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Koki Nakano, Komponist und Pianist, veröffentlicht Mitte Mai sein neues Soloalbum „Oceanic Feelings“. 

Der 1988 in Fukuoka, Japan geborene Künstler tritt weltweit auf, gilt als Neoklassiker und arbeitet häufig und gerne mit Choreographen zusammen, so kürzlich mit Damien Jalets in der neobarocken Opera Garnier in Paris. 

 

Seine Kompositionen sind zwischen der Kunst asiatischer Reduktion und europäisch-nordamerikanischer Klaviertradition angesiedelt – alles im zeitgenössischem Gewand der elektronischen Veredelung. Die Kombination von Klavier und elektronischen Sounds geben das klangliche Gerüst – Rhythmus, Staccato-Passagen, Saitenzupfen, Tropfen- und Metallgeräusche und fließende Tastenvirtuosität, die Feinheiten und Stimmungen.

 

Koki Nakano Oceanic Feeling COVER„Ozeanische Gefühle“ geben im Albumtitel einen Verweis auf etwas Großes, Weites und Tiefes. Nakano ließ sich von einen Zitat aus einem Brief des französischen Schriftstellers und Musikkritikers Romain Rolland (1866-1944) an den österreichischen Arzt und Kulturtheoretiker Sigmund Freud (1856-1939) aus dem Jahr 1927 inspirieren. In ihm verweist ersterer auf ein „ozeanisches Gefühl“ als „das Gefühl der Ewigkeit, ein Gefühl, mit der Außenwelt als Ganzes eins zu sein“.

Eigentlich umschreibt Rolland einen flüchtigen Sehnsuchtszustand, eine abstrakte Utopie von ephemerer Struktur. Eben kein „Gefühl von Ewigkeit“ – vielleicht hier und da wiederkehrend und auch nur in bestimmten Momenten und der Gefahr ausgesetzt, dass es sich lediglich um eine Fata Morgana handeln könnte, die einen ganz anderen Ort, ein anderes Geschehen widerspiegelt.

 

Was Nakano in der Tat bei all seinen zwölf Stücken auf dem Tonträger schafft, ist nah an diese Gefühle heranzukommen. Halleffekte, elektronische Verzerrungen (Body Scan [12]) und feingesponnene Texturen (Irié [5], Hydrocode [8]) sowie gelassene, kontemplative Ruhe schaffen diesen Meeres- und Bildraum, über den man scheinbar hinweg schwebt oder durch ihn hindurchgleitet. An diesem Punkt treffen sich Albumtitel und stringente Hörbarkeit von Größe, Weite und Tiefe. Hier und da lässt Nakano den französischen Impressionismus grüßen (Oceanic Feelings [1], Funadé [6], Mirroring [7]) und die (Früh-)Moderne der Musikgeschichte findet einen paradigmatischen Widerhall (Mue [2], Birth Canal [11]).

 

Bewegung spielt ein weiteres zentrales Element in den Kompositionen und darüber hinaus, egal ob langsam oder fetzig.

„Ich habe immer die Angewohnheit, mir beim Komponieren Bewegung vorzustellen“, sagt Koki Nakano erklärend. In der bereits erwähnten Aufführung von „On The Sea“ mit dem belgisch-französischen Choreografen Damien Jalet und dem aus Osaka stammenden und in Kyoto lebenden bildenden Künstler Kohei Nawa kam ihm letztlich die Idee zu „Oceanic Feeling“. „Als mein Klavier samt Hocker scheinbar auf der Meeresoberfläche trieben und die Tänzer neben mir auftraten und die Hälfte ihrer Beine im Wasser eingetaucht waren, überkam mich ein Gefühl der vollständigen Verbundenheit mit den Tänzern sowie mit der Umgebung. In diesem Moment war ich nicht nur von der Unteilbarkeit des Tanzes und meiner Musik überzeugt, sondern mir wurde zeitgleich bewusst, welche tiefgreifende Wirkung Wasserflächen, Meere und Ozeane ausüben können.“

Erlebt man Nakano live bei Konzerten, so ist auch hier Bewegung ein permanenter Zustand, denn er sitzt nicht durchgängig am Flügel, er steht, wechselt zwischen Synthesizer und Soundboards und denkt laut nach.


Koki Nakano: „Oceanic Feeling” 

Label: No Format

CD, Vinyl

VÖ: 13. Mai

 

Track List:
1. Oceanic Feeling

2. Mue

3. Glances

4. External Cephalic Version

5. Irié

6. Funadé

7. Mirroring

8. Hydrocode

9. Port De Bras

10. Treg

11. Birth Canal

12. Body Scan

 

YouTube-Videos:
-
Koki Nakano - Glances (Official video, 3:13 Min.)

- Koki Nakano – Treg (4:00 Min.)

- Koki Nakano - Port de Bras (Official video, 4:22 Min.)

 

Koki Nakano bei den musikalischen Höhenflügen. (arte-Konzert mit Tanz, 09:04 Min)

Damien Jalet & Kohei Nawa: Vessel (Trailer, 0:33 Min.)

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