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Hamburger Architektur Sommer 2019

Kunsthandwerk, Grafik & Design
Cathy Fleckstein: "Hüttenform". Foto: Bernd Perlbach

Die Robbe & Berking Werft lädt zu einer ungewöhnlichen Ausstellung ein.

Theater-Livestream, Konzert-Livestream, Poetry-Slam-Livestream. Oliver Berking, Gründer und Inhaber der Flensburger Robbe & Berking Werft, hatte genug von Kultur via Bildschirm. Im werfteigenen Museum eröffnete er gestern Abend die Ausstellung „Kunst Schaffen 2020 – Begegnungen mit Kunst und Künstlern“.

 

Keine Spur von Stillstand. Oliver Berking steht unter Strom, das merkt man beim ersten Satz unseres Telefonats. Die Zeit drängt, in wenigen Stunden wird er eine in mehrfacher Hinsicht ungewöhnliche Ausstellung eröffnen. In der Werfthalle warten bereits Künstler und Journalisten, Karin Prien, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein hat die Schirmherrschaft übernommen, auch die Oberbürgermeisterin Simone Lange hat zugesagt. „Die Künstler sind ganz high“, sagt der Chef der international renommierten Flensburger Silbermanufaktur, der 2008 das Familienunternehmen mit dem Bau von klassisch-eleganten Holz-Yachten um ein neues Geschäftsfeld erweiterte. „Wir haben die Ausstellung wirklich aus dem Boden gestampft und sicher viele vergessen, aber es sollte schnell gehen und es wird bestimmt toll“.

 

Bestimmt! Normalerweise haben Gruppenausstellungen diese Güte einen monatelangen, wenn nicht jahrelangen Vorlauf. Schließlich ist es auch ohne Corona ein logistischer Kraftakt, rund 60 Künstler*innen zusammenzubringen – im Gepäck ihre Werkbänke und Staffelleien, denn sie sollen in der Flensburger Werft nicht nur ausstellen, sondern wochenlang vor Ort arbeiten und verkaufen – auf 1800 Quadratmeter Ausstellungsfläche in einer riesigen gläsernen Halle. Andererseits: Eine solche Schau in gerade mal vier Wochen auf die Beine zu stellen, ist vielleicht nur in Corona-Zeiten möglich, in denen der „normale“ Ausstellungsbetrieb am Boden liegt, lang geplante Ausstellungen abgesagt wurden und viele Termin-Löcher klaffen. Denn eines ist klar, nach zwei Monaten „Corona-Winter“: Künstler wie Kunstkonsumenten „dürsten nach analogem Kulturgenuss“ (Karin Prien).

 

Es war noch mitten im Lockdown, als sich Oliver Berking den Kopf darüber zerbrach, wie er Kunstschaffenden in der Krise helfen könnte. Nicht unter der Dusche, bei einer Fahrradtour kam ihm die Idee, so bald wie erlaubt eine „Initialveranstaltung“ in Sachen analoger Kunstgenuss zu starten. Als die ersten Lockerungen in Sicht waren, begann er „bei einem Kaffeetrinken“ mit Thomas Gädeke, dem früheren Interimsdirektor des Landesmuseums Schloss Gottorf, eine Liste von 60 Künstler*innen zusammenzustellen. Erklärtes Ziel: Die Auswahl soll das gesamte norddeutsche Kunstgeschehen präsentieren – alle Sparten, wohlgemerkt! So ist nun die angewandte Kunst in der Ausstellung ebenso stark vertreten, wie Bildhauerei, Malerei und Grafik. Und in allen Bereichen sind bekannte Namen dabei: Die Bildhauerin Almut Heer beispielsweise, ebenso die „Norddeutschen Realisten“, vertreten durch Johannes und Tobias Duve, Erhard Göttlicher, Andre Krigar, Meike Lipp, Lars Möller und Nikolaus Störtenbecker.

 

Unter den angewandten Künstler*innen fallen die Keramiker*innen Eva Koj, Inke und Uwe Lerch, ins Auge, der Holzgestalter Hubert Steffe aus Bremen, sowie neun Künstler*innen der Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kunsthandwerk (AdK Hamburg). Hutmacher Peter de Vries ist dabei, Tischlerin Ragna Gutschow, sowie Svea Imholze, Ulla und Martin Kaufmann, Gerda und Wilfried Moll, Wolfgang Skoluda und Claudia Westhaus. Alle sieben sind Gold- und Silberschmiede-Meister*innen, also Vertreter jener Sparte, in der sich Oliver Berking bestens auskennt.

 

Für Wilfried Moll ist die Fahrt nach Flensburg übrigens so etwas wie ein Heimspiel. Vor Jahren hat Moll für Robbe & Berking das vielfach ausgezeichnete Besteck „Alta“ entworfen, einen „Klassiker der Moderne“, der es sogar ins New Yorker Museum of Modern Art geschafft hat. Moll ist einer der ältesten Aussteller von „Kunst Schaffen“, doch Angst vor dem Virus braucht er nicht zu haben: „Wir haben den Boden mit 1,50 mal 1,50 Meter großen Feldern abgeklebt, damit jeder Besucher ein Gefühl für den notwendigen Abstand bekommt“, erklärt Oliver Berking das Hygienekonzept. Wer keinen Mundschutz dabei hat, erhält einen am Eingang. Außerdem bekommt jeder Besucher ein Paar weiße Silberschmiede-Handschuhe. So können die Exponate in die Hand genommen werden, ohne dass das Objekt hinterher desinfiziert werden muss.

Aber sicherlich werden gar nicht alle Objekte wieder aus der Hand gegeben werden. Schließlich darf man sie auch käuflich erwerben und nach Hause tragen.


„Kunst Schaffen 2020“

Zu sehen vom 27. Mai bis 21. Juni 2020

im Robbe & Berking, Yachting Heritage Centre, Harniskai 13 / Ecke Am Industriehafen 5, in 24937 Flensburg,

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11:00-18:00 Uhr, Montag (außer Pfingstmontag) geschlossen. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen

 

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