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Kurzfilmfestival Köln

Schnuckelige 10 Jahre wird das Kurzfilmfestival Köln (KFFK); als „junges Festival mit einem jungen Publikum“ testet man hier gerne neue Formen und Formate. Großes Thema dieses Mal: Virtual Reality, Cyborgs, künstliche Intelligenz, und eine Reihe mit 360-Grad-Filmen, die durch spezielle Brillen angeschaut werden können. Dafür gibt es dieses Jahr sogar einen Preis zu gewinnen.

„Bei euch herrscht so ein Spirit, immer gibt es neue Dinge zu entdecken“, so lobt der Kölner Kulturamt-Referent Till Kniola die Macher des Kurzfilmfestivals Köln, und witzelt: „Ich mag das ja, mit diesem studentischen Publikum. Stimmt das eigentlich, dass die durch die Digitalisierung nur noch so eine kurze Aufmerksamkeitsspanne haben? Das kommt euch als Kurzfilmfestival natürlich entgegen.“

Das Stichwort ist damit unfreiwillig schon gefallen: Das KFFK, das vor allem junge Festivalbesucher anzieht (der Großteil ist zwischen 18-34 Jahren alt), widmet sich zum Jubiläum 2016 unter anderem den digitalen, virtuellen Welten, die filmnarrativ und -technisch erfahrbar gemacht werden sollen. „New Aesthetics“ heißt die etablierte Programmreihe des Festivals, in der die Grenze zu Kurzfilm, Netzkunst, interaktivem Erzählen und Games erprobt und neu ausgelotet wird – dieses Jahr nun unter den drei Schwerpunkten „Future Bodies“, „Future Minds“ und „Virtual Reality“.

Bei der Kurzfilmreihe „Future Bodies“, die auch schon auf dem Film Festival Cologne zu sehen war, geht es um den menschlichen Körper, der immer weiter technologisch aufgerüstet, verändert, verbessert wird. Dazu zeigt das KFFK Filme wie „The Institute of Isolation“ von Regisseurin Lucy McRae, in der die Protagonistin ihren eigenen Körper verschiedenen Extremsituationen aussetzt: Mal läuft sie endlose Kreise im waagerecht aufgespannten Hamsterrad eines Mikrogravitäts-Trainergeräts, mal lässt sie sich in eine anechoische Kammer sperren, die so gut isoliert ist, dass der eigene Herzschlag zum unerträglich lauten Pochen wird. Oder der Kurzfilm „Hearing Colors“ von Greg Brunkella: In dieser skurrilen Scifi-Geschichte hat sich der eigentlich farbenblinde Neil Harbisson eine Antenne an den Hinterkopf operieren lassen, die es ihm ermöglicht, Farben zu „hören“. Bei „Future Bodies“ geht es aber auch um die künstliche Nachbildung unseres Ichs, wie es zum Beispiel durch Avatare oder Cyborgs geschieht. Dazu ist das elegische Musikvideo „ABC“ von Alan Warburton zu sehen, bei dem weiß-animierte Körper sich zu immer neuen Figurenkonstellationen verschränken. Oder „The Waves“ von Regisseurin Marta Di Francesco, ein von Virginia Wolfs gleichnamigem Roman inspirierter Experimentalfilm, der Erzählung und Erzählerin in geometrisch-kinematografische Formen zerlegt, sie aufbaut und wieder zerfallen lässt.

Bei „New Aesthetic: Future Minds“ liegt der Fokus dann verstärkt auf den kognitiven Aspekten des menschlichen Daseins, unser Denken und Verstehen, das im digitalen Zeitalter maschinell ersetzt oder sogar erzeugt wird. In „Memory 2.0.“ von Dugan O’Neal geht es beispielsweise um die Simulation von Erinnerungen an einen geliebten Menschen, die der Protagonist wie ein Süchtiger immer gieriger in sich aufsaugt. Interessant ist auch der Kurzfilm „Sunspring“, dessen Drehbuch durch den Algorithmus einer künstlichen Intelligenz geschrieben wurde; dieses versuchen die Schauspieler Thomas Middleditch, Elisabeth Gray und Humphrey Ker szenisch umzusetzen.

Bei „New Aesthetic: Virtual Reality“ geht es dann um das Rundumschau-Filmerlebnis, das durch die Virtual-Reality-Brillen ermöglicht werden soll. „Wir wollen jetzt aber nicht die Leute mit dem Vertreterkoffer sein, so nach dem Motto, hier probier doch mal die Brille auf“, stellt Arne Ludwig klar. Der vormalige Filmproduzent kreiert selbst 360-Grad-Filme und sitzt fürs Kurzfilmfestival Köln daher auch in der Jury, die dieses Jahr erstmals einen Preis für diese Kategorie verleihen wird. „Ich denke aber doch, dass es sich hier um einen erweiterten Grad der Fiktion handelt, ein ganz anderes Eintauchen in den Film, der sich nun nach allen Seiten hin öffnet“, so bewirbt Ludwig das „immersive Erlebnis“, das sich dem Zuschauer nun erschließen soll.

Wem das alles zu viel technischer Schnickschnack und dystopisches Zukunftsgeunke ist, kann aber auch ganz klassisch beim KFFK auf seine Kosten kommen. In fünf Blöcken präsentieren sich die Wettbewerbskategorien, 26 Kurzfilme ringen hier um Auszeichnung. Das Spektrum reicht dabei „von der szenischen Fiktion bis zur abstrakten Videoarbeit“, wie Max Richter von der Sichtungskommission erklärt. Der regionale Nachwuchs der Kölner Hochschulen zeigt wie gewohnt im „Kölner Fenster“ seine Arbeiten. Und, in Kooperation mit dem ortsansässigen Iranischen Filmfestival, wird der kürzlich verstorbene Regisseur Abbas Kiarostami beim KFFK geehrt (man kennt ihn für „Der Geschmack der Kirsche“, der die Goldene Palme in Cannes gewann). Von Kiarostami, der seine Karriere mit Kurzfilmen begann, ist es generell nicht einfach, Material zu bekommen. Gezeigt werden sollen daher seine Beiträge zu Filmanthologien (sogenannte Omnibusfilme), an denen der Regisseur immer wieder gebeten wurde mitzuwirken.

Überhaupt, Kooperationen: Was letztes Jahr noch als überstehende Marke „CineCologne“ fungierte, nämlich der Zusammenschluss mehrerer kleinerer Festivalveranstalter, die ihre Programme parallel kuratierten und zeigten – 2015 waren noch „Cinepänz“ (Kölner Kinderfilmfest), „Exposed“ (Festival für erste Filme), „Videonale.scope“ (Festival der Videonale Bonn) und „Unlimited“ (das heutige Kurzfilmfestival) mit dabei, das „Soundtrack Cologne“ (Musikfilmfestival) hatte sich schon im Vorjahr abgespalten –, geht dieses Jahr getrennte Wege. Grund seien aber keine persönlichen Zwistigkeiten, vielmehr „waren die Rahmenbedingungen nicht mehr so glücklich“, so lässt es Videonale-Leiterin Tasja Langenbach kryptisch im Raum stehen. Trotzdem wolle man weiterhin kooperieren: Cinepänz und Videonale sind anteilig auch beim KFFK vertreten.

Ob die Webseite fürs Kurzfilmfestival Köln vielleicht deswegen komplett neu aufgesetzt wird, darüber lässt sich nur spekulieren. Bislang verrät man dort nur: Startschuss ist am 16. November.

Kurzfilmfestival Köln

16.-20. November 2016
Festival-Homepage der Kurzfilmfreunde Köln e.V.
Programm


Abbildungsnachweis:

Header: Screenshot der Programmhomepage KFFK
Galerie:
01.
New Aesthetic: Future Bodies. Filmstill "ABC"
02. New Aesthetic: Future Bodies. Filmstill
"Hotaru"
03. New Aesthetic: Future Bodies. Filmstill "Parametric Expression"
04. New Aesthetic: Future Bodies. Filmstill "Utopia I"

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