Neue Kommentare

Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...
yolo 456 zu Die Juden vom Altrhein: man sollte einen artikel erst einmal lesen bevor ...
yolo123 zu Die Juden vom Altrhein: Das jüdische Leben in Deutschland ist vorbei und...
Achenar Myst zu Nils Landgren with Janis Siegel: some other time: Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl de...
Achim zu Golnar & Mahan – Derakht: Musik, die glücklich macht - Danke !!!...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Theater - Tanz

Krieg auf der Bühne: „1864 Tagebuch einer Katastrophe“

Drucken
(139 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 14. August 2014 um 09:50 Uhr
Krieg auf der Bühne: „1864 Tagebuch einer Katastrophe“ 4.4 out of 5 based on 139 votes.
Krieg auf der Bühne: „Tagebuch einer Katastrophe“

„Klarer, schimmernder Frosttag, in der Morgenstunde zehn Grad Kälte“, notierte Hans Christian Andersen am 1. Januar 1864 in seinem Tagebuch.
„Unsere armen Soldaten liegen drüben in den Baracken; der Frost baut dem Feind Brücken über die Wasser; ein ganzer Völkerstrom wälzt sich auf uns zu, was wird nur geschehen!“ Wenige Tage später war auch dem Dichter klar, was passiert: Krieg! Österreich und Preußen vereint gegen Dänemark.

Mit ihrem Stück „1864 Tagebuch einer Katastrophe“ auf Schloss Gottorf erinnert nun das Kieler Factory Theater an den in Deutschland so gut wie vergessenen Deutsch-Dänischen-Bruderkrieg, der im nördlichen Nachbarland immer noch nationales Trauma ist. Zum 150. Jahrestag der Schlacht bei Düppel gab es im April zahlreiche Zeremonien und im dänischen Fernsehen wird mit „1864“ im Herbst die „teuerste dänische TV-Serie aller Zeiten“ anlaufen.

Wie bringt man einen Krieg auf die Bühne? Wie die komplexen und verworrenen politischen Umstände, die dazu führten? Gaby Schelle (Regie) und Christian Nisslmüller (Idee) schaffen es mit einem Kunstgriff: Sie spielen ein Stück im Stück.
„Guten Morgen, Anna“ – „Hallo“. Nach und nach trudeln Regisseur Franzen (Nisslmüller), Regie-Assistentin Anna (Undine Schmiedl), sowie die Schauspieler Guido Bayer, Alexander Kruuse-Mettin und Roland Peek auf der Hamburger Probebühne ein. Das Begrüßungsritual, die Suche nach dem Mantel, dem fehlenden Schauspieler und einer Textstelle gehört bereits zum Stück. „Wir spielen eine Probensituation, weil wir durch die zwei Zeitebenen die Schwierigkeiten der Annäherung mit hineinbringen wollen“, sagt Gaby Schelle. Und in der Tat: In den kurzen Pausen ziehen die Schauspieler immer wieder Parallelen zur Gegenwart, zu Syrien und der Ukraine – „auch ein Bruderkrieg, und gar nicht weit weg“, wie Nisslmüller sagt.

Ganz bewusst haben die beiden Theatermacher das Stück zweisprachig angelegt (mit dänischen Untertiteln, zwischendurch spricht auch ein Soldat dänisch). „Wir wollen etwas von dem Sprachwirrwarr vermitteln, das damals auf dem Schlachtfeld herrschte“, so Schelle. Es habe ja nicht nur dänische und deutsche Soldaten gegeben. „Mit den Österreichern, die Bismarck für den Krieg gewinnen konnte, kämpften auch Ungarn, Polen und Italiener um die Herzogtümer Schleswig und Holstein“.

Monatelang haben Schelle, Nisslmüller mit ihrer Dramaturgin Elisabeth Moll Quellen und Texte recherchiert. In ihrer „szenischen Installation“, die bis auf drei Hocker fast vollständig auf Requisiten verzichtet, stützen sie sich auf Briefe von Soldatenmüttern, -Schwestern und -Töchtern ebenso, wie auf Andersens Tagebücher und Tom Buk-Swientys Dokumentarbericht „Schlachtbank Düppel“. Dennoch ist ihre Herangehensweise „eher eine literarische“, wie Gaby Schelle betont. Die Begegnung der beiden feindlichen Vorposten, die sich anfreunden, Brot und Feldflasche tauschen, während um sie herum bereits die Kanonenkugeln durch die Luft zischen, ist fiktiv. Die Aufführungsorte, Schloss Sonderburg und Schloss Gottorf, sind es jedoch nicht. Vor den Toren Sonderburgs kam es am 18. April 1864 zur vernichtenden Schlacht. Die Verwundeten kamen damals nach Gottorf ins Lazarett.


Premiere im Museum Sonderjylland, Sonderborg: 13. August 2014, 19.30 Uhr,
Premiere auf Schloss Gottorf, 22. August, 19.30 Uhr. (Bis 30. August, am 31.8. gibt es noch eine Matinee um 12 Uhr).
Karten zu 19 €, erm. 12 € unter www.reservix.de, Konzertkasse Streiber (0431) 9141 6, Tageskasse Schloss Gottorf (04621) 8132 22 und eine Stunde vor Vorstellungsbeginn vor Ort.


Lesen Sie auch einen weiteren KulturPort-Beitrag zum Thema: „1864 – Der Krieg um Schleswig-Holstein“

Abbildungsnachweis: Alle Fotos von Isabelle Hofmann
Header: Deutscher und Dänischer Soldat. von links: Roland Peek, Alexander Kruuse-Mettin, Alexander Christian Nisslmüller und Undine Schmiedl
Galerie:
01. Gaby Schelle und Christian Nisslmüller
02. von links: Roland Peek, Alexander Kruuse-Mettin, Alexander Christian Nisslmüller, Undine Schmiedl

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Theater & Tanz > Krieg auf der Bühne: „1864 Tagebuch einer ...

Mehr auf KulturPort.De

Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte
 Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte



Auch heute noch geschehen beglückende Wunder: Mit 80 Jahren veröffentlichte die 1923 in Wien geborene Ilse Helbich ihren ersten Roman unter dem Titel „Schwal [ ... ]



Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National
 Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National



Thierry! – allein sein Vorname löst in Luxemburg schon entzücken aus und wird mit der Addition von „National“ zum Kult. In Deutschland und Österreich fr [ ... ]



„Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls
 „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls



Samuel Moaz kreiert mit dem Antikriegsdrama „Foxtrot” einen atemberaubenden ästhetischen Kosmos: zornig, visuell kühn, emotional hochexplosiv, oft grausam, [ ... ]



Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“
 Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“



Das Stück brillant, die Schauspieler große Klasse, die Inszenierung rundum gelungen und der kleine Saal der Komödie Winterhuder Fährhaus restlos ausverkauft. [ ... ]



Vergessen und wiederentdeckt: „Ludwig Meidner – Im Nacken das Sternemeer“
 Vergessen und wiederentdeckt: „Ludwig Meidner – Im Nacken das Sternemeer“



Der Titel der Ausstellung „Im Nacken das Sternemeer“ verweist auf das Buch mit Texten von Ludwig Meidner, das 1918 in Leipzig erschien. Meidner (1884-1966),  [ ... ]



Trio Elf & Marco Lobo – und die „Música Popular Brasileira“
 Trio Elf & Marco Lobo – und die „Música Popular Brasileira“



Die brasilianische Liedkunst – die dort den Status von Popmusik hat – nennt sich pragmatisch „Música Popular Brasileira“. Den Musikern des Trio Elf, Wal [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.