt zu, wie er Gedichte von Nathan Alterman oder Songs über die Frauen im Allgemeinen und besonderen gen Saaldecke schickt, gut gelaunt ein paar argentinische Weisen untermischt – und eben singt: intensiv, betörend, befreiend. Seine Begleiter (Karen Malka – Gesang, Shai Bachar – Keyboards, Marc Kakon – E-Gitarre und Noam David – Schlagzeug) geben mit tollen Soli jedem Titel besonderen Glanz, addieren Frische und Power. Alles zusammen ein toller Abend mit Cohens CD „1970“, die ihn auch als Komponisten zeigt.

Mehr Bass und auch mehr Jazz gibt’s dann wieder bei der nächsten Veröffentlichung – oder bei den Jazztagen Dresden im November 2018.

Avishai Cohen: 1970

Avishai Cohen – acoustic & electric bass, vocals
Itamar Doari – percussion, vocals
Karen Malka – vocals
Yael Shapira – cello, vocals
Elyasaf Bishari – oud, bass guitar, vocals
Jonatan Daskal – keyboards
Tal Kohavi – drums
Label: Masterworks/Sony
LP, CD
EAN: 88985462022

YouTube-Videos:
Avishai Cohen - 1970 (Making of)
Avishai Cohen - Motherless Child (Official Video)


JazzMe – In Kooperation mit Christoph Forsthoff, Sabine Meinert, Sven Sorgenfrey und Willy Theobald. Weitere CD-Kritiken, Interviews und Informationen aus der Welt des Jazz unter www.aboutjazz.de.


Abbildungsnachweis:
Headerfoto: Andreas Terlaak, Sony Music, Moods
CD-Cover

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