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Nachdem bereits seit Dezember 2020 die obere Ausstellungshalle der Neuen Nationalgalerie am Berliner Kulturforum im alten Glanz erstrahlt, findet am 29. April die Schlüsselübergabe für das von Grund auf instandgesetzte Gebäude an die Staatlichen Museen zu Berlin und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz statt. In Kürze zieht die Kunst in die Neue Nationalgalerie ein, die ab 22. August mit einer neuen Sammlungspräsentation und einer Ausstellung zu Alexander Calder wiedereröffnet wird.

 

Die Veranstaltung der Schlüsselübergabe findet pandemiebedingt ohne Gäste und Pressevertreter rein digital statt: in Anwesenheit von Kulturstaatsministerin Monika Grütters, Baustaatssekretärin Anne Katrin Bohle, dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Hermann Parzinger, der Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) Petra Wesseler und dem Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin Michael Eissenhauer. Der Architekt David Chipperfield ist über Video zugeschaltet. Die Veranstaltung, die von Liane von Pein moderiert und von Mitgliedern der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker umrahmt wird, ist zugänglich auf YouTube (ab 29.4., 11 Uhr www.smb.museum/livestream-nng). Die Tage der offenen Tür, die sich eigentlich anschließen sollten, sind aus Pandemiegründen derzeit leider nicht möglich. Geplant sind sie nun für den 28. bis 30. Mai 2021.

 

Kulturstaatsministerin Monika Grütters betont: „Mit ihrer großen, lichtdurchfluteten Halle und den Ausstellungsräumen im Untergeschoss erstrahlt die Architekturikone Mies van der Rohes nun in neuem Glanz. Mit ihrer einzigartigen Bauweise, aber erst recht mit ihrem spektakulären Inhalt, wird die Neue Nationalgalerie von August an wieder zu einem Publikumsmagneten des Kulturforums in Berlin werden. Nach dem Humboldt Forum und der Staatsbibliothek Unter den Linden ist es trotz der Einschränkungen durch die Pandemie gelungen, auch diese bedeutende Kulturbaustelle im Herzen unserer Hauptstadt fertigzustellen. Dafür gebührt allen Beteiligten, dem BBR und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, großer Dank – insbesondere dem Architekturbüro von David Chipperfield, das die originalgetreue Sanierung des Gebäudes mit Umsicht und viel Liebe zum Detail gestaltet und begleitet hat.“

 

Baustaatssekretärin Anne Katrin Bohle führt aus: „Mit der 1968 eröffneten Neuen Nationalgalerie schuf Mies van der Rohe gegen Ende seines Lebenswerkes ein universelles Fanal der klassischen Moderne. Seine Baukunst schafft räumliche Freiheit in reinster Form. Seine Bauten sind nutzungsneutrale Solitäre. Die Funktion ordnet sich der Form unter. Mies van der Rohe war mit seinem Werk Wegbereiter einer ganzen Architektengeneration. Ich freue mich sehr, dass die Bundesbauverwaltung heute den Staatlichen Museen zu Berlin ein von Grund auf instandgesetztes und weltweit so bedeutsames Bauwerk zur weiteren Nutzung übergibt.“

 

Die von 1965 bis 1968 errichtete Neue Nationalgalerie am Berliner Kulturforum ist eine Architekturikone von Weltrang sowie der Schluss- und Höhepunkt des Lebenswerks von Ludwig Mies van der Rohe. Das Gebäude wurde im Auftrag der Stiftung Preußischer Kulturbesitz durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) denkmalgerecht generalsaniert. Mit der Planung war das Büro David Chipperfield Architects Berlin beauftragt. 

 

SPK-Präsident Hermann Parzinger: „So viel Mies wie möglich – das war der selbstgestellte Auftrag, und wie grandios ist er umgesetzt worden! Der Tempel der Kunst hat seine Transparenz, seinen fließenden Raum zurück, die Stadtlandschaft rückt durch die neuen Fenster näher heran. Die Ästhetik der Ordnung wird wieder erlebbar. Das moderne Leichte und das klassisch Schwere harmonieren wieder auf phantastische Weise. Die Neue Nationalgalerie ist zurück, und sie wirkt, wie Mies sie erdacht hat. Sie verbirgt die Spuren ihrer Jahre keineswegs, die Aussage ihrer reparierten Architektur macht sie frischer denn je. Für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, für die Staatlichen Museen zu Berlin und die Nationalgalerie setzt diese Sanierung Maßstäbe. Wir übernehmen ein Haus, das uns auch Ansprüche für das Programm auferlegt. Diese feine Generalsanierung war ein exzellentes Teamwork – von den Museen auf der einen Seite, David Chipperfield Architects, BBR und Landesdenkmalamt auf der anderen. Ich danke allen Beteiligten, vor allem aber Kulturstaatsministerin Monika Grütters und dem Haushaltsausschuss des Bundestages für die finanzielle Unterstützung.“

 

Architekt David Chipperfield: „Ein Gebäude von solch unantastbarer Autorität zu zerlegen war eine merkwürdige Erfahrung, aber ein Privileg. Die Neue Nationalgalerie hat für meine Arbeit und die vieler anderer Architekten Maßstäbe gesetzt. Hinter die Fassade zu blicken hat ihre Genialität und zugleich ihre Mängel offenbart, jedoch meine Bewunderung für Mies‘ Vision nur verstärkt. Unsere Arbeit war daher von chirurgischer Natur. Sie befasste sich mit technischen Belangen, um seine Vision zu schützen. Ein solches Unterfangen, in einem Gebäude in dem man nichts verstecken kann, ist einschüchternd, aber wir hoffen den Patienten dem Anschein nach unberührt entlassen zu haben – nur in viel besserem Zustand.“

 

Petra Wesseler, Präsidentin des für das Projektmanagement verantwortlichen Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung, betont: „Die Grundinstandsetzung der Neuen Nationalgalerie war ein außergewöhnliches Projekt. Unter dem Leitgedanken ‚so viel Mies wie möglich‘ stellten sich die Beteiligten der Herausforderung, behutsam denkmalpflegerische Belange mit den Anforderungen an einen zeitgemäßen Museumsbetrieb in Einklang zu bringen und das architektonische Erbe von Mies van der Rohe zu wahren. Dieses Zusammenspiel aus Erhalt und Erneuerung ist ihnen hervorragend gelungen.“ Sie übergibt den symbolischen Schlüssel an Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, der erklärt: „Für die Staatlichen Museen zu Berlin ist es ein überaus glücklicher Tag. Mit der Neuen Nationalgalerie kehrt ein architektonisches Juwel in den Kreis unserer Museen zurück. Nach mehr als sechs Jahren baubedingter Schließung können unsere Besucherinnen und Besucher ab dem 22. August unsere weltberühmte Sammlung zur Kunst der Moderne wieder in einem der schönsten Ausstellungshäuser der Welt erleben.“

 

Im Frühjahr 2021 wurde die dritte und letzte Bauphase an der Neuen Nationalgalerie – der Innenausbau des Gebäudes – abgeschlossen. Ausstellungshalle und Innenbereiche sind von Grund auf instandgesetzt und über 35.000 restaurierte Originalbauteile wie zum Beispiel die Natursteinplatten aus Striegauer Granit, Leuchten, Geländer und Holzpaneele wieder eingebaut. Diese waren zuvor in der ersten Bauphase der Grundinstandsetzung sorgfältig demontiert, inventarisiert, eingelagert und restauriert worden.

 

Allein in der der oberen Ausstellungsstellungshalle wurden 1.600 Quadratmeter neues Glas eingebaut, auf 15.000 Quadratmetern eine neue Beschichtung aufgetragen und 500 Schweißnähte an der Stahlkonstruktion saniert. 800 auf LED-Technik umgerüstete Bestandsdeckenleuchten, 196 Deckengitter und 2500 Quadratmeter an Natursteinplatten wiederverlegt.

Damit die Neue Nationalgalerie den heutigen technischen Anforderungen hinsichtlich Klimatisierung, Brandschutz und Sicherheit entspricht, wurde auch die gesamte technische Gebäudeausrüstung erneuert, wie beispielsweise die Fußbodenheizung, die Raumlufttechnik oder das Grundleitungssystem in der Bodenplatte.

 

Zur Wiederherstellung des von Mies van der Rohe geplanten Ausstellungsrundgangs wurden im Zuge der Grundinstandsetzung Museumsshop und Garderobe neu im Untergeschoss angeordnet. Anstelle der sich bisher im Inneren der Galerie befindenden Depoträume entstanden an der Ostseite auf rund 600 Quadratmetern, unterhalb der Terrasse, die neuen Räume für das Gemälde- und Skulpturendepot sowie auf rund 300 Quadratmetern neue Technikflächen. Die neue Raumfolge bietet auch logistische Vorteile für die Anlieferung der Kunstwerke. Vom Ausstellungsvorbereitungsraum wird es künftig eine direkte Verbindung ins Depot geben. Zuvor mussten die Kunstwerke durch die Ausstellungsräume ins Gemäldedepot gebracht werden.

 

Quelle: Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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