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C.A.R. V.l.n.r.: Leonhard Huhn, Kenn Hartwig, Johannes Klingebiel, Christian Lorenzen. Foto: Stefan Braunbarth

„Scream your heart / wreck your brain“ – eine Krautrock-Binsenweisheit, hieß es einst in den Liner Notes zum 2020 veröffentlichten C.A.R.-Album „Befunde ab 1999“.

 

Das heute neu erschienene Album „Bäckerei 2000“ macht nun ernst damit. Nach den Eigenkompositionen von Valonia (2025) kehren die Musiker aus Köln und Berlin zu dem zurück, was sie auf „Befunde ab 1999“ zum ersten Mal erprobt hatten: Vier Tage, das eigene „Sauna“-Studio in der Berliner Gaswerksiedlung, kein Notenblatt, kein abgesprochenes Riff.

 

Was die Band dort in wechselnden Gemütslagen aufnahm, wurde nach und nach zu einem Doppelalbum verdichtet, das fast durchweg so klingt, wie es im Moment des Spielens entstand. Autorenschaft: alle vier, zu gleichen Teilen.

In der ersten Single „Los Pinchos“ ist einer dieser Momente perfekt zu hören (und im zugehörigen Video zu sehen): Schlagzeuger Johannes Klingebiel verliert einen Stick, fängt ihn verkehrt herum wieder auf und setzt den Beat erst nach einem improvisierten Break fort. Zu hören sind zerfasernde Tape Delays, an Holger Czukay erinnernde Basslinien und verträumte Melodiefragmente, die sich immer weiter aufbauen, bis man durch Klangschale und Drone sanft geerdet wird.

 

C.A.R. Baeckerei 2000 COVERWie eine nächtliche Wanderung durch die Wüste mutet „Crimson and Azure Have Become as the Sun“ an. Die aufgebaute Spannung löst sich nach 04:11 Min., wenn das Schlagzeug einsetzt und das Stück sich mit einem 56-BPM-Groove in die Stratosphäre schraubt. Der hier zu hörende Tempel-Gong stammt übrigens aus dem Instrumentarium von Jaki Liebezeit.

Für Single Nummer drei mit dem Titel „Für 4K RAW Video Editing Benötige Ich Mehr Power“ geht es mit hölzerner Percussion und undefinierbarem Gedängel in den Regenwald, bevor ketaminhafte Stimmfragmente und groovende Drums das Bild kippen. Der eine oder andere wird sich trotz des hier eingesetzten Schlagzeugs an Aphex Twins Selected Ambient Works erinnern.

 

Zwischen Krautrock, Jazz und Electronica bewegen sich C.A.R. auf Bäckerei 2000 weiter auf ihren motorischen Beats. Als Gast in der Backstube leistet der legendäre neuseeländische Musiker Hayden Chisholm einen besonderen Beitrag im Stück „High Profile Event Manager“.

 

Der ominös klingende Albumtitel stand übrigens schon vor den Aufnahmen fest. Er hat einen Bezug zu einer Bäckerei am Berliner Bersarin Platz, wo auch das Artwork entstanden ist. Warum und wieso, darüber hüllt sich die Band in Schweigen oder kann sich schlichtweg nicht mehr daran erinnern.

 

Hintergrund:

Die Kölner Band C.A.R. navigiert auf motorischen Beats durch die Zwischenräume von Krautrock, Jazz und Electronica – und kommt so an etwas heran, das kein Label braucht. Seit 2011 formt die Band einen Sound, in dem das Saxophon in elektronischen Texturen zerfließt, während Bass und Schlagzeug hypnotische Grooves legen und Synthesizerflächen den Raum aufspannen.

 

Die CAN-Vergleiche waren wohl unvermeidlich – vier Musiker aus Köln, die aus Improvisation hypnotische Grooves bauen. 2019 stand C.A.R. mit CANs legendärem Sänger Damo Suzuki auf der Bühne: zwei Generationen rheinländischer Experimentalmusik, die sich auf Augenhöhe begegneten. Wie Lars Fleischmann im HHV Magazine schrieb: „In ein, zwei Jahrzehnten werden sich Bands aus dem Rheinland mit Vorgängern auseinandersetzen müssen. Diese werden dann „C.A.R.“ heißen – Kölner Traditionen 2.0.“

 

Quer durch Deutschland und Europa ist C.A.R. zu einer festen Größe in Off-Spaces, Kunsträumen, Jazzclubs, Technoclubs und allem dazwischen geworden – aufgebaut durch unermüdliche Live-Auftritte und hochwertige Produktionen. Von dort hat sich der Sound weitergetragen: Fusion Festival, Jazzfest Kolkata, Tourneen durch Südasien und China mit Unterstützung des Goethe-Instituts. Im Spätherbst 2026 folgt eine Tournee durch Japan.

 

Ihre jüngsten Alben spiegeln ein wachsendes Universum an Kollaborateuren wider: Gästeliste (2023) mit Max Loderbauer, Niklas Wandt und Pegelia Gold; Valonia (2025) mit Evi Filippou, Oxana Omelchuk und Elif Dikeç.

 

Gleicher Motor, weiterer Orbit.


C.A.R.: Bäckerei 2000

Leonhard Huhn: Saxophone, Klarinette, Voice, Prepared Piano, Percussion, FX | Christian Lorenzen: Synthesizer, Fender Rhodes, Prepared Piano, Percussion, FX | Kenn Hartwig: Bass, Nintendo GameBoy, Guembri, Prepared Piano, Electric Guitar, Drums, Percussion, FX | Johannes Klingebiel: Schlagzeug, Synthesizers, Prepared Piano, Percussion, Voice, FX | Hayden Chisholm: Voice

Label: Planet Akwa | Vertrieb: Broken Silence

LP, digital

EAN LP: 4251896116887

VÖ: 09.10.2026

Weitere Informationen (C.A.R.)

 

C.A.R. live:

09. – 21.11.2026 Japan Tournee

22.11.2026 Berlin / Sisyphos

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