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Hamburger Architektur Sommer 2015


Architektur

Der Gartenreformer Harry Maasz – Ein Leben für die Natur

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Mittwoch, den 28. März 2018 um 10:00 Uhr
Der Gartenreformer Harry Maasz – Ein Leben für die Natur 4.2 out of 5 based on 91 votes.

Der Gartenreformer Harry Maasz – Ein Leben für die Natur


Harry Maasz gehört im deutschen Kaiserreich und bis zum Beginn des Nationalsozialismus zu den führenden Gartenreformern, neben Alfred Lichtwark, Fritz Schuhmacher und Leberecht Migge.
Mit der Industrialisierung und der Urbanisierung des städtischen Raums gewinnen öffentliche Grünanlagen zunehmend an Bedeutung. Es ist die Geburtsstunde des Volksparks, ein Erholungsraum für alle sozialen Schichten mit Wald- und Wiesenflächen, mit Wanderwegen, Teichen, Spiel- und Sportflächen. Die neuen Ideen prägen nicht nur öffentliche Anlagen sondern auch Privatgärten, wie die von Harry Maasz geplanten Gärten im schleswig-holsteinischen Neumünster und der Hansestadt Lübeck.

Im Zuge der von England ausgehenden Reformbewegung um 1900 kommt es auch zu einem Wandel in der Gartenkunst. Im Gegensatz zu dem englischen Landschaftsgarten, soll der moderne Garten als Erweiterung des Wohnraums dienen und mit diesem zu einer Einheit verschmelzen, wobei Architektur und stilistische Elemente sowie die Farbauswahl der Pflanzen ein harmonisches Gesamtkonzept bilden.„Ist es nicht eine der schönsten Aufgaben, einer neuen Gartenkultur Wege zu bahnen? Garten-Schaffen ist Dichtung, Verwirklichung einer Märchenwelt, in der Farben glüten und Düfte weben, ist Raumgestaltung inmitten der lebenden Natur, die alle aufgewendete Liebe hunderfältig vergilt …“, so Maasz 1931.
Einige vorgestellte Projekte lassen bis heute - trotz aller Umbauten - die Grundideen dieser neuen Gartenkultur erkennen. Dazu zählt der Harry Maasz-Garten in Neumünster, heute als Gerisch-Skulpturenpark öffentlich zugänglich, und einige Gartenanlagen in Lübeck.

Der Harry Maasz-Garten in Neumünster
Im Auftrag des Verlegerehepaares Karl und Else Wachholtz legt Maasz in den Jahren 1924 bis 1926 einen Landschaftsgarten an. Beeinflusst von den Gartenreformen seiner Zeit fügt er der vorhandenen Jugendstilvilla einen über zwei Hektar großen, neuen Wohngarten hinzu, der einen nahtlosen Übergang von Haus und Garten bildet: Innenraum und Außenraum verbindet er mit einer Terrasse und Treppenstufen aus Feldstein, mit Trockenmauern und Plattenwegen, Bäumen, Rhododendren, Teichen und Blumenrabatten. Die Gartenanlage fügt sich harmonisch in die umgebende Naturlandschaft der Schwale-Niederung ein und wird somit Bestandteil der Landschaft. Der nahtlose Übergang von Architektur und Garten sowie die Verschmelzung von Garten und Landschaft sind und bleiben für Maasz typische gestalterische Elemente.

Der Schulgarten
Um 1900 erschloss das Lübecker Bauamt ein neues Wohngebiet zwischen der Wakenitz und dem Travekanal und benannte die Straßen zum Teil nach mittelalterlichen Bürgermeistern.
Ein Lehrgarten war auf dem frei gebliebenen Uferstreifen der Wakenitz geplant. Jahre vergingen bis Harry Maasz 1913 mit der Anlage des Schulgartens beginnen konnte. Nach reformpädagogischen Idealen teilt er den Garten in verschiedenen Sichtachsen und Themenräume, wie Wildblumenwiese, Nutz- und Bauerngarten, Feuchtbiotope und Heidegarten, schafft Wasserläufe und ein Seerosenbecken, Hecken und Laubengänge, wobei er den Aspekt der Bildung und Anschauung betont. „… ermutigt durch seinen unverkennbaren erzieherischen Einfluß auf das Gartenleben und die Naturliebe der Laienbevölkerung verschloß ich dieses neue Gartenreich nicht ängstlich den Blicken der Vorübergehenden, sondern ich ordnete es ein, öffnete Sichten und schuf sogleich mit dem sinnigen Anzuchtfeld den Schmuckgarten für die sonst an Blütenschönheit arme Wohnstadt“, schreibt er 1920. Die Skulpturen „Der Panther“ von Fritz Behn und „Wasserschöpfendes Mädchen“ von Ernst Müller ergänzen das farbenfrohe Erscheinungsbild. Im Ersten Weltkrieg und auch während des Zweiten Weltkriegs wird der Schulgarten zum Gemüse- und Kartoffelfeld für die hungernde Bevölkerung. Die Wiederherstellung des Lehr- und Schaugartens erfolgt erst vier Jahre nach Kriegsende, ab 1949.

Der Bürgergarten
In der Lübecker Altstadt, hinter den klassizistischen Bürgerhäusern in der Königstraße 3 bis 11 verbirgt sich eine kleine Parkanlage – der Bürgergarten. Den heutigen Eingang markiert das Emanuel-Geibel-Denkmal neben dem Heiligen-Geist-Hospital. Der Garten, welcher sich vom Heiligen-Geist-Hospital bis zur Glockengießer Straße erstreckt, wird im Jahr 1924 von Harry Maasz umgestaltet. Bis auf die gradlinige, ruhige Gestaltung, die typisch ist für Maasz, sind die Grundideen des Gartenarchitekten kaum noch erkennbar. Die Parkanlage ist heutzutage ein grünes Paradies und eine Oase der Ruhe mitten im hektischen Innenstadtverkehr am Koberg. Vonroten Mauern unterbrochene Grünflächen, Bänke und Pergolen laden zum Verweilen ein, knorrige Linden und Obstbäume spenden Schatten. Plätschernde Brunnen, duftende Blumen- und Rosenbeete betören die Sinne. Seit dem Jahr 1930 steht in dem Garten hinter dem Museum Behnhaus Drägerhaus, Königstraße 9, der Ausstellungspavillon der Overbeck-Gesellschaft, ein Verein von Kunstfreunden. Zahlreiche moderne Plastiken schmücken daher das Gartenareal und nehmen Bezug auf das Kunstverständnis der Lübecker.

Der Ehrenfriedhof
Als Standort für den Ehrenfriedhof der Hansestadt Lübeck dient die Sandbergkoppel, ein hügeliger Buchenwald gegenüber dem Burgtorfriedhof an der Kreuzung Sandberg/Heiligen-Geist-Kamp. Der etwa fünf Hektar große Friedhof umfasst über 1800 Grabstätten, etwa 500 Gedenksteine und ist als zentrale Gedenkstätte für die gefallenen Soldaten und zivilen Opfer beider Weltkriege gedacht. Im Jahr 1915 von Harry Maasz realisiert, werden bereits zwei Jahre später Erweiterungen vorgenommen. Auch diese Anlage trägt die typische Handschrift des Gartenarchitekten: die Einbindung der umgebenden Landschaft und klar strukturierte  Flächen. Buchen, Eichen, Eiben und Rhododendron bilden farbliche Kontraste. Geometrische, kreisförmige, ovale und halbrunde Grabfelder liegen aufgrund des Gefälles auf unterschiedlichem Niveau und werden durch Treppen angepasst. Variierend geschwungene Wege gestalten das Gelände. „Die überzeugende Wucht scharf gefasster Gartenräume innerhalb eines frei sich entwickelnden Baumbestandes, sei es Wald oder Park, liegt vornehmlich in den Kontrasten der Linien und Massen“, so Maasz. Die auf dem Ehrenfriedhof stehenden Gedenksteine und Kriegsgräberdenkmale, sind verschiedenen Opfergruppen gewidmet. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Ehrenfriedhof erneut erweitert. Schlichte Holzkreuze und hölzerne Gedenktafeln auf einem Gräberfeld erinnern an den Bombenangriff 1942, als die britische Royal Air Force in der Nacht zu Palmsonntag die Stadt bombardiert. Zur Erinnerung an die Trauer und das Leid der Bevölkerung steht mittig eine Skulptur des Künstlers Joseph Krautwald mit dem Titel „Die Trauernde“. Das Grab von Harry Maasz, der als letzter auf dem Friedhof bestattet wird, liegt am Ausgang des ersten Feldes.

Harry Maasz, im Januar 1880 in Cloppenburg geboren, gehört zu den einflussreichen Gartenarchitekten im norddeutschen Raum. Nach einer Gärtnerlehre und dem Studium der Gartentechnik in Potsdam, findet er unter anderem eine Anstellung im Büro Schnackenberg und Siebold in Hamburg, arbeitet von 1912 bis 1922 als Leiter des Gartenamtes der Freien und Hansestadt Lübeck. Im Wintersemester 1912/13 hält er Vorlesungen in Hamburg über die Gartenkultur des 20. Jahrhunderts. Nach seiner Entlassung aus städtischen Diensten gründet der 42-jährige ein eigenes „Atelier für Gartenkunst und Landschaftsgestaltung“ in Lübeck, 1934 ein Büro in Barcelona mit Guillermo Narberhaus. Mit Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs kehrt Maasz allerdings zwei Jahre später nach Lübeck zurück.

Neben seiner Forderung nach öffentlichen Volksparks, engagiert sich Maasz im Kleingarten- und Siedlungswesen, plant Gartenanlagen, Friedhofs- und Gedenkstätten. Er veröffentlicht Bücher, Zeitschriften und Filmezur Gartenarchitektur. Er ist Mitglied in zahlreichen Fachverbänden, darunter im Vorstand der DGfG (Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur – Landesverband Hamburg/Schleswig-Holstein e.V.) in Hamburg. Maasz ist ein unsteter Geist, ein Workaholic gewesen, der eine Fülle von Planungen, Arbeiten und Schriften hinterlassen hat. Über seine Tätigkeit zurZeit des Nationalsozialismus ist wenig bekannt. Ist er wirklich nur ein angepasster Mitläufer gewesen? Diese biographische Seite ist bis heute nicht aufgearbeitet worden. Wegen seiner nationalen Aussagen und seiner fördernden Mitgliedschaft in SS ab 1934 bezog man sich nach 1945 nur noch ungern auf ihn.

Nach seinem Tod im August 1946, wird Maasz auf dem Lübecker Ehrenfriedhof beigesetzt. Seine Ehefrau Liddy führt zusammen mit dem Mitarbeiter Wilhelm Fenne das Lübecker Atelier weiter.

Aber, was ist geblieben von Harry Maasz? Beeinflussen seine Planungen und Gartenträume auch noch die heutige Garten- und Landschaftsarchitektur?

Video:

Leben mit einem Denkmal – Parkgeschichten (Gut Schwaighof, Gemeinde Allmannsdorf b. Augsburg, Parkanlage von Harry Maasz ab 1925 gebaut. 11:35 Min. von 44 Min.)



Abbildungsnachweis:
Header: Harry Maasz. Quelle: Landesarchiv Schleswig-Holstein
Galerie:
01.
„Hain" Entwurf für einen Soldatenfriedhof von Harry Maasz (Quelle: Peter Jessen Hg. Kriegergräber im Felde und daheim, München 1917 [Jahrbuch des Deutschen Werkbundes 1916/17], S. 119)
02. Plan des Volksparks der Zukunft, 1913
03. Ehrenfriedhof Lübeck, 1915. Quelle: Deutsche Kunst und Dekoration 36 (1915), S. 372)
04. Ehrenfriedhof um 1915, Teil I. und II. Postkarte aus dem Jahr 1915
05. Harry Maasz bei der Arbeit
06. Plan des Landschaftsparks für die Villa Wachholtz in Neumünster, 1926. Quelle: Landesarchiv Schleswig-Holstein
07. Blick in den Reformkunstgarten von Harry Maasz in Neumünster. Fertiggestellt 1926. Foto: Claus Friede
08. Publikationen von 1911 bis 1936

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