Werbung

Neue Kommentare

Ulrike Tempel zu Adventsmessen und Handwerkermärkte in Hamburg – Alle Jahre wieder...: Leider sind die Termine veraltet 2017 / 2018...
Irmgard Gottschlich zu 50 Jahre Sammlung Ulla und Heinz Lohmann: Herzliche Gratulation zu diesem Ereignis, nicht n...
Dr. Carola Siepmann zu Flucht ins Ungewisse - Ausstellung im Hamburger Rathaus: Hallo, gern hätte ich die Ausstellung heute ange...
Claus Friede zu „The Irishman”. Martin Scorsese und die Demaskierung des Gangsterfilms : Danke für Ihren Kommentar, Herr Zurch.
We...

Bernd Zurch zu „The Irishman”. Martin Scorsese und die Demaskierung des Gangsterfilms : Vielen Dank. Warum gibt es keine Sternchen mehr? ...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Literatur

Harbour Front: Was Sehnsucht bewegt

Drucken
(28 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Samstag, den 18. September 2010 um 15:02 Uhr
Harbour Front: Was Sehnsucht bewegt 4.1 out of 5 based on 28 votes.
alt

Harbour Front - Sehnsucht und Hafen – das passt gut zusammen. Man guckt auf die Elbe und reist ein paar Sehnsuchtsaugenblicke an Bord eines der Containerschiffe mit.

Das Phänomen „Sehnsucht“ im Rahmen des Harbour Front Literaturfestivals wurde am 17. September denn auch in unterschiedlichsten Facetten beleuchtet. Ganz pragmatisch mit Workshops z.B. zum Thema „Gefahren der Sehnsucht“ anhand der Elbphilharmonie und höchst unterhaltsam im Gespräch zwischen John von Düffel und Rainer Moritz.
Workshops mit Sehnsuchts-Kennern

Nachmittags hatte man die Chance in diversen Workshops, mit interessanten Sehnsuchts-Kennern über deren Erfahrungen und über eigene Vermutungen zu sprechen. So sprach beispielsweise Tessa Beecken aus dem Leitungsteam der Elbphilharmonie über die Gefahren der Sehnsucht. Ein Themenschwerpunkt, den sie sich nicht selbst ausgesucht hatte, dem sie sich aber kompetent und sehr charmant im lockeren Gespräch stellte.

Von der Verantwortung, die man durch die Kommunikation der eigenen Sehnsucht übernimmt, wurde gesprochen. Von der Gefahr, die geweckten Erwartungen bei begeisterten Partnern nicht im erwarteten Umfang oder Zeitrahmen zu erfüllen. Von der Vision, in Hamburg der Musik mehr Raum und mehr gelebte Präsenz zu geben. Sie als selbstverständlichen und einfach als beglückendes Element im Leben jedes einzelnen zu etablieren. Aber Tessa Beecken berichtete auch von der wachsenden Komplexität der Aufgaben, der Neigung zur Selbstausbeutung, von Fremdeinflüssen und frustrierenden Presseartikeln. Das sind dann die Momente, an denen Sehnsucht schmerzhaft an der Realität schrammt und nicht Reibungswärme erzeugt sondern emotionale Wunden hinterlassen kann.

Auch die anderen Workshops, die in Kooperation mit Common Purpose e.V. zeitgleich stattfanden, boten spannende Gesprächspartner: Tina Heine & Nina Sauer erzählten als Initiatorinnen des Elbjazz Festivals von ihrer Leidenschaft für dieses neue und hochkarätige Event, Claus Heinemann von Gebrüder Heinemann berichtete über die Wechselwirkungen von Tradition in einem Familienunternehmen, Kai Wiese präsentierte seine Idee eines Integrationshotels in der HafenCity und Hauptpastorin Dr. Ulrike Murmann referierte über das Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Werten.

Sehnsucht in der Literatur
Im abendlichen Gespräch zwischen dem Schriftsteller und Dramaturg John von Düffel mit dem Autor und Leiter des Literaturhauses Rainer Moritz begab man sich im Foyer von Kühne + Nagel schließlich auf die Spurensuche der Sehnsucht in der Belletristik.

Bescheiden im Auftreten und mit hinreißendem Sprachgefühl ließ John von Düffel das Publikum unter anderem eintauchen in seine kurze Erzählung über die Alphabetisierung des Blaus. Das Erzählen über Wasser macht die Farbe Blau erst für das Vorstellungsvermögen fassbar. Blau als Farbe der Sehnsucht und Wasser als Element der Verwandlung gingen hier ineinander über. Transzendenz als ein Merkmal der Sehnsucht. Die Situation soll sich ändern. Die Zeit. Der Raum. Man selbst. Das Unscharfwerden der Grenze ist entscheidend. Das Überschreiten der Grenze. Das Gefühl der Unendlichkeit, in dem das Ziel selbst vage wird.

Rainer Moritz griff dies auf und ergänzte, dass sobald das Ziel konkret benannt würde auch weniger von Sehnsucht als von Wünschen/ Wollen/ Begehren zu sprechen sei. „Sehnsucht nach einem Mercedes“ sei doch zum Beispiel nicht so recht treffend. Aus dem Publikum kam jedoch der Einwand, dass Sehnsucht sehr wohl konkret sein könne, sobald es sich um die Liebe handelt. Hier sehne man sich in schmerzlicher Differenziertheit mit allen Sinnen nach dem vermissten Körper, nach der Stimme, dem Geruch.

Die Lust an der Verwandlung, die Sehnsucht ein anderer sein zu dürfen, war ein weiterer Themenkomplex des Abends. Gerade als Schauspieler genießt man es, in die Lebenswelt eines anderen zu springen, in der andere Regeln – oder auch mal keine – gelten. Ob Urlaub vom eigenen Leben oder als verhältnismäßig risikofreies Experimentieren mit Alternativen des Lebensentwurfs, für den man sich entschieden hat: Hier öffnet sich die gedankliche Projektionsfläche in ein großes „was wäre wenn…“.

Auch als Autor einer Geschichte hat man es in der Hand, seine Protagonisten auf eine Reise zu schicken, die einem in all ihren Konsequenzen selbst zum Glück – oder leider – erspart bleibt. Doch bleibt diese Erfahrung ganz in der Vorstellungswelt und ist weit entfernt von der Einlösung in der Realität. Sehnsucht ist ein sehr selbstgenügsames, passives Gefühl. Die Überwindung von Zeit und Raum wird gerne dem anderen überlassen, während man selbst ganz damit beschäftigt ist, sich zu verzehren. Irgendwann beginnt man sich zu fragen, was einem wichtiger ist: Das Gefühl der Sehnsucht oder das Erreichen des Ziels. Sehnsucht ist flüchtig. Hat man erst das Objekt der Begierde, ist die Sehnsucht schon verschwunden.

Dieser Abend weckte ohne Frage Sehnsucht. Sehnsucht nach einem magischen Moment, in dem sich etwas verwandelt. Was, das entscheidet jeder selbst.

Harbour Front



Abbildungsnachweis:
Foto: Katja von Düffel

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Literatur > Harbour Front: Was Sehnsucht bewegt

Mehr auf KulturPort.De

Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard
 Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard



Zum zweiten Mal zeigt die Hamburger Kunsthalle Meisterwerke aus dem dänischen Museum Ordrupgaard. Erst im Frühjahr war „Im Licht des Nordens“ zu Gast. Nun  [ ... ]



Kunstbetriebe3 – Skulptur verändert.
 Kunstbetriebe3 – Skulptur verändert.



11 Künstlerinnen und Künstler – 11 Betriebe: Künstler und Betriebe der Region Lübeck zusammenzubringen, ist das Vorhaben der „KunstBetriebe“, das in di [ ... ]



„Das unverlierbare Leben“ von Marion Tauschwitz – Unvergessliche Erinnerungen an Hilde Domin
 „Das unverlierbare Leben“ von Marion Tauschwitz – Unvergessliche Erinnerungen an Hilde Domin



„Hilde Domins Dichtung ist Spiegelbild ihres Lebens. Werk und Leben sind eng miteinander verknüpft. Das eine ohne das andere nicht denkbar“, schreibt Marion [ ... ]



Les Passions de l'Ame: Variety – The Art of Variation
 Les Passions de l'Ame: Variety – The Art of Variation



Johann Heinrich Schmelzer (1623-1680), Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) und Johann Joseph Fux (um 1660-1741) gehören nicht zu den österreichischen Kompon [ ... ]



„Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns
 „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns



Der US-amerikanische Regisseur Robert Eggers inszeniert seinen Film „Der Leuchtturm” ästhetisch virtuos als expressionistische finstere Horror-Mär zwischen [ ... ]



Add art – zum 7. Mal Einblicke in die vielfältige unternehmerische Beschäftigung mit Kunst
 Add art – zum 7. Mal Einblicke in die vielfältige unternehmerische Beschäftigung mit Kunst



Hamburgs Unternehmen können sich der Öffentlichkeit als Kunstförderer vorstellen, die Öffentlichkeit hat die einmalige Chance, Sammlungen kennenzulernen, zu  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.