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Hamburger Architektur Sommer 2019

Theater - Tanz
Heisse Ecke 15 Jahre

Von solchen Zahlen kann man nicht einmal träumen. Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Waschmaschinenladungen und 12600 Bierdosen wurden in sage und schreibe 4208 Vorstellungen bislang verbraucht:
Genau 15 Jahre nach der Uraufführung am 16. September 2003 begrüßten Norbert Aust und Corny Littmann mit Pauken und Trompeten auf rotem Teppich ihre Gäste zur Jubiläumsaufführung des St. Pauli Musicals „Heiße Ecke“ im Schmidts Tivoli.

Die „Heiße Ecke“ ist ein Phänomen. Ein kleines, feines Musical, geschrieben von dem Hamburger Thomas Matschoß als Liebeserklärung an den Kietz, zu der  Heiko Wohlgemuth die eingängigen Songtexte komponierte und Martin Lingnau die fetzige Musik. Als Corny Littmann vor mehr als 15 Jahren die Regie übernahm, hatten er und sein Partner Norbert Aust, relativ bescheidene Wünsche: Zwei Jahre Laufzeit in Schmidts Tivoli wären gut, fünf Jahre großartig. Doch dieses Stück übertraf alle Erwartungen. Heute ist die „Heiße Ecke“ die erfolgreichste ensuite-spielende deutsche Produktion. In Hamburg hat bislang nur Disneys „König der Löwen“ (seit 2001) mehr Vorstellungen zu bieten. Andrew Lloyd Webbers „Cats“, die in der Hansestadt von 1986 bis 2001 fast 15 Jahre lang schnurrten, wurde im Juni überholt.

Ein erstaunlicher Erfolg für eine Produktion, die einst als lokaler Geheimtipp galt. Der Grund? Weil hier einfach alles stimmt! Die „Heiße Ecke“ ist witzig, ehrlich, charmant und bodenständig. Eben keine bombastisch aufgeblasene und Millionen teure Super-Produktion mit Laser-Show und perfektem Surround Sound, sondern ein handgemachtes Stück Milieu über 24 Stunden an einem Imbiss auf der Reeperbahn, an dem sich Huren aufwärmen, Pinneberger Junggesellen saufen und bayerische Touristen übers Ohr gehauen werden. Ein Stück, das die Herzen öffnet, punktgenau die Szene schildert, mit großer Sympathie Personal und Lokalkolorit karikiert – und immer wieder aktuelle Bezüge liefert.

 Ja, dieses Musical ist einfach ein Riesenspaß. Nicht nur für die Zuschauer, auch für die ausgezeichneten neun Schauspieler, die in Windeseile in 50 Rollen schlüpfen müssen. Vor allem nehmen sich die Macher der „Heißen Ecke“  selbst nicht so ernst, das ist schon auf der Homepage zu merken, die mit dem Spruch „In Hamburg weltberühmt“ wirbt.

Dieser Humor kommt an. Mittlerweile haben mehr als zwei Millionen Zuschauer die „Heiße Ecke“ gesehen, viele von ihnen mehrmals. Und jedes Mal geht die Post ab. Ganz ähnlich wie bei der Rocky Horror Picture Show in den 1970er Jahren (die Älteren werden sich erinnern) als das Publikum im Kino mit Reis und Klopapier warf, ist auch bei diesem Musical das Mitspielpotential nicht zu unterschätzen. Pappkrone auf, Rose gezückt, „Stößchen“ – alle paar Stunden werden die Zuschauer zum Mitmachen motiviert. Was Wunder, dass da viele Fans ihre Lieblings-Textstellen schon auswendig kennen. Bei der Jubiläums-Vorstellung musste Kathi Damerow, die als Würstchenverkäuferin Margot längst Kultfigur ist, gleich mehrmals hinter ihrem Tresen untertauchen, weil sie aus der Rolle zufallen drohte: Eine lautstarke Gruppe aus den Tiefen des Zuschauerraums brachte sie immer wieder mit chorisch vorgetragenen Textpassagen - ihren Texten wohlgemerkt - zum Lachen. Vielleicht waren es auch die Kollegen, denn als Corny Littmann zum Schluss all die Schauspieler auf die Bühne holte, die jemals in dem Musical mitgespielt haben, gab es eine kleine Völkerwanderung durch den Saal.

Und dann zeigten die beiden alten Tivoli-Chefs noch einmal, was es heißt auf dem Kiez zu feiern. Eine Woche dauerten die Jubiläumsveranstaltungen an. In der letzten Nacht wurde in Angie’s Night Club auf die nächsten 15 Jahre „Heiße Ecke“ angestoßen.

Heiße Ecke – Das St. Pauli Musical

Regie: Corny Littmann
Musikalische Leitung: Markus Voigt
Bühnenbild: Bader El Hindi
Kostüme: Silke Löhmann, Frank Kuder
Choreografie:
Laris Gec, Silvia Varelli
Darsteller: Susi Banzhaf, Diana Böge, Kai Bronisch, Robin Brosch, Kathi Damerow, Yvonne Disqué, Heiko Fischer, Götz Fuhrmann, Hans B. Goetzfried,
Bernhard Hofmann, Lisa Huk, Franziska Maria Kuropka, Stefan Leonard, Volker von Liliencron, Anja Majeski, Sarah Matberg, Janne Marie Peters, Markus Richter, Timo Riegelsberger, Evangelos Sargantzo, Merten Schroedter, Stefanie Schwendy, Petra Staginnus, Katrin Taylor, Carola Thierheimer, Frank Winkels, Maraile Woehe, Heiko Wohlgemuth, Benjamin Zobrys

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