Zu ihrem 100. Geburtstag hat die GEDOK sich selbst und allen Kunstinteressierten ein großartiges Geschenk gemacht: Ein Buch zum Jubiläum, in dem das vielfältige Schaffen der in der GEDOK beheimateten Künstlerinnen in den Fokus gerückt wird.
Das Jubiläumsbuch vereint auf 303 Seiten in einem vielstimmigen kreativen Dialog die Werke von 145 Künstlerinnen aus 23 Regionalgruppen. Vorgestellt wurde das Buch „Künste • Frauen • Netzwerk“ (Projektverlag) am 28. Januar in der Galerie der GEDOK Hamburg inmitten der Regionalgruppen-Ausstellung „…da blüht uns was“, die dort bis zum 28. Februar zu sehen ist.
Buchpremiere in Hamburg
Mit Lesungen, Live-Performances, Videoeinspielungen und Musik feierten die Gäste die Buchpremiere im Kunstforum der GEDOK Hamburg, Koppel 66/Lange Reihe 75. Moderiert wurde der Abend von Sabine Rheinhold, Vorsitzende der GEDOK Hamburg. Gemeinsam mit Patricia Falkenburg, Bundesfachbeirätin für Literatur im Vorstand des Verbandes, begrüßte sie die Gäste. Beide betonten im anschließenden Zwiegespräch, dass das Leitthema des Jubiläumsjahres „100 Jahre GEDOK – Künste • Frauen • Netzwerk“ auch Leitthema dieses Buches sei. Herausgeberin ist die GEDOK (Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstfördernden e.V.), Dachverband der derzeit 23 Regionalgruppen in ganz Deutschland mit rund 3.000 Mitgliedern. Konzept, Planung und Organisation des Buchprojektes lagen in den Händen von Patricia Falkenburg. Die Kuratierung der Beiträge erfolgte durch die jeweiligen Fachbeirätinnen für Angewandte Kunst und Bildende Kunst, für Literatur und Musik. Im nächsten Schritt wurden die Buchbeiträge juriert und lektoriert. Für die Redaktion verantwortlich waren Patricia Falkenburg, Anja Liedtke und Insa Wenke.
„Lang ist die Kunst, kurz das Leben“
„Dieses Buch ist ein wichtiger Beweis für die Ausdruckskraft und Vielfalt der Künstlerinnen und der Mitglieder der GEDOK. Es wird dem Motto des Jubiläumsjahres gerecht: „Künste • Frauen • Netzwerk“, schreibt die Präsidentin des Verbandes, Béatrice Portoff, in ihrem Grußwort, das dem Buch vorangestellt ist. Pastpräsidentin Ursula Toyka folgt mit einem erhellenden Essay „Über die Künste und die GEDOK“, in dem sie einen weiten Bogen spannt, der bei Seneca und Hippokrates mit einem Zitat beginnt: „Lang ist die Kunst, kurz das Leben“, und bei der heutigen Situation von Künstlerinnen endet. Um deren Situation dauerhaft zu verbessern, brauche es „in unserer immer noch vorrangig patriarchalisch geprägten Gesellschaft über alle unterschiedlichen Richtungen und Standpunkte hinweg nach wie vor den feministischen Diskurs“. Hier komme dem GEDOK-Modell Vorbild-Charakter zu. Dies gelte so lange, „bis künstlerische Leistungen von Frauen von allen öffentlichen Institutionen und in der Kulturwirtschaft selbstverständlich fair gewürdigt, bewertet, präsentiert, publiziert, angekauft sowie für die Nachwelt bewahrt werden“. Für diese wichtige Arbeit wäre eine Institutionalisierung erforderlich – sprich: eine dauerhafte institutionelle finanzielle Förderung für das älteste und nach wie vor europaweit größte Netzwerk für Künstlerinnen aller Kunstgattungen. Schon seit langem, aber leider bisher erfolglos, kämpfen engagierte GEDOK-Frauen auch für dieses Ziel.
Zehn Kapitel Kunst
Das 300-seitige Jubiläumsbuch ist in zehn Kapitel gegliedert: Aufbruch, Bewegung, Natur, Beziehung, Frauenleben, Ida Dehmel, Netzwerk, Künste, Gesellschaft, Erinnerung. Es enthält einen Index der Künstlerinnen und deren im Buch vertretenen Werke, einen Text zur Buchentstehung sowie eine Danksagung. Beim Lesen und Blättern im Buch besteht durchaus die Gefahr – die zugleich auch eine Chance ist –, sich in diesem Buch zu verlieren, sich tief hineinzuversenken und den Alltag für eine Weile zu vergessen.

Autorinnen lasen ihre Buchbeiträge in der Galerie der GEDOK, Hamburg. Foto: Karl Günter Rammoser.
Soll sagen: „Künste • Frauen • Netzwerk“ beinhaltet ein solch vielfältiges Spektrum, dass es schwerfällt, sich von diesem Buch loszureißen. Genauso schwer fällt es, einzelne Beiträge herauszugreifen, weil jeder Beitrag uns etwas zu sagen hat und damit die Möglichkeit in sich trägt, uns Leser, Hörer und Betrachter (Mann ebenso wie Frau) in Bann zu ziehen. Zumal sich Hör-, Lese- und Sehbeiträge gleichermaßen anbieten. Sie lassen sich entweder direkt wahrnehmen oder öffnen sich via QR-Code.
100 Jahre Frauenförderung
100 Jahre GEDOK – das bedeutet auch 100 Jahre Frauenförderung. 1926 gründete die Kunstförderin Ida Dehmel, Witwe des zu seiner Zeit berühmten Dichters Richard Dehmel, „weitherzig“ – wie sie selbst schrieb – einen interdisziplinären und
überregionalen Verband zur Förderung der Kunst von Frauen. „Weitherzigkeit“ bedeutete für sie, alle Kunstdisziplinen sollten gleichermaßen Beachtung finden. Neben der Bildenden also auch die Angewandte Kunst, die Darstellende Kunst ebenso wie die Musik und die Literatur. 1933 schrieb Ida Dehmel das Geleitwort zum Buch „Eine deutsche Künstlerin. Ein Gedokbuch“. Hier heißt es: „Die Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen ist aus zwei gleich starken Quellen entsprungen: der Liebe zur Kunst und der Verehrung für den schöpferischen Menschen. […] Den Künstlerinnen, aus deren Gaben sich dieses Buch zusammensetzt, sei unser Dank ausgesprochen.“

Stickerei von Ida Dehmel. Foto: Patricia Falkenburg. Ida Dehmel. Foto: A. Mocsigay. Gemeinfrei
Buch der Künste
Das gilt auch für das „neue“ Buch im „alten“ Netzwerk, das trotz seiner 100 Jahre so jung geblieben ist. Damals wie heute dient das Engagement all derer, die sich im Verband engagieren, der Liebe zur Kunst – insbesondere der weiblichen Kunst. Dies geschieht durch Preisvergaben, Publikationen, Ausstellungsprojekte, Lesungen und Konzerte. All das schafft öffentliche Sichtbarkeit. Diese Liebe zur Kunst, die interdisziplinäre Arbeit und Überregionalität sind Leitgedanken der GEDOK, die zum Jubiläum auch mit ihrer bislang aufwändigsten Publikation verdeutlicht werden: „Künste ∙ Frauen ∙ Netzwerk“, erschienen im Projektverlag Bochum/Freiburg, ist ein vielstimmiges „Buch der Künste“ mit Werken von Künstlerinnen aller Bereiche: Arbeiten der Bildenden und Angewandten Kunst treten in kreative Gespräche mit literarischen Texten, mit Musik und Notenbeispielen, mit Video-Installationen und –Produktionen auch der Darstellenden Kunst. Über mehr als 300 Seiten spannt sich dieses kreative Netz aus Bildern, Texten und Klängen, wobei die Audio- und Videoaufnahmen im Buch – wie gesagt – über QR-Codes zugänglich sind. Die bewusst gewählte Offenheit des Titels erlaubte den Künstlerinnen vielfältige individuelle Zugänge: In einem gemeinsamen interaktiven Prozess entstanden neue Werke, bereits fertige Arbeiten setzten sich auf neue Weise mit anderen in Verbindung. Hierzu wurde eine „Cloud“ eingerichtet, die als virtueller Arbeitsplatz funktionierte, in dem alle interessierten Künstlerinnen die Arbeiten der Kolleginnen sehen und mit eigenen Werken darauf reagieren konnten. Das auf diese Weise gewebte Kunst-Netzwerk spiegelt im Jubiläumsbuch das breit gefächerte künstlerische Potenzial der GEDOK wider.
Ida Dehmel: „Das Perlengewebe“
Viele der rund 150 beteiligten Kolleginnen haben sich in ihren Werken auf eines der beiden öffentlich überlieferten Gedichte Ida Dehmels bezogen: „Das Perlgewebe“. Nun freut sich die Herausgeberin ganz besonders, nicht nur dieses Gedicht im seinerzeit von Richard Dehmel veröffentlichten Wortlaut zu präsentieren, sondern auch seine spannende Geschichte: Erstmals wird das Original von Ida Dehmel der bislang zugänglichen Fassung gegenübergestellt und ihren eigenen, unverfälschten Worten so zu ihrem Recht verholfen. Zu verdanken ist dies der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Ergänzend zum „Buch der Künste“ hat die GEDOK e.V. eine Festschrift zum Jubiläum herausgebracht, die auf 220 Seiten in zahlreichen Essays, ergänzt durch Bildmaterial und „fact sheets“, Geschichte, Aufgaben, Projekte und die Struktur des Verbands beleuchtet.
Künste ∙ Frauen ∙ Netzwerk
Hrsg. GEDOK e. V., projektverlag, Bochum / Freiburg 2025
303 Seiten
ISBN 978-3-89733-631-5
Weitere Informationen (Verlag)
Festschrift – 100 Jahre GEDOK e. V.
Hrsg. GEDOK e. V.
220 Seiten
ISBN 978-3-940757-37-1
erhältlich über den Bundesverband per E-Mail an gedok[at]gedok.de.

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