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Theater - Tanz

All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater

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Mittwoch, den 15. November 2017 um 09:40 Uhr
All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater 3.5 out of 5 based on 95 votes.
All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater Foto Oliver Fantitsch

Oje, du Fröhliche! Das Ohnsorg Theater stimmt mit „All Johr wedder“, der plattdeutschen Fassung von Alan Ayckbourns „Schöne Bescherungen“, auf die Weihnachtszeit ein.
Am vergangenen Sonntag feierte der unverwüstliche Komödienklassiker in der Bearbeitung von Georg Weisshaupt im Ohnsorg Theater in Hamburg Premiere.

Die Erwartungen sind hoch gehängt, denn Ayckbourn, Großbritanniens populärster Dramatiker, ist Garant für Boulevard at it's best. Landauf, landab sind „Schöne Bescherungen“ in den vergangenen 37 Jahren gelaufen, kaum ein Theater, das sich dieses 1980 uraufgeführte Schauspielerfest zur Weihnachtszeit entgehen ließ. Schließlich bohrt Sir Alan hier (wie immer) genüsslich in den Wunden zwischenmenschlicher Beziehungen. Lotet subtil Abgründe aus, Sehnsüchte, Erwartungen, Enttäuschungen. Und die kommen an Heiligabend, wo doch alles so perfekt sein soll, am schönsten zum Vorschein. Da sitzt man mit Menschen zusammen, die man sich nicht ausgesucht hat, denen man vielleicht sogar das ganze Jahr über aus dem Weg gegangen ist: Der buckligen Verwandtschaft. Aber Weihnachten gibt es kein Erbarmen, denn Weihnachten ist das Familienfest. Auch, wenn es „All Johr wedder“ zu Ehekrisen kommt.

Im Ohnsorg Theater lässt Regisseur Harald Weiler gleich flott vom Leder ziehen. Er setzt (bis auf das letzte Bild) ganz auf Komik, subtil ist hier gar nichts, weder die Spannungen zwischen der hochschwangeren Patti und ihrem schluffigen Ehemann Eddi, noch der sexuelle Fust von Gastgeberin Linda, ihrer Schwester Vicki und der Schwägerin Feli in dem schicken Designer-Wohnzimmer, für das es zum Auftakt spontan Szenenapplaus gab. Bühnenbildner Lars Peter hat einen riesigen High-Tech-Tannenbaum in das Upperclass-Wohnzimmer gestellt, einer der auf Knopfdruck blickt und leuchtet und das ganze Haus mit Richard Strauss‘ „Also sprach Zarathustra“ zum Beben bringt. Ein Männerspielzeug also, das Lindas Ehemann Niko und Freund Eddi begeistert ausprobieren, während Onkel Harry vor der Glotze Gruselfilme guckt.

Na prima: Das Haus voller Gäste und die Männer drücken sich vor der Arbeit. Patty völlig genervt, weil die Kinder nicht einschlafen, die Drinks sind noch nicht serviert, der Tisch nicht gedeckt, das Essen lässt auf sich warten (da die beduselte Feli mit zwei Flaschen Saucen-Wein in der Küche allein gelassen wird) und Felis Mann Bernhard ist schwer beleidigt, weil keiner sein langweiliges Puppenspiel sehen will. Alles wie jedes Jahr also. Linda rotiert zwischen Weihnachtspäckchen und klagt, dass sie sich ihre Geschenke selbst kaufen muss: „Sogor betahlt heff ik dat – vun uns gemeensam Konto“. Wie schön, dass dann doch noch eine Überraschung ins Haus schneit: Ben. Der smarte Mann ist Autor (eines Buches!) und der neue Schwarm von Lindas blaustrümpfiger Schwester Vicki. Die hat allerdings bei ihm keine Chancen. Linda hingegen… Und so nehmen die erotischen Bescherungen im Geschenkehaufen ihren Lauf.

Birthe Gerken als Linda und Tobias Kilian als Ben spielen anfangs wohltuend zurückhaltend und souverän. Umso großartiger ist dann ihr Showdown zu Zarathustras Trommelwirbel, der einem wirklich die Lachtränen in die Augen treibt. Viven Mahler überzeugt als pampiges Muttertier Patti. Der Niko von Markus Frank und Erkki Hopfts Eddi sind sympathisch, aber etwas blass. Die anderen neigen sehr zum Chargieren, Birthe Kretschmer als Schnapsdrossel Feli ebenso, wie Till Huster als schießwütiger Onkel Harry und Rabea Lübbe als zugeknöpfter Bücherwurm Vicki. Oskar Ketelhut hingegen überzeichnet seinen weinerlich-beleidigten Puppenspieler Bernhard so grandios, dass es schon wieder eine Freude ist.

Fazit: Wer Alan Ayckbourns bissige Farce über das „Fest der Liebe“ nicht kennt, der sollte die plattdeutsche Version im Ohnsorg anschauen. Dieses Stück ist einfach gut gegen Weihnachts-Blues – schlimmer kann der Heilige Abend zu Hause auch nicht werden.

All Johr wedder – schöne Bescherungen

Komödie von Alan Ayckbourn
Plattdeutsch von Georg Weisshaupt
Zu erleben bis zum 6. Januar 2018 im
Ohnsorg Theater, Großes Haus, Heidi-Kabel-Platz 1, 20099 Hamburg.
Karten unter Tel. (040) 3508 0321
Weitere Informationen

YouTube-Video:
Trailer: All Johr wedder - Schöne Bescherungen von Alan Ayckbourn


Abbildungsnachweis:
Header und Galerie „All Johr Wedder“, Ohnsorg Theater © alle Fotos Oliver Fantitsch

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