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Sol Gabetta – Prayer

„Den Anstoß für mein neues Album“, sagt die argentinische Cellistin und mehrfache Echo Klassik-Preisträgerin Sol Gabetta, „war das titelgebende Stück „Prayer“ von Ernest Bloch, das ich häufig als Zugabe spielte. Es löste beim Publikum jedes Mal eine Ergriffenheit und Betroffenheit aus, denn es ist sinnlich und besinnlich zugleich.“

Bloch (1880-1959), der aus Genf stammte und 1916 in die USA emigrierte war nicht nur ein begnadeter Komponist jüdischer Abstammung, sondern ebenso ein hervorragender Fotograf. Seine 6000 Negative sind mittlerweile wissenschaftlich ausgewertet und zeigen wie intensiv die Verbindung von Musik und Bild bei ihm gewesen sein muss. Er ist ein Komponist der sowohl mit der Kamera als auch mit seiner Musik Bilder auslöst – eben „sinnlich und besinnlich zugleich“.

Das Repertoire dieser CD ist sehr anspruchs- und eindrucksvoll. Gabetta tritt wieder einmal in die großen Fußspuren des katalanischen Cellisten und Komponisten Pablo Casals (1876-1973), von dem das abschließende Stück des Albums komponiert wurde.

Cover Sol Gabetta – PrayerEs ist in der Tat eine besinnliche Einspielung die kompositorisch und interpretatorisch sämtliche Gefühlswelten ins uns auslotet. Ist bei Blochs „From Jewish Life“ (1924/25 komponiert), „Baal Shem – Three Pictures of Hasidic Life“ (1923) und den „Méditation Hébraïque“ (1950) die vielschichtige Klangfarbe der jüdischen Liturgie präsent, so wandelt sich bei der Rhapsodie Hébraïque „Schelomo“ diese zu einem genialen dramatischen Raum des Lebens und der Erzählung König Salomons. Sie ist die letzte Komposition des sogenannten „Jüdischen Zyklus’“, fertiggestellt kurz vor seiner Abreise in die USA. Die Phrasierung, die lyrischen Elemente, die Komposition als solche ist nahezu perfekt in ihrer kraftvollen und gleichzeitig transparenten Art, ein Höhepunkt im kompositorischen Schaffen des Meisters. Dies ist ein Stück das in sich selbst wohnt. Das Orchestre National de Lyon unter der Leitung von Leonard Slatkin und Sol Gabetta bewältigen die 22 Minuten bis zum finalen Kollaps, dem Epilog und mündet in das Schweigen Salomons – bravourös. Schließlich streicht das Cello die letzten Atemzüge des Königs schwer dahin. Kompositorische Weisheit pur!

Von Dimitri Schostakowitsch (1906-1975) ist eine Auswahl der elfteiligen „Jewish Folk Poetry“ (1948) zu hören. Die vier jeweils kurzen Stücke von einer bis drei Minuten wirken wie Etüden und sind dennoch wie ein eigener Kosmos. Gemeinsam mit der Amsterdam Sinfonietta unter der künstlerischen Leitung von Candida Thompson geben die musikalischen Gedichte Momente voller Leidenschaft wieder. Jede Note ist mit dem wahren Leben verbunden, ob im Schlaflied (Lullaby), im Lied des Kummers (Song of Misery) oder im leichten Licht der Jugend: das Lied des jungen Mädchens (Young Girl’s Song) das sich tänzerisch zwischen Lebensfreude und Erwartung bewegt.

Die Aufnahmen und das ganze Projekt hat über zwei Jahre andauert. Das lag daran, dass Sol Gabetta die ideale Auswahl und Reihenfolge der Stücke suchte, Ideen immer wieder verwarf und schließlich bei dieser Auswahl ein wirklich gutes Gefühl dabei hatte. Wie sehr choreographisch diese CD auf dem Punkt gebracht ist und der Hörer sich durch eine Welt der wohlvertrauten Melancholie und der wohltuenden Lebenslust bewegt zeigt das letzte, ruhige und weiche Stück: „Das Lied der Vögel“ (El Cant dels Ocells) von Pablo Casals. Ursprünglich als katalanisches Weihnachtslied bekannt, machte Casals seine Komposition und Interpretation daraus zur Hymne – während der Franco-Diktatur – für alle Exil-Katalanen. Hier schließt sich nun auch der choreographische Kreis formal, denn Casals spielte dieses Stück seit 1945 als Zugabe am Ende seiner Konzerte.
Auch wenn Sol Gabetta acht Jahre nach Casals Tod geboren wurde, so wurde hier ein Cellobogen würdig und qualitätsvoll weitergereicht.


Sol Gabetta – Prayer
Cello Ensemble Amsterdam Sinfonietta, Amsterdam Sinfonietta, Orchestre National de Lyon, Candida Thompson, Leonard Slatkin
Sony Classical
888837621724

YouTube: Sol Gabetta - E. Bloch: Schelomo
Hörprobe

Termine Sol Gabetta:
08.12.2014 Köln Philharmonie
12.12.2014 Berlin Staatsoper
14.12.2014 Hamburg Laeiszhalle
15.12.2014 Berlin Konzerthaus
16.12.2014 Berlin Philharmonie


Abbildungsnachweis:
Header: Sol Gabettas Hände mit Cello. Foto: Marco Borggreve © Sony Classical
CD-Cover

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