Neue Kommentare

Lydia zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Durch die persönliche Darstellung ist der Artike...
Hans Maschek zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Wunderbar atmosphärische Beschreibung. Ich habe ...
Matthijs van de Beek zu „Stan & Ollie”. Oder die schmerzliche Seite der Komik : Das klingt wunderbar und wird ganz sicher angesch...
Dr. Frank-Peter Hansen zu Die Wittgenstein-Dekomposition: Frank-Peter Hansens Antwort auf Martin A. Hainz...
NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Grafik & Design

DARUM WÄHLT! – Plakate zur 1. Demokratischen Wahl in Deutschland

Drucken
(62 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 27. März 2019 um 09:23 Uhr
DARUM WÄHLT! – Plakate zur 1. Demokratischen Wahl in Deutschland 4.0 out of 5 based on 62 votes.
DARUM WÄHLT Plakate zur 1 Demokratischen Wahl in Deutschland

100 Jahre Bauhaus, 100 Jahre Revolution in Hamburg, 100 Jahre Weimarer Republik. 2019 ist das Jahr der Gedächtnisausstellungen. Das Museum für Kunst und Gewerbe beteiligt sich am Jubiläumsreigen mit einer sehenswerten Plakatschau zur ersten demokratischen Wahl in Deutschland: „Darum wählt!“

Politisch und gesellschaftlich gab es wohl selten dramatischere Wochen in Deutschland als im Winterhalbjahr 1918/1919. Nach Ende des Ersten Weltkrieges und Abdankung des Kaisers am 9. November 1918 kämpften rechte und linke Kräfte um die Macht im kopflosen Staat. Revolutionäre Arbeiter- und Soldatenräte lieferten sich blutige Straßenschlachten mit von der Industrie finanzierten Freikorps. Das Volk hungerte nicht nur, es drohten auch Anarchie und Chaos. Trotz der unübersichtlichen Gemengelage schaffte es die Übergangsregierung um Friedrich Ebert die erste demokratische Reichstagswahl in Deutschland durchzuführen: Zum ersten Mal kein nach Steueraufkommen berechnetes Dreiklassenwahlrecht. Zum ersten Mal zählte jede Stimme gleich viel. Und zum ersten Mal durften Frauen wählen. 85 Prozent aller Frauen und über 80 Männer gaben am 19.1.1919 ihre Stimmen ab und ihre Wahl war eine Absage an die Radikalen. Die SPD (38 Prozent), das katholische Zentrum und die Liberalkonservative Deutsche Demokratische Partei (jeweils knapp 20 Prozent) bildeten die verfassungsgebende Nationalversammlung, die das erste Mal am 6. Februar 1919 im Weimarer Nationaltheater tagte.

Der Wahlkampf zuvor jedoch wurde in erster Linie mit Plakaten ausgetragen. Und wie ungleich und unfair dieser Kampf war, das zeigt diese Ausstellung. Da sind zum einen die Plakate, die sich gezielt an die weibliche Wählerschaft wandten: Schutzlose Mütter und Kinder, umrahmt mit Spruchbändern, wie „Nie wieder Krieg“, „Mutter, denk an mich!“ oder „Eure Kinder brauchen Frieden und Brot. Darum Frauen: Wählt!“. Sie sind in der Bildsprache zwar expressiv (wie die Kunst jener Zeit), aber in der Sache korrekt und gestalterisch ausgesprochen brav. Und da sind die Plakate der linken Verbände, die aus heutiger Sicht Schmunzeln lassen, ob der ellenlangen Appelle zur Arbeit und Aufrechterhaltung der Ordnung (Heute würde das kein Mensch mehr lesen). Erschreckend jedoch die vielen populistischen Parolen und manipulativen Hassbilder der Rechten. Bilder, die die niedrigsten Instinkte bedienen und das linke Lager pauschal als „Bolschewismus“ in Gestalt blutrünstiger Hyänen, giftiger Schlangen und Bomben zündende King Kong-Monster verteufeln. Heute, hundert Jahre später, sind rechte Populisten überall wieder an die Macht. Welche Gefahren sie bergen, ist anhand dieser historischen Plakate ablesbar.
Auch aus diesem Grund ist „Darum wählt“ eine wichtige Ausstellung.

DARUM WÄHLT! – Plakate zur 1. Demokratischen Wahl in Deutschland

Zu sehen bis 22. April 2019 im Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz 1, Hamburg.
Alle weiteren Informationen unter www.mkg-hamburg.de


Abbildungsnachweis:
Header: Lucian Bernhard (1883–1972), Des deutschen Volkes großer Tag!, 19.1.19, Plakat des Werbedienstes, Januar 1919, Lithografie, 70x95cm, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Galerie:
01. Martha Jäger (1867-?), Eure Kinder brauchen Frieden und Brot. Darum Frauen: Wählt! Plakat der Frauenverbände Deutschlands, 1918, Plakat, 90x59,5cm, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, © unbekannt, Foto: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
02. Lucian Bernhard (1883-1972), Frauen! Sorget für Frieden und Brot! Wählet und werbt für die Wahl!, Januar 1919, Lithografie, 70x95cm, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
03. Karl Jakob Hirsch (1892-1952), Wählt Spartakus!, Jahreswende 1918/19, Lithografie, 69x94,5cm, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, © Universitätsbibliothek der LMU München, Nachlass Karl Jakob Hirsch
04. Walter Riemer (1896-1942), Nieder mit der Reaktion. Wählt SPD – Mehrheits-Sozialdemokratie. Wahlplakat der SPD, Januar 1919, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
05. Heinz Fuchs (1886-1961), Arbeiter: Hunger, Tod naht. Streik zerstört, Arbeit ernährt. Plakat des Werbedienstes der deutschen Republik, Ende 1918, Lithografie, 74x10 cm, © unbekannt, Foto: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
06. links: Alexander M. Cay (1887-1971), Arbeiter helft beim Aufbau der sozialistischen Republik. Plakat des Werbedienstes der deutschen Republik, 1918, Lithografie, 142x9cm, © unbekannt, Foto: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
rechts: Rudi Feld (Lebensdaten unbekannt), Die Gefahr des Bolschewismus. Plakat der Verbände gegen den Bolschewismus, Ende 1918, Lithografie, 94x69,5 cm, © unbekannt, Foto: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Grafik & Design > DARUM WÄHLT! – Plakate zur 1. Demokratisch...

Mehr auf KulturPort.De

Giving Art a Face von Michael Knepper in der Galerie Kunstraum Hamburg
 Giving Art a Face von Michael Knepper in der Galerie Kunstraum Hamburg



Wie schreibt man eine Kunstkritik, wenn man mit dem Künstler seit Kindertagen befreundet ist? Vielleicht lieber gar nicht!? Gerade auch, weil sich die Kunst ein [ ... ]



Dimitri Monstein Ensemble: Landscape
 Dimitri Monstein Ensemble: Landscape



Das Schlagzeug als Solo-Instrument ist nicht unbedingt das, was man auf einer Jazz-Platte erwartet. Denn eigentlich ist es nichts selbstverständlicher, beweist  [ ... ]



Privattheatertage 2019: „Die Schulz-Story“. Oder wie „verzwerge“ ich mich selbst
 Privattheatertage 2019: „Die Schulz-Story“. Oder wie „verzwerge“ ich mich selbst



Keine andere Partei zelebriert die Selbstzerfleischung so exzessiv wie die SPD! Nun hat ein Kapitel Leidensgeschichte jüngster Zeit sogar Bühnenreife erlangt:  [ ... ]



„Sunset”. László Nemes’ Metaphorik des Abgrunds
 „Sunset”. László Nemes’ Metaphorik des Abgrunds



„Sunset” ist eine atemberaubende verstörende Vision, hinter deren unfassbar exquisiter Schönheit sich der Horror selbstzerstörerischer Zivilisationen verb [ ... ]



Focusyear Band: Open Paths
 Focusyear Band: Open Paths



Eigenartiger Name für eine Band! Ein fokussiertes Jahr – was hat es mit der zeitlichen Limitierung auf sich?
Focusyear ist ein einjähriges Programm für ein [ ... ]



Thomas Zoglauer: Ethische Konflikte zwischen Leben und Tod. Über entführte Flugzeuge und selbstfahrende Autos.
 Thomas Zoglauer: Ethische Konflikte zwischen Leben und Tod. Über entführte Flugzeuge und selbstfahrende Autos.



Manchmal findet sich der Mensch in Situationen wieder, in denen er sich gar nicht richtig verhalten kann – was auch immer er tut, er wird jemanden verletzen od [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.