Werbung

Neue Kommentare

Claus Friede zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Nein, nur eine kurze Pause......
Kalle mit der Kelle zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Seit November nichts Neues. Ist der Film-Blog ges...
Geli zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Mal eine nette Eigenwerbung zur Abwechslung... gl...
Rudi Arendt zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Reflexion der Landschaft - aktuelle impressionist...
Ulrike Tempel zu Adventsmessen und Handwerkermärkte in Hamburg – Alle Jahre wieder...: Leider sind die Termine veraltet 2017 / 2018...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Theater - Tanz

All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater

Drucken
(95 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 15. November 2017 um 09:40 Uhr
All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater 3.5 out of 5 based on 95 votes.
All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater Foto Oliver Fantitsch

Oje, du Fröhliche! Das Ohnsorg Theater stimmt mit „All Johr wedder“, der plattdeutschen Fassung von Alan Ayckbourns „Schöne Bescherungen“, auf die Weihnachtszeit ein.
Am vergangenen Sonntag feierte der unverwüstliche Komödienklassiker in der Bearbeitung von Georg Weisshaupt im Ohnsorg Theater in Hamburg Premiere.

Die Erwartungen sind hoch gehängt, denn Ayckbourn, Großbritanniens populärster Dramatiker, ist Garant für Boulevard at it's best. Landauf, landab sind „Schöne Bescherungen“ in den vergangenen 37 Jahren gelaufen, kaum ein Theater, das sich dieses 1980 uraufgeführte Schauspielerfest zur Weihnachtszeit entgehen ließ. Schließlich bohrt Sir Alan hier (wie immer) genüsslich in den Wunden zwischenmenschlicher Beziehungen. Lotet subtil Abgründe aus, Sehnsüchte, Erwartungen, Enttäuschungen. Und die kommen an Heiligabend, wo doch alles so perfekt sein soll, am schönsten zum Vorschein. Da sitzt man mit Menschen zusammen, die man sich nicht ausgesucht hat, denen man vielleicht sogar das ganze Jahr über aus dem Weg gegangen ist: Der buckligen Verwandtschaft. Aber Weihnachten gibt es kein Erbarmen, denn Weihnachten ist das Familienfest. Auch, wenn es „All Johr wedder“ zu Ehekrisen kommt.

Im Ohnsorg Theater lässt Regisseur Harald Weiler gleich flott vom Leder ziehen. Er setzt (bis auf das letzte Bild) ganz auf Komik, subtil ist hier gar nichts, weder die Spannungen zwischen der hochschwangeren Patti und ihrem schluffigen Ehemann Eddi, noch der sexuelle Fust von Gastgeberin Linda, ihrer Schwester Vicki und der Schwägerin Feli in dem schicken Designer-Wohnzimmer, für das es zum Auftakt spontan Szenenapplaus gab. Bühnenbildner Lars Peter hat einen riesigen High-Tech-Tannenbaum in das Upperclass-Wohnzimmer gestellt, einer der auf Knopfdruck blickt und leuchtet und das ganze Haus mit Richard Strauss‘ „Also sprach Zarathustra“ zum Beben bringt. Ein Männerspielzeug also, das Lindas Ehemann Niko und Freund Eddi begeistert ausprobieren, während Onkel Harry vor der Glotze Gruselfilme guckt.

Na prima: Das Haus voller Gäste und die Männer drücken sich vor der Arbeit. Patty völlig genervt, weil die Kinder nicht einschlafen, die Drinks sind noch nicht serviert, der Tisch nicht gedeckt, das Essen lässt auf sich warten (da die beduselte Feli mit zwei Flaschen Saucen-Wein in der Küche allein gelassen wird) und Felis Mann Bernhard ist schwer beleidigt, weil keiner sein langweiliges Puppenspiel sehen will. Alles wie jedes Jahr also. Linda rotiert zwischen Weihnachtspäckchen und klagt, dass sie sich ihre Geschenke selbst kaufen muss: „Sogor betahlt heff ik dat – vun uns gemeensam Konto“. Wie schön, dass dann doch noch eine Überraschung ins Haus schneit: Ben. Der smarte Mann ist Autor (eines Buches!) und der neue Schwarm von Lindas blaustrümpfiger Schwester Vicki. Die hat allerdings bei ihm keine Chancen. Linda hingegen… Und so nehmen die erotischen Bescherungen im Geschenkehaufen ihren Lauf.

Birthe Gerken als Linda und Tobias Kilian als Ben spielen anfangs wohltuend zurückhaltend und souverän. Umso großartiger ist dann ihr Showdown zu Zarathustras Trommelwirbel, der einem wirklich die Lachtränen in die Augen treibt. Viven Mahler überzeugt als pampiges Muttertier Patti. Der Niko von Markus Frank und Erkki Hopfts Eddi sind sympathisch, aber etwas blass. Die anderen neigen sehr zum Chargieren, Birthe Kretschmer als Schnapsdrossel Feli ebenso, wie Till Huster als schießwütiger Onkel Harry und Rabea Lübbe als zugeknöpfter Bücherwurm Vicki. Oskar Ketelhut hingegen überzeichnet seinen weinerlich-beleidigten Puppenspieler Bernhard so grandios, dass es schon wieder eine Freude ist.

Fazit: Wer Alan Ayckbourns bissige Farce über das „Fest der Liebe“ nicht kennt, der sollte die plattdeutsche Version im Ohnsorg anschauen. Dieses Stück ist einfach gut gegen Weihnachts-Blues – schlimmer kann der Heilige Abend zu Hause auch nicht werden.

All Johr wedder – schöne Bescherungen

Komödie von Alan Ayckbourn
Plattdeutsch von Georg Weisshaupt
Zu erleben bis zum 6. Januar 2018 im
Ohnsorg Theater, Großes Haus, Heidi-Kabel-Platz 1, 20099 Hamburg.
Karten unter Tel. (040) 3508 0321
Weitere Informationen

YouTube-Video:
Trailer: All Johr wedder - Schöne Bescherungen von Alan Ayckbourn


Abbildungsnachweis:
Header und Galerie „All Johr Wedder“, Ohnsorg Theater © alle Fotos Oliver Fantitsch

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Theater & Tanz > All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im O...

Mehr auf KulturPort.De

Vom Wasser und von der Sicht aufs Leben: Ulrike Draesners Roman „Kanalschwimmer“
 Vom Wasser und von der Sicht aufs Leben: Ulrike Draesners Roman „Kanalschwimmer“



Biochemiker Charles hat „zu sicher gelebt“. Das begreift er leider erst im Alter von zweiundsechzig Jahren, also kurz vor dem Ruhestand.
Als seine Frau ihm [ ... ]



„Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli“
 „Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli“



Überall – nur nicht im Gesicht. Für einen „anständigen Tätowierer“ ein ungeschriebenes Gesetz. Christian Warlich (1891-1964) war mehr als nur anständi [ ... ]



Welten: Akureyri
 Welten: Akureyri



Akureyri ist eine Stadt im äußersten Norden Islands. In dem idyllisch, an einem Fjord gelegenen Zwanzigtausend-Seelen-Ort sind mehrere Kulturzentren, dort lebe [ ... ]



Buddenbrook-Debütpreis 2019: „Otto“, ein tragisch-komischer Roman von Dana von Suffrin
 Buddenbrook-Debütpreis 2019: „Otto“, ein tragisch-komischer Roman von Dana von Suffrin



Die Gewinnerin des Debütpreises des Buddenbrookhauses und des Lions Clubs Lübeck-Hanse für 2019 steht fest: Dana von Suffrin erhielt den mit 2.000 Euro dotier [ ... ]



Aspekte Festival 2020 – Die Programmatik
 Aspekte Festival 2020 – Die Programmatik



Woraus besteht die Musik unserer Zeit, was macht sie aus? Und überhaupt: Ist es die, die wir hören, ist es die, die komponiert wird oder die, die zeitgenössis [ ... ]



Über die Mathematik des Wassers
 Über die Mathematik des Wassers



Pascal Dusapin, 1955 in Nancy geboren, ist einer der wichtigsten Impulsgeber der Gegenwartsmusik.
Im Gespräch zum 5. Philharmonischen Konzert des Philharmonis [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.