Die Schriftstellerin, Theaterregisseurin und Schauspielerin Emine Sevgi Özdamar erhält den mit 15.000 Euro dotierten Bertolt-Brecht-Preis 2026 der Stadt Augsburg. Die feierliche Preisverleihung findet am Dienstag, 10. Februar um 19 Uhr im Kleinen Goldenen Saal, Jesuitengasse 12, statt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich für eine kostenfreie Teilnahme per Mail an
OB Eva Weber: Preis würdigt künstlerisches Schaffen im Geiste Brechts
„Der Bertolt-Brecht-Preis ist einer der wichtigsten Kulturpreise, den die Stadt Augsburg vergibt. Es ist uns eine große Ehre, ihn im 70. Todesjahr Bertolt Brechts an Emine Sevgi Özdamar zu verleihen. Der Preis wird alle zwei Jahre an Persönlichkeiten vergeben, die sich in ihrer künstlerischen Arbeit kritisch mit der Gegenwart auseinandersetzen – ganz im Sinne Brechts. Emine Sevgi Özdamar ist eine würdige Preisträgerin, die mit ihrer Haltung, ihrem Denken und ihrem künstlerischen Schaffen Maßstäbe setzt. Mein Dank gilt der Jury für ihre sorgfältige und engagierte Arbeit“, so Oberbürgermeisterin Eva Weber.
Kulturreferent Jürgen K. Enninger: unbequem, wach, voller Menschlichkeit
Kulturreferent Jürgen K. Enninger, Vorsitzender der Jury, ergänzt: „Mit Emine Sevgi Özdamar ehren wir eine literarische Stimme, die mit poetischer Kraft und politischer Klarheit Brücken zwischen Kulturen schlägt. Ihr Werk steht ganz im Geiste Bertolt Brechts: unbequem, wach, und voller Menschlichkeit. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche ist ihre Perspektive unverzichtbar.“
Die Preisträgerin Emine Sevgi Özdamar
Emine Sevgi Özdamar, geboren 1946 in Malatya, Türkei, zählt zu den prägendsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. In Istanbul und Bursa aufgewachsen, entdeckte sie früh ihre Leidenschaft für das Theater und stand bereits mit zwölf Jahren auf der Bühne. In den 1960er-Jahren kam sie als Gastarbeiterin nach Berlin, lernte Deutsch und absolvierte anschließend eine Schauspielausbildung in der Türkei. Nach dem Militärputsch kehrte sie nach Deutschland zurück, arbeitete u. a. mit Benno Besson, Matthias Langhoff, Ruth Berghaus, Klaus Peymann, am Berliner Ensemble sowie in Wien, München und Paris.
Eine Sprache von seltener Schönheit
Özdamar war stark von Brechts Theaterästhetik geprägt, insbesondere von dessen Konzept des Epischen Theaters und der Idee, das Publikum zum kritischen Denken anzuregen, statt es nur emotional zu berühren. Ab den 1990er-Jahren etablierte sie sich als herausragende literarische Stimme. Die Jury des Bertolt-Brecht-Preises 2026 erklärt: „Bereits mit ihrem ersten Erzählband, Mutterzunge (1990), hat die Autorin und Theatermacherin Emine Sevgi Özdamar eine eigene Sprache von seltener Schönheit in die deutsche Literatur eingeführt: opulent und lautmalerisch, belebt vom Erbe einer oralen Tradition. Ihre Theaterstücke, wie Karagöz in Alamania (1982), gehören zu den ersten Werken postmigrantischer Literatur im deutschsprachigen Theaterkosmos. Auch die Prosa der gelernten Schauspielerin überzeugt durch ihre theatralische Struktur und wird als Stoff für die Bühne dramatisiert. In ihrer großen Romantrilogie – Das Leben ist eine Karawanserei (1992), Die Brücke vom Goldenen Horn (1998) und Seltsame Sterne starren zur Erde (2003) – sowie zuletzt in Ein von Schatten begrenzter Raum (2022) entfaltet und verfremdet sie ihren Lebensweg von der Türkei durch Deutschland Ost und West, auf der Suche nach etwas, das über die eigene Identität hinausweist. In der Kollision zwischen Welten, Sprachen und politischen Systemen decken diese vielstimmigen, abgründigen Märchen, die Spuren von Marginalisierung, staatlicher Gewalt und menschlicher Hoffnung auf.“
Die Jury des Bertolt-Brecht-Preises 2026
Die achtköpfige Jury des Bertolt-Brecht-Preises 2026 besteht aus Expertinnen und Experten aus Literatur, Theater, Wissenschaft und Medien: Jürgen K. Enninger, Referent für Kultur, Welterbe und Sport, Yvonne Büdenhölzer, Leiterin Suhrkamp Theater Verlag, Anja Dirks, Schauspieldirektorin und Geschäftsführende Dramaturgin Theater Basel, Prof. Dr. Jürgen Hillesheim, Leiter Brecht-Forschungsstätte Augsburg, Hubert Spiegel, Deutschland-Korrespondent im Feuilleton, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Dr. Karl-Georg Pfändtner, Leiter der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, Noah Willumsen, Leiter des Brechtarchivs Berlin, Vertretung der Brecht-Erbinnen, Dr. Uwe Wittstock, Literaturkritiker, Autor und Journalist.
Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger des Bertolt-Brecht-Preises
Der Bertolt-Brecht-Preis wird seit 1995 vergeben, die Verleihung erfolgt alle zwei bis drei Jahre. Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger des Bertolt-Brecht-Preises sind Franz Xaver Kroetz (1995), Robert Gernhardt (1998), Urs Widmer (2001), Christoph Ransmayr (2004), Dea Loher (2006), Albert Ostermaier (2010), Ingo Schulze (2013), Silke Scheuermann (2016), Nino Haratischwili (2018), Sibylle Berg (2020), Lutz Seiler (2023).
Quelle: Brechtfestival Augsburg - Germany

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)
Kommentare powered by CComment