Neue Kommentare

Dagmar Reichardt zu Ennio Morricone: Farewell-Tour 2019: Danke, lieber Herr Cvek! Ja, das war ein wirklich...
Klaus Schenkelberg zu Nachruf auf Kammersänger Theo Adam: Ich bin der uneheliche Sohn von Theo Adam, geb. 1...
Peter Schmidt zu Verleihung der Goldenen Kamera – mit Bruno Ganz und ohne Friede Springer: Und heute trifft mich die Nachricht vom Tod diese...
Stephan Thieken zu Symposium in Weimar: „Wie stabil ist unsere liberale Grundordnung? Internationale Perspektiven zur Zukunft demokratischer Verfassungen“: Dieses Symposium war das furchtbarste welches ic...
Hermann Funk zu Goethe-Institut begrüßt neues „Zentrum für digitale Lexikographie der deutschen Sprache“: Mehr Geld und Infrastruktur für die digitale Lex...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Musik

Im Gespräch: Stéfan P. Dressel mit Violinstar Nigel Kennedy

Drucken
(145 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 23. Juli 2009 um 16:37 Uhr
Im Gespräch: Stéfan P. Dressel mit Violinstar Nigel Kennedy 3.9 out of 5 based on 145 votes.
Copyright: Chris Steele-Perkins licenced to EMI Classics

Als meistverkaufte Klassikaufnahme aller Zeiten fand Nigel Kennedys Version von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ Eingang ins Guiness Buch der Rekorde.
Doch anstatt klassische Ladenhüter mit dem Anstrich von Pop zu recyceln, hatte das Enfant Terrible der Klassikszene eigene künstlerische Ambitionen: ein selbst komponiertes Kafka-Projekt etwa, mit „The Kennedy Experience“ seine Hommage an Ausnahmegitarrist Jimi Hendrix oder die Verquickung von Jazz und Klassik auf „A Unique Moment: Blue Note Sessions“.

Stéfan P. Dressel (SD): Herr Kennedy, fühlen Sie sich als jemand, der eine „Wild Card“ im Musikbusiness hat, der also machen kann, was er möchte?

Nigel Kennedy (NK): Ich fühle mich in der Musik als Getriebener und als Berufener gleichermaßen. Meine Musik treibt mich voran, und berufen fühle ich mich, seitdem ich studiert habe, überall Mauern einzureißen zwischen U- und E-Musik – und damit einigen Leuten im Kulturbetrieb gehörig in den Hintern zu treten.

SD: Welchen Leuten?

NK: Denen, die meinen, dass es sich nicht für einen klassischen Musiker gehört, in einer Lederjacke statt im Smoking aufzutreten. Oder sich die Haare zu färben. Oder zu fluchen. Ganz ehrlich, ich gebe einen feuchten Mist auf diese Konventionen, die nur hinderlich sind am freien Spiel.

SD: Ist es für Sie harte Arbeit, Ihr rebellisches Image, das Sie innehaben, zu kultivieren?

NK: Das ist keine harte Arbeit. Ich bin, wie ich bin, ich verstelle mich nicht. Weder vor meinen Zuschauern noch vor den Entscheidern der Hochkultur. Entweder man akzeptiert mich so, wie ich bin – oder eben nicht. Mir egal.

SD: Sie sind 52 Jahre alt, ein Alter, in dem man über vieles nachdenkt. Über was denken Sie am meisten nach?

NK: Was ich als nächstes Projekt angehe. Was ich noch erreichen will. Wie ich noch besser werden kann. Man lernt immer noch dazu, auch in meinem Alter. Ich lasse mich immer wieder gern aufs Neue überraschen. Mir ist wichtig, authentisch zu sein – und zu bleiben. Und wie ich bei all dem Trubel und bei allen Projekten, für die ich mich begeistere, mein Privatleben einigermaßen aufrecht erhalte. Alles andere als leicht, glauben Sie mir das.

SD: Sie nennen Ihre Geige, eine Guarneri, liebevoll „Kylie“, benannt nach der Popsängerin Kylie Minogue. Hat Geigenspiel etwas Erotisches?

NK: Jedenfalls erotischer als Klavierspielen. Der Kasten bewegt sich ja nicht!

SD: Apropos Klavier: Sie spielen ganz selten Sonaten für Violine und Klavier. Warum eigentlich nicht?

NK: Mein Pianist, mit dem ich früher immer gespielt habe, ist gestorben, und jetzt habe ich noch keinen guten neuen gefunden. Die haben doch alle am Konservatorium täglich nur sieben Stunden Rachmaninow geübt.

SD:
Vielleicht haben die Pianisten einfach keine Lust, im Hintergrund zu sitzen, während Sie als Geiger vorne den Applaus abkriegen.

NK: (lacht) Ja, das kann verdammt gut sein. Und dann kommt der Tonmeister und pegelt das Klavier auch noch runter. Erst wird es gemolken wie eine Kuh – und dann geschlachtet.

SD: Sie haben einst als Enfant Terrible der angestaubten Klassikszene neue Impulse gegeben. Wer tritt heute in Ihre Fußstapfen?

NK: Darüber mache ich mir keine Gedanken mehr. Aber es stimmt, seit dieser Vivaldi-Geschichte ist eine Menge in der Klassik passiert. Man denke da nur an die drei Tenöre, an die zehn Tenöre, an Vanessa Mae…



 
Home > Blog > Musik > Im Gespräch: Stéfan P. Dressel mit Violinst...

Mehr auf KulturPort.De

Knapp am Literaturnobelpreis vorbei: Giuseppe Bonaviri
 Knapp am Literaturnobelpreis vorbei: Giuseppe Bonaviri



Zehn Jahre nach dem Tod des italienischen Schriftsteller-Arztes Giuseppe Bonaviri (1924-2009) wissen wir: Ihm hätte nur noch eine einzige Ja-Stimme gefehlt. Sei [ ... ]



Irr-Real: Der Zeichner Carl Julius Milde im Lübecker Behnhaus
 Irr-Real: Der Zeichner Carl Julius Milde im Lübecker Behnhaus



Der Name von Carl Julius Milde (1803–1875), einem gebürtigen Hamburger, ist vor allem mit Lübeck verknüpft, wohin er als Mittdreißiger zog, um am Katharine [ ... ]



„Vorhang auf für Cyrano”. Alexis Michaliks Huldigung an chevalereskes Dichtertum
 „Vorhang auf für Cyrano”. Alexis Michaliks Huldigung an chevalereskes Dichtertum



Die Filme von Steven Spielberg und Robert Zemeckis waren unverzichtbarer Teil seiner Kindheit. Jene Blockbuster setzte sich Alexis Michalik später als Maxime f [ ... ]



Welt im Umbruch – Kunst der 20er Jahre
 Welt im Umbruch – Kunst der 20er Jahre



Ist es wieder soweit? Ja, zweifellos. Schon vor hundert Jahren war „Die Welt im Umbruch“, wie die großangelegte Ausstellung im Bucerius Kunst Forum heißt.  [ ... ]



„Geist über Materie. Die erstaunliche Wissenschaft, wie das Gehirn die materielle Realität erschafft“ – Dawson Church
 „Geist über Materie. Die erstaunliche Wissenschaft, wie das Gehirn die materielle Realität erschafft“ – Dawson Church



Ausbruch aus der Trance. Eine satirische Buchbetrachtung von Harry Popow.

„Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht“. Hei [ ... ]



Pingxi Sky Lantern Festival
 Pingxi Sky Lantern Festival



Chinesisches Neujahr und Frühjahrsfest – eine Reise durch die Feuerwerks- und Laternenfestkultur Taiwans – Teil 3/3

Es ist, selbst wenn viele Besucher ko [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.