Neue Kommentare

Marion Hinz zu Dorothy Parker: „Denn mein Herz ist frisch gebrochen“ – Zwischen Sehnsucht und Satire: Lieber Herr Blumenbach, Ihr Kommentar freut mich ...
Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: falsch, das erste Konzert der Tour hatte lange vo...
Ulrich Blumenbach zu Dorothy Parker: „Denn mein Herz ist frisch gebrochen“ – Zwischen Sehnsucht und Satire: Vielen Dank für die schöne, fundierte und zitat...
Herby Neubacher zu Kang Mu-xiang: „Unlimited Life“ – Monumentale Plastik auf Hamburgs Rathausmarkt: Schoen das der Bauschutt aus Taipeh ein neues Zuh...
Herby Neubacher zu Zu Ehren von John Neumeier: Nijinsky-Gala: ... und ausserdem steht Neumeier fuer den geschma...

CDs JazzMe

Hudson (Jack DeJohnette, Larry Grenadier, John Medeski, John Scofield): Hudson

Drucken
(101 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 17. Oktober 2017 um 08:59 Uhr
Hudson (Jack DeJohnette, Larry Grenadier, John Medeski, John Scofield): Hudson 4.1 out of 5 based on 101 votes.
Hudson - Jack DeJohnette, Larry Grenadier, John Medeski, John Scofield

Unter dem Bandnamen „Hudson” haben sich mit Jack DeJohnette, Larry Grenadier, John Medeski und John Scofield vier großmächtige Jazzmusiker zusammengetan, die gern und oft andere Genres in ihr Spielt gemischt haben und in derselben Gegend leben: im Hudson-Tal.

Dieser Landstrich spielte schon eine zentrale Rolle im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Später wurde er der bevorzugte Zufluchtsort vieler, die befürchteten, vom nur ein paar Autostunden entfernten Moloch New York City verschluckt zu werden – und nicht zuletzt liegt hier Woodstock, der berüchtigte Urschlamm der Hippies. Das Hudson River Valley ist also gleichermaßen Bestandteil des Gründungsmythos der USA und der Woodstock-Generation – und bis heute sollen hier im Verhältnis zur Einwohnerzahl mehr Künstler leben als irgendwo sonst in den Vereinigten Staaten.

So atmet dieses Album denn auch die Gelassenheit einer einzigartigen Landschaft mit einem breiten, ewig-fließenden Strom. Behutsam hebt der Opener „Hudson” an und offenbart mit den ersten Tönen, wie dieses Quartett funktioniert: Sie hören einander zu, ergänzen, nehmen auf, halten im Fluss, spornen an, gleichen aus, verstärken – immer mit dem Ziel, das Stück besser zu machen. Gruppendynamik statt Showdown. Man muss sehr lange einem Fluss gelauscht haben, um solche Musik machen zu können.

COVER Hudson Jack DeJohnette, Larry Grenadier, John Medeski, John ScofieldMit dem tiefenentspannt aber pointiert vorgetragenen „El Swing” (vom 2011er-Album „Miles Español”) besänftigt das Quartett Jazzpuristen und verneigt sich vor dem Übervater Miles Davis.
Joni Mitchell’s Folkhymne „Woodstock” nähert sich Scofield mit beeindruckend fragiler Artikulation. Den Ton, die verhangene Stimmung, die ambivalente Haltung zwischen hochfliegenden Träumen und Selbstzweifeln sollen die Hudsoneers im ersten Anlauf so gut getroffen haben, dass es diese Version direkt aufs Album geschafft hat.
In Robbie Robertson’s „Up On Cripple Creek” (erstmals mit The Band 1969 im Hudson River Valley aufgenommen) haben Hudson ihre nostalgische Wohlfühlzone erreicht: Sie versetzen es lustvoll mit mächtig angeschrägtem Ragtime.
„Es ist sehr schwer, die Balance zu finden: einerseits Jazz zu spielen und andererseits den Rock-, Funk- oder Folksongs treu zu bleiben. Das ist heikles, gefährliches Unterfangen“, mahnt John Medeski. Er erinnert damit an das mit zwei Grammys gepriesene Album „Country” von John Scofiled, das diese Balance gerade nicht sucht.
Absolut hörenswert ist, wie der Band dieses „gefährliche Unterfangen” in „A Hard Rain’s A-Gonna Fall” des Literaturnobelpreisträgers Bob Dylan gelingt – einer der Glanzpunkte aus dessen Phase als Protestliedermacher. Und spätestens hier wird klar, dass „Hudson” auch eine politische Dimension innewohnt, steht doch das Hudson River Valley für vieles, was der Trotzkind-Präsident geifernd attackiert.

Und so schließt das Album denn auch mit einem spirituellen Gesang DeJohnettes: Im Stile seiner uramerikanischen Vorfahren gehalten und nur von einer Handtrommel und Holzflöten begleitet, verleiht die Band damit ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Menschen friedlich zusammenleben – denn, so DeJohnette, „wenn wir das nicht tun, stoßen wir die Spezies und den Planeten ins Verderben“.

Hudson (Jack DeJohnette, Larry Grenadier, John Medeski, John Scofield): Hudson
Label: Motema / Pias
CD, LP
EAN: 181212002287

YouTube-Video:
Hudson (Behind the Scenes) - DeJohnette, Grenadier, Medeski & Scofield (Trailer mit „Great Spirit Peace Chant“)
Hörproben (Alle Stücke gebündelt)

Weitere Rezensionen bei KulturPort.De zu John Scofield (11/2016)


JazzMe - In Kooperation mit Christoph Forsthoff, Sabine Meinert, Sven Sorgenfrey und Willy Theobald. Weitere CD-Kritiken, Interviews und Informationen aus der Welt des Jazz unter www.aboutjazz.de.


Abbildungsnachweis:
Headerfoto: Nick Suttler
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Hudson (Jack DeJohnette, Larry Grenadier, Joh...

Mehr auf KulturPort.De

Weltmusikalisches Crossover – fließende Gefühle. Etta Scollo zum 60. Geburtstag
 Weltmusikalisches Crossover – fließende Gefühle. Etta Scollo zum 60. Geburtstag



Postmoderne Nomadin und transkulturelle Geschichtenerzählerin des 21. Jahrhunderts – die gesangliche und intellektuelle Künstlerkarriere von Etta Scollo vers [ ... ]



„The Happy Prince”. Rupert Everett und die Ästhetik der Melancholie
 „The Happy Prince”. Rupert Everett und die Ästhetik der Melancholie



Paris, 1898, der Regen prasselt auf die Tische des Straßencafés, nur ein älterer, etwas verwahrloster Mann sitzt draußen, geduldig darauf hoffend, dass noch  [ ... ]



Trio Laccasax: In Music At Home
 Trio Laccasax: In Music At Home



Einen Ort zu haben, an dem man zuhause ist, ist an Wert kaum zu überschätzen. Ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen kann, an dem man ganz selbst sein da [ ... ]



„Edgars und Aina Šēnbergi. Modernisti" im Lettischen Architekturmuseum Riga
 „Edgars und Aina Šēnbergi. Modernisti



Eine kleine, aber feine Ausstellung ist im Lettischen Architekturmuseum in der Altstadt von Riga zu sehen. Gezeigt werden Arbeiten, Zeichnungen und Modelle des A [ ... ]



„The Cleaners” – Oder die Schattenindustrie digitaler Zensur
 „The Cleaners” – Oder die Schattenindustrie digitaler Zensur



Unsere Bilderflut ist apokalyptisch: Jede Minute 500 Stunden Video auf YouTube, 450.000 Tweets auf Twitter. Nicht alles was hochgeladen wird, bleibt. Die Silicon [ ... ]



Der wahre Reichtum – „Wir Sonnenkinder – Authentische Lebensbilder“
 Der wahre Reichtum – „Wir Sonnenkinder – Authentische Lebensbilder“



Vor mir liegt der Lebensbericht – der Autor Harry Popow nennt ihn „authentische Lebensbilder“ eines Zeitgenossen, der vom wahren Leben in der DDR berichtet [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.