Film

Mit „Belle“ beweist sich Mamoru Hosoda erneut als visionärer wie gefühlvoller Geschichtenerzähler.

 

Mit „Belle“ feiert Studio Chizu – das im April 2011 u.a. von Hosoda in Tokio mitgegründet wurde – sein 10-jähriges Bestehen und bleibt, zusammen mit Studio Ghibli, das einzige Animationsstudio in Japan, das einem unverwechselbarem Regisseur treu geblieben ist.

 

Mit dem Art Design von Tomm Moore (Die Melodie des Meeres) und Character Designs von Jin Kim (Die Eiskönigin: völlig unverfroren), auch bekannt als Visual Development Artist der beiden diesjährigen Oscar®-nominierten Animationsfilme „Encanto“ und „Raya und der letzte Drache“, kreiert der Oscar®-nominierte Regisseur ein spektakuläres, von melodischem J-Pop begleitetes Cyber-Märchen. Ein Fest für Augen und Ohren, das nicht zuletzt einen erfrischend hoffnungsvollen Blick auf das Zeitalter des Internets offenbart.

 

Regiekommentar

Mamoru Hosoda äußert sich über „Belle“: „Es ist der Film, den ich schon immer machen wollte und den ich dank des Erfolges meiner bisherigen Filme jetzt endlich machen konnte. In „Belle“ geht es um Romantik, Action und Spannung sowie um tiefere Themen wie Leben und Tod. Ich hoffe, dass die Kinobesucher ihn sehr unterhaltsam finden werden, denn das ist meine Absicht.

 

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In der Vergangenheit habe ich mich mit der Art und Weise, wie Menschen mehr denn je verbunden sind, sowie dem unendlichen Thema Konnektivität über das Internet auseinandergesetzt. Ich hoffe, dass es der jüngeren Generation ermöglichen wird, die Welt auf eine positive und unterhaltsame Weise besser zu machen. Aber ich bin mir auch der mit dem Internet verbundenen Probleme wie Online-Missbrauch, soziale Ausgrenzung und Fake News bewusst.

 

Ich bleibe jedoch davon überzeugt, dass das Internet ein Werkzeug für Gutes sein kann, um unser aller Leben zu verbessern. Da es sich ständig weiterentwickelt, habe ich mir geschworen, einen Film zu machen, der die positiven Vorzüge zeigt. Mein eigenes berufliches und privates Leben hat sich dank des Internets exponentiell verbessert und ich habe das Gefühl, dass ich jetzt einen Schritt näher an meiner Zukunftsvision bin, die ich mir vor über 10 Jahren vorgestellt habe. In diesem Zeitalter des ständigen und schnellen Wechsels, der die konventionellen Weisheiten jedoch kaum einschränkt, war ich dazu verpflichtet, eines Tages einen Film zu diesem Thema zu machen.

 

Ich denke jedoch auch, dass die Bedeutung einiger Grundlagen des Lebens für immer unverändert bleiben werden. Auch wenn sich die Werkzeuge und Modi von Übertragung entwickeln, was wir geerbt und über die Generationen erlernt haben wird überdauern... Zumindest hoffe ich darauf: eine Welt, die sich mit halsbrecherischer Geschwindigkeit verändert, aber in der die Grundlagen menschlicher Existenz bestehen bleiben.“

 

Leben und Inspiration

Als Mamoru Hosoda „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ (2006) drehte, war er ein junger, aufstrebender Regisseur. Dies war sein erster abendfüllender Animationsfilm für Studio Madhouse. Die unbeschwerte, im Lauf der Zeit gefangene Jugendlichkeit seiner Heldin war Zeugnis seines damaligen Gemütszustandes.

 

Für „Summer Wars“ (2009) ließ er sich für den Charakter Sakae, der Großmutter, von seiner eigenen Mutter inspirieren. Mit diesem Film machte er den ersten „Geek“-Familienfilm in einer Zeit, als Smartphones und soziale Netzwerke auftauchten und ihr Einfluss auf das Familienleben langsam spürbar wurde.

 

In seinem Film „Ame & Yuki – Die Wolfskinder“ (2014) zollte Hosoda erneut einen warmen und kraftvollen Tribut an seine eigene Mutter, die Frau, die ihn im Alleingang großzog und seine Filmkarriere unterstützte. Er ging sogar einen Schritt weiter und machte den Film noch ergreifender, indem er sich von ihr auf der großen Leinwand verabschiedete, denn sie starb tragischerweise während der Dreharbeiten.

 

Als sein Sohn geboren wurde, fragte sich Mamoru Hosoda, wie er Kindern helfen und sie ermutigen kann, in der heutigen Gesellschaft aufzuwachsen. Diese Frage steht im Mittelpunkt von „Der Junge und das Biest“ (2016). Der Film setzt sich damit auseinander, wie Wissen und Erfahrung an die nächste Generation weitergegeben werden.

 

Dieser Ansatz findet sich auch in seinem nächsten Film „Mirai“ wieder. Hier ließ sich der Regisseur von den Erfahrungen seiner eigenen Kinder inspirieren. Er setzt sich daher unter anderem mit dem Thema Brüderlichkeit aus der Perspektive seines vierjährigen Sohnes auseinander. „Mirai“ wurde zu einem intimen Film, in dem alle Figuren auf Menschen basieren, die er gut kennt, angefangen bei seinen Kindern.

 

Mit „Belle“ wirft er erneut einen freundlichen und warmherzigen Blick auf das junge Erwachsenenalter. Die Idee zu der Geschichte entstand aus seinen Ängsten vor dem, was die Jugendjahre für seine eigenen Tochter bereithalten. „Belle“ ist die Geschichte des schüchternen und unsicheren Teenager-Mädchens Suzu, die durch die virtuelle Welt von „U“ und mit Hilfe ihres musikalischen Avatars Belle ihr wahres Ich entdeckt und sich von ihren Ängsten befreit.

 

Filminhalt

Das Leben der 17-jährigen Suzu, die mit ihrem Vater in einem kleinen Dorf lebt, verändert sich schlagartig, als sie sich auf der Plattform „U“ anmeldet – in der virtuellen Welt mit fünf Millionen Nutzern kann jeder so aussehen, wie er möchte. Der Avatar der schüchternen, von einem traumatischen Erlebnis in ihrer Kindheit gezeichneten Suzu ist die schöne und anmutige Belle. In der schützenden Anonymität der Online-Welt überwindet die junge Schülerin ihre Selbstzweifel und steigt über Nacht zum weltberühmten Star auf. Die ganze Welt möchte wissen: Wer ist Belle? Der Erfolg von Suzus Alter Ego wird schon bald in den Schatten finsterer Ereignisse gestellt: Ihr Konzertauftritt wird von der Ankunft eines mysteriösen Wesens unterbrochen. Der „Drache“ treibt in den virtuellen Weiten von „U“ sein Unwesen und will die friedliche Atmosphäre zerstören. Fasziniert von dem bedrohlich aussehenden Unruhestifter macht sich Belle daran, das Rätsel, um ihn aufzudecken. Denn genau wie bei ihr scheint sich hinter der projizierten Oberfläche des vorgeblichen Bösewichts mehr zu verstecken, als es erst den Anschein hat.

 


Belle

Originaltitel: Ryû to sobakasu no hime

Regie: Mamoru Hosoda

Darsteller: Kaho Nakamura (Synchronisation), Ryô Narita (Synchronisation), Shôta Sometani (Synchronisation)

Produktionsjahr: 2021

Produktionsland: Japan

Filmlänge: 121 Min

Bildformat: 2.35 : 1

Sprache: Japanisch

Erscheinungstermin 09.06.2022

Verleih und Copyright: Koch Films

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