Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 1066 Gäste online

Neue Kommentare

Hans-Joachim Schneider zu Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg: Herrrlisch, würde der Rheinländer in mir sagen....
Wajda Art zu „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?: Wir suchen nach Enthusiasten der Kinematographie ...
Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: schade, dass sie nicht mit ihren stammmusikern un...
Helmuth Barth zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: Vorausschicken möchte ich, dass ich neben Bilder...
Anna Grillet zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Leider nein, kann die bitterböse ästhetisch bri...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Theater - Tanz

All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater

Drucken
(84 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 15. November 2017 um 10:40 Uhr
All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater 3.7 out of 5 based on 84 votes.
All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater Foto Oliver Fantitsch

Oje, du Fröhliche! Das Ohnsorg Theater stimmt mit „All Johr wedder“, der plattdeutschen Fassung von Alan Ayckbourns „Schöne Bescherungen“, auf die Weihnachtszeit ein.
Am vergangenen Sonntag feierte der unverwüstliche Komödienklassiker in der Bearbeitung von Georg Weisshaupt im Ohnsorg Theater in Hamburg Premiere.

Die Erwartungen sind hoch gehängt, denn Ayckbourn, Großbritanniens populärster Dramatiker, ist Garant für Boulevard at it's best. Landauf, landab sind „Schöne Bescherungen“ in den vergangenen 37 Jahren gelaufen, kaum ein Theater, das sich dieses 1980 uraufgeführte Schauspielerfest zur Weihnachtszeit entgehen ließ. Schließlich bohrt Sir Alan hier (wie immer) genüsslich in den Wunden zwischenmenschlicher Beziehungen. Lotet subtil Abgründe aus, Sehnsüchte, Erwartungen, Enttäuschungen. Und die kommen an Heiligabend, wo doch alles so perfekt sein soll, am schönsten zum Vorschein. Da sitzt man mit Menschen zusammen, die man sich nicht ausgesucht hat, denen man vielleicht sogar das ganze Jahr über aus dem Weg gegangen ist: Der buckligen Verwandtschaft. Aber Weihnachten gibt es kein Erbarmen, denn Weihnachten ist das Familienfest. Auch, wenn es „All Johr wedder“ zu Ehekrisen kommt.

Im Ohnsorg Theater lässt Regisseur Harald Weiler gleich flott vom Leder ziehen. Er setzt (bis auf das letzte Bild) ganz auf Komik, subtil ist hier gar nichts, weder die Spannungen zwischen der hochschwangeren Patti und ihrem schluffigen Ehemann Eddi, noch der sexuelle Fust von Gastgeberin Linda, ihrer Schwester Vicki und der Schwägerin Feli in dem schicken Designer-Wohnzimmer, für das es zum Auftakt spontan Szenenapplaus gab. Bühnenbildner Lars Peter hat einen riesigen High-Tech-Tannenbaum in das Upperclass-Wohnzimmer gestellt, einer der auf Knopfdruck blickt und leuchtet und das ganze Haus mit Richard Strauss‘ „Also sprach Zarathustra“ zum Beben bringt. Ein Männerspielzeug also, das Lindas Ehemann Niko und Freund Eddi begeistert ausprobieren, während Onkel Harry vor der Glotze Gruselfilme guckt.

Na prima: Das Haus voller Gäste und die Männer drücken sich vor der Arbeit. Patty völlig genervt, weil die Kinder nicht einschlafen, die Drinks sind noch nicht serviert, der Tisch nicht gedeckt, das Essen lässt auf sich warten (da die beduselte Feli mit zwei Flaschen Saucen-Wein in der Küche allein gelassen wird) und Felis Mann Bernhard ist schwer beleidigt, weil keiner sein langweiliges Puppenspiel sehen will. Alles wie jedes Jahr also. Linda rotiert zwischen Weihnachtspäckchen und klagt, dass sie sich ihre Geschenke selbst kaufen muss: „Sogor betahlt heff ik dat – vun uns gemeensam Konto“. Wie schön, dass dann doch noch eine Überraschung ins Haus schneit: Ben. Der smarte Mann ist Autor (eines Buches!) und der neue Schwarm von Lindas blaustrümpfiger Schwester Vicki. Die hat allerdings bei ihm keine Chancen. Linda hingegen… Und so nehmen die erotischen Bescherungen im Geschenkehaufen ihren Lauf.

Birthe Gerken als Linda und Tobias Kilian als Ben spielen anfangs wohltuend zurückhaltend und souverän. Umso großartiger ist dann ihr Showdown zu Zarathustras Trommelwirbel, der einem wirklich die Lachtränen in die Augen treibt. Viven Mahler überzeugt als pampiges Muttertier Patti. Der Niko von Markus Frank und Erkki Hopfts Eddi sind sympathisch, aber etwas blass. Die anderen neigen sehr zum Chargieren, Birthe Kretschmer als Schnapsdrossel Feli ebenso, wie Till Huster als schießwütiger Onkel Harry und Rabea Lübbe als zugeknöpfter Bücherwurm Vicki. Oskar Ketelhut hingegen überzeichnet seinen weinerlich-beleidigten Puppenspieler Bernhard so grandios, dass es schon wieder eine Freude ist.
Fazit: Wer Alan Ayckbourns bissige Farce über das „Fest der Liebe“ nicht kennt, der sollte die plattdeutsche Version im Ohnsorg anschauen. Dieses Stück ist einfach gut gegen Weihnachts-Blues – schlimmer kann der Heilige Abend zu Hause auch nicht werden.

All Johr wedder – schöne Bescherungen
Komödie von Alan Ayckbourn
Plattdeutsch von Georg Weisshaupt
Zu erleben bis zum 6. Januar 2018 im
Ohnsorg Theater, Großes Haus, Heidi-Kabel-Platz 1, 20099 Hamburg.
Karten unter Tel. (040) 3508 0321
Weitere Informationen

YouTube-Video:
Trailer: All Johr wedder - Schöne Bescherungen von Alan Ayckbourn


Abbildungsnachweis:
Header und Galerie „All Johr Wedder“, Ohnsorg Theater © alle Fotos Oliver Fantitsch

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Theater & Tanz > All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im O...

Mehr auf KulturPort.De

Aspekte Festival 2018 – frozen gesture
 Aspekte Festival 2018 – frozen gesture



Welche kulturellen Spartenschubladen haben wir im Kopf? Wo ist der urbane, kulturelle Humus zu finden? Wieviel Bereitschaft zeigt Publikum für Entwicklungsphase [ ... ]



Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg
 Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg



...beginne ich, indem ich mit meinem Navi streite. Das tut so, als wüsste es nicht von der traurigen Tatsache, dass es in dieser Stadt mehr Baustellen als Kultu [ ... ]



Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit
 Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit



Wie nähert man sich in einer Fotoausstellung einem Land, deren Menschen tagtäglich durch Gewalt sterben, auf der Flucht, im Exil, traumatisiert sind, deren mat [ ... ]



„A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?
 „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?



Lynne Ramsay inszeniert ihre virtuosen Thriller-Impressionen als Exkursion in die Abgründe der Seele.
Ein Auftragskiller ist Joe (Joaquin Phoenix) nicht, er t [ ... ]



Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie
 Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie



George Bernard Shaw (1856-1950) ist vor allem bekannt für sein dramatisches Werk, das über 50 Theaterstücke umfasst. Doch der Künstler hat sich zeitlebens in [ ... ]



Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali
 Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali



Wie konnte sich eine 16jährige Kanadierin, die Opernarien singt und klassische Pianistin werden will, zu einer über jeden „No street credibility“-Verdacht  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.