Werbung

Neue Kommentare

Hamburger Architektur Sommer 2019

Follow Book

Es ist eine umfassende Würdigung des britisch-amerikanischen Filmregisseurs, der zugleich Drehbuchautor, Filmproduzent und Filmeditor war. 1899 im nördlichen Londoner Vorort Leytonstone geboren und 1980 in Los Angeles verstorben, ist Sir Alfred Hitchcock so etwas wie der Großmeister des Thrillers, der nie auf eine Prise Humor verzichtete.

Anlässlich des 40. Todesjahres erschien soeben eine gewaltige Monographie, die allein vom Umfang und Gewicht (3 kg) sein außerordentliches Lebenswerk auf 648 Seiten in sich birgt und von den französischen Autoren Bernard Benoliel, Gilles Esposito, Murielle Joudet und anderen verfasst wurde.

 

Die Publikation erläutert explizit, weshalb er nicht nur durch so berühmten Filme wie „Rebecca“ (1939), „Berüchtigt“ (Notorious, 1946), „Cocktail für eine Leiche“ (Rope, 1948), „Der Fremde im Zug“ (Strangers on a Train, 1951), „Fenster zum Hof“ (Rear Window, 1954), „Bei Anruf Mord“ (Dial M for Murder, 1954), „Vertigo – aus dem Reich der Toten“ (Vertigo, 1958), „Der unsichtbare Dritte“ (North by Northwest, 1959), Psycho (1960), „Die Vögel“ (The Birds, 1963) und „Marnie“ (1964) bekannt wurde. Der Leser erhält sehr viele unterschiedliche Hintergrundinformationen und taucht ein in einen Ozean aus Können, Tricks, Eigenheiten und Erfahrung mit der menschlichen Psyche.

 

Gerade in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts legte der Mann, der sich selbst wie folgt bezeichnete: er sein kein Mensch, sondern ein „Körper aus Filmen. Ich bin all meine Filme“, bereits sein großes Werk an. Insbesondere Theaterstücke dienten Hitchcock zunächst als Vorbild. Neben Regieassistenz wurde er zunächst mit dem Schreiben von Drehbüchern betraut und später als Filmarchitekt beauftragt. Bei der UFA lernte er in Babelsberg in jenen Jahren deutsch. Ab 1925 drehte er dann die ersten eigenen Filme, zunächst Stumm- dann Tonfilme, kam jedoch nicht auf die Idee, seine Stücke lediglich auf einer Bühne abzufilmen zu lassen, sondern inszenierte bereits im großen Stil. Er gilt zunächst als durch und durch britisch, kam aber Mitte der 20er schließlich mit Filmgrößen wie Sergei Michailowitsch Eisenstein (1898-1948), Robert Wiene (1873-1938) und Fritz Lang (1890-1976) in Berührung und internationalisierte sich zusehens.

 

Galerie - Bitte Bild klicken
Die Monographie ist chronologisch aufgebaut, teilt sich zunächst in Dekaden, später in Schaffensjahre. Sämtliche Filme, sind mit Vorgeschichte und Synopsis vorgestellt, mit Filmplakat, Darstellern und Crew sowie dem Ablauf der Dreharbeiten und schließlich wird die Filmrezeption noch jeweils erwähnt. Umfangreicher geht es nicht! Insgesamt 490 Abbildungen, Fotos (Stills, Portraits, Szenen, Dreharbeiten), Storyboards, Zeitschriften und Plakate sind gesammelt.


Der Band widmet sich auch der jeweiligen Zeitgeschichte, fokussiert – wie erwähnt – die Zwanzigerjahre, zeigt den Widerstand gegen die Nazi-Propaganda und das Arbeiten während des Zweiten Weltkriegs. Es wird selbst der Frage nachgegangen, ob Hitchcock nicht eine französische Erfindung sei und so werden Verbindungen zu François Truffault und dessen Buch („Conversations with Hitchcock“) gezogen, dass 1966 in Frankreich erscheint und Hitchcock eine angemessene Anerkennung in Europa gibt, aber vor allen in den USA geben soll. Dort erscheint es ein Jahr später, 1967. Fünf Mal war Alfred Hitchcock für den Oscar als bester Regisseur nominiert. Unglaublich, aber wahr, nicht ein einziges Mal konnte er ihn in Händen halten.

 

Längst wissen alle seine Fans, dass Hitchcock perfektionistisch am Set und auch hinter den Kulissen war und alles kontrollieren wollte. Gerade im Umgang mit seinen Darstellerinnen gab es zudem allerlei Reibungspunkte. Dennoch widmet sich die Monographie in eigenen Kapiteln den Schauspielerinnen: Ingrid Bergman, Grace Kelly, Janet Leigh und Tippi Hedren (Blondinen). Auch die männlichen Kollegen, hier sind Cary Grant und James Stewart zu nennen, erhalten ein Kapitel.

 

Hitchcock war – und das wissen nur wenige – Förderer von Talenten, egal ob vor oder hinter der Kamera. John Williams beispielsweise, heute längst einer der wichtigsten Filmmusikkomponisten Hollywoods, erarbeitete für „Familiengrab“ (Family Plot, 1975) die Musik. In einem Interview mit dem Boston Globe im Jahr 1980 sagte Williams: „Ich war nicht begeistert von diesem bestimmten Film Hitchcocks, aber ich wollte unbedingt mit ihm arbeiten, und es stellte sich heraus, dass es sein letzter Film war. Er wollte keine aufgeblasene, schwere Partitur. ‚Denk einfach daran', sagte er zu mir, ‚Mord kann Spaß machen!'".

 

Bei einer ganzen Reihe von Filmen haben die Autoren einen Kasten eingefügt, der als Überschrift die Frage „Wo ist Hitchcock?“ stellt. Gemeint ist, in welchen seiner Filme er zu sehen ist. Die jeweilige Auflösung folgt minutengenau direkt darunter: Mal als Hotelgast, mal als Passant am Busbahnhof, mal lediglich als Fotografie in einer Wohnung und mal als Schattenriss.

 

Am Ende des Buchwerks finden sich das letzte Kapitel „Hitchcock nach Hitchcock“ (der Nachlass), ein Glossar, Anmerkungen, eine ausgewählte Bibliographie und ein Namensregister.


Hitchcock – Alle Filme

Benoliel, Bernard/Esposito, Gilles/Joudet, Murielle u a
Edition Delius, Delius Klasing Verlag GmbH
Deutsch (Original: Französisch; Hitchcock La Totale), gebundenes Buch, 648 S., 449 Abbildungen.
ISBN: 9783667118707

Weitere Informationen

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Mehr auf KulturPort.De

Auf dem Weg zur EU-Kulturhauptstadt 2022 inspiriert die Stadt Kaunas, der in Litauen gelegene Art-Deko- und Modernismus-Hub, Dutzende einheimische und...

Für diejenigen, die Martin Kohlstedts Arbeit verfolgt haben, wird das neue Album „Flur“ ein Bruchpunkt sein. Alle Strukturen, die er im Laufe der Jahre gebaut und...

Brian Mc Neill, geboren 1950 in Falkirk, Schottland, Schottlands Botschafter der Folkmusik, hat sich längst auch als Romanautor einen Namen gemacht. Nun zeigt er,...

Der aus Basel stammende Pianist Jean-Paul Brodbeck gehört zu jenen Pianisten, für die es nur wenige stilistischen Grenzen gibt. In Luzern, an der Musikhochschule...

Ist es das wichtigste philosophische Buch des Jahres? Ich glaube das ganz unbedingt. Endlich – siebzig Jahre nach seinem Tod – sind die „Cirkelprotokolle“ von...

In ihrem Debütroman „Streulicht“ erzählt Deniz Ohde vom Erwachsenwerden zwischen den Existenzentwürfen: vom falschen Versprechen der Bildungsgerechtigkeit, vom...


Home     Blog     Kolumne     Reisen     NewsPort     Live

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.