Der „Kunstpreis der Stadt Aschaffenburg“ wurde im Rahmen der feierlichen Eröffnung der Ausstellung „STUFEN – ERKLIMMEN.WACHSEN.“ zum zweiten Mal verliehen.
Die Künstlerin Finja Sander ging als Preisträgerin hervor. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 5.000 Euro dotiert und würdigt herausragende künstlerische Positionen mit einem biografischen und/oder inhaltlichen Bezug zur Region.
Die Jury zeichnete Finja Sander für ihre Arbeit „Stufe Null“ (2026) aus, eine multimediale Soundinstallation, die zwei vorausgegangene Prozesse verdichtet: dem Sammeln persönlicher Erinnerungen aus der Aschaffenburger Stadtgesellschaft und den Rhythmus einer kollektiven Performance im öffentlichen Raum. In der Installation begegnen sich individuelle Stimmen und ein gleichförmiger Takt, der sich jeder linearen Fortschrittslogik entzieht.
Ausgangspunkt der Arbeit ist ein offener Aufruf der Künstlerin an die Bewohner*innen Aschaffenburgs, persönliche Erinnerungen zu teilen. Die eingesandten Texte wurden von der Künstlerin anonymisiert und als gleichwertige Teile in eine Lecture eingeebnet. Einzelne Fragmente verlieren dabei ihre narrative Geschlossenheit und werden zu Material – zu Stimmen ohne Absender, zu Erinnerungen ohne Hierarchie.
Parallel dazu entstand im Stadtraum eine kollektive Bewegungssituation: Teilnehmende bewegten sich über Stunden hinweg synchron auf Aerobic-Steppern, ohne sich räumlich fortzubewegen. Aus dieser körperlichen Gleichförmigkeit entwickelte sich ein gemeinsamer Rhythmus, der die Grundlage der Installation bildet.
In der Verschränkung beider Ebenen entsteht ein Spannungsfeld zwischen Individualität und Kollektivität: Der Rhythmus verbindet und strukturiert, kann jedoch zugleich vereinheitlichen und überdecken. Sanders Arbeit macht diese Ambivalenz erfahrbar und verhandelt Erinnerung nicht als statischen Rückblick, sondern als gegenwärtigen,
körperlich geprägten Prozess, der sich im Moment formt und wieder auflöst.
Finja Sander, geboren 1996 in Hildesheim, lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin bei Ursula Neugebauer und Valérie Favre und schloss ihr Studium 2022 als Meisterschülerin ab. 2023 wurde sie mit dem UdK Berlin Art Award ausgezeichnet. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen Performance, Installation, Fotografie und Objekt und beschäftigt sich mit Erinnerungskultur, kollektiven Ritualen und der politischen Dimension des Körpers.
Neben dem Hauptpreis werden auch in diesem Jahr zwei weitere Auszeichnungen vergeben: Der „Publikumspreis des Förderkreises der Kunsthalle Jesuitenkirche“ (2.000 Euro) sowie der „Main-Echo-Leserpreis“ werden im Rahmen der Ausstellung verliehen.
Die Preisausstellung „STUFEN – ERKLIMMEN. WACHSEN.“ ist vom 25. März bis 12. Juli 2026 in der Kunsthalle Jesuitenkirche zu sehen. Sie versammelt die Arbeiten der ausgewählten Finalist*innen und widmet sich dem Motiv der Stufe als vielschichtiger Denkfigur zwischen Bewegung, Stillstand und gesellschaftlicher Ordnung.
Der Jury des „Kunstpreises der Stadt Aschaffenburg 2026“ gehören an: Hendrik Bündge (Staatsgalerie Stuttgart), Katharina Dohm (Schirn Kunsthalle Frankfurt), Luisa Heese (Kunsthalle Mannheim), Henrike Holsing (Museum im Kulturspeicher Würzburg), Sabiha Keyif (ifa – Institut für Auslandsbeziehungen), Ina Neddermeyer (Museum Giersch der Goethe-Universität) sowie Benedikt Seerieder (Museum Brandhorst).
Den Vorsitz führte Johannes Honeck, Leiter der Kunsthalle Jesuitenkirche und des Christian Schad Museums (ohne Stimmrecht).
Quelle: Kunsthalle Jesuitenkirche / Christian Schad Museum

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)
Kommentare powered by CComment