Anlässlich der erstmaligen Vergabe des LVM-Kunstpreises für Kunst im öffentlichen Raum hat sich die Jury einstimmig für das Werk „86° WALTER HALİT (2025)“ der deutsch-iranischen Künstlerin Natascha Sadr Haghighian entschieden.
Mit der weithin sichtbaren Installation auf dem Dach des Kasseler Regierungspräsidiums setzt Haghighian ein künstlerisch herausragendes und zugleich eindringlich gesellschaftspolitisches Zeichen. Das Werk versteht sich als unübersehbares Mahnmal gegen rechtsextreme Gewalt und erinnert an zwei Persönlichkeiten, deren Lebenswege und gewaltsame Tode untrennbar mit Kassel verbunden sind: den ehemaligen Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke und Halit Yozgat.
„86° WALTER HALİT steht als künstlerisch anspruchsvolles Zeichen für Demokratie, Wachsamkeit und gesellschaftliche Verantwortung. Das Werk leistet damit einen bedeutenden Beitrag zur mitmenschlichen Kultur unserer Zeit“, so das Fazit der Jury.
Die Entscheidungsjury – zusammengesetzt aus sieben Persönlichkeiten aus Kulturinstitutionen, Kunsthochschulen und Kulturjournalismus - würdigt insbesondere die Art und Weise, wie die Künstlerin mit ihrer Lichtskulptur die vermeintliche Neutralität des Behördenbaus bewusst durchbricht. Die Farbgebung setzt ein markantes visuelles Signal im Stadtraum und regt den gesellschaftlichen Diskurs über die Zukunft des demokratischen Zusammenlebens an. Durch die Verwendung der beiden Vornamen „Walter“ und „Halit“ schafft Haghighian eine persönliche Dimension des Gedenkens, die zugleich über die individuellen Schicksale hinausweist und unterschiedliche Fälle rechter Gewalt miteinander verbindet. Audio-Erzählungen und eine interaktive digitale Landkarte vor Ort integrieren das Gedenken zudem in den Alltag der Bürger.
„Das Werk wird nicht nur in Kassel als Teil der Identität der Stadt wahrgenommen, sondern setzt weit darüber hinaus ein starkes Zeichen für die Wirksamkeit und Relevanz von Kunst als Diskursimpuls. Genau das soll mit dem LVM-Kunstpreis ausgezeichnet werden“, so Monika Schäfer-Althoff, LVM-Kulturbeauftragte und Initiatorin des Kunstpreises.
Die LVM Versicherung gratuliert Natascha Sadr Haghighian zu dieser wegweisenden Arbeit, die zeigt, welche Wirkung Kunst im öffentlichen Raum entfalten kann – als hochqualitatives Kunstwerk ebenso wie als Mahnmal und Impulsgeber für gesellschaftliche Debatten.
LVM-Kunstpreis
Der LVM-Kunstpreis ist mit insgesamt 50.000 Euro dotiert. Er umfasst neben dem Preisgeld von 25.000 Euro eine Ausstellung auf dem LVM Campus sowie Diskurs-Veranstaltungen in Münster und am Standort des ausgezeichneten Werks. Neben dem prämierten Kunstwerk wurden folgende Arbeiten für die Shortlist nominiert:
Nevin Aladağ | Color Floating
Ruth Buchanan | Ein Garten mit Brücken (Wirbelsäule, Magen, Kehle, Ohr)
Heike Mutter und Ulrich Genth | Tiger & Turtle – Magic Mountain
terra0 (Paul Kolling, Max Hampshire, Paul Seidler) | Autonomous Forest
Sasha Waltz | In C – Marler Partitur
Die Preisverleihung findet am 04. September 2026 bei der LVM Versicherung in Münster statt.
Weitere Infos: LVM-Kunstpreis.
Quelle: LKVM; Versicherung Münster

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