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Hamburger Architektur Sommer 2019


Fotografie

„Gefangenes Licht“: Multimediale Auftakt-Ausstellung von Emir Haveric

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Dienstag, den 13. August 2013 um 09:53 Uhr
„Gefangenes Licht“: Multimediale Auftakt-Ausstellung von Emir Haveric 4.3 out of 5 based on 231 votes.
Gefangenes Licht - Multimediale Auftakt-Ausstellung von Emir Haveric

Der aus Sarajevo stammende Fotograf Emir Haveric präsentiert seine künstlerischen Arbeiten erstmals in Europa.
Die Ausstellung „Gefangenes Licht“ in der ehemaligen Oberpostdirektion in Hamburg eröffnet dabei zugleich die neue Ausstellungsreihe „Young Blood“, die sich den Werken noch wenig bekannter zeitgenössischer Jungkünstler widmet.

Ein paar Schritte die Treppe hinab ins weitläufige Kellergewölbe, in dem nur gedämpftes Licht herrscht. Einzig die an den Seitenwänden entlanglaufenden Up-Light-Strahler erhellen das rustikale Mauerwerk – und setzen so die dort angebrachten, großformatigen Fotografien effektvoll in Szene. Mit der Hamburger Oberpostdirektion hat sich Kuratorin Yvonne Boland eine imposante Kulisse für die Einzelausstellung von Emir Haveric ausgesucht: Unter dem Titel „Gefangenes Licht“ präsentiert der Künstler ausgewählte fotografische Arbeiten und Video-Installationen, die sich dem „richtigen Moment“ der medialen Aufzeichnung widmen. Denn: Hat ein Maler alle Zeit der Welt, sein Bild zu gestalten, so sind dem Fotograf dafür häufig nur wenige Sekunden gegeben.

Das Augenblickliche, das in der Kunst eingefangen wird, thematisiert Emir Haveric sowohl im statischen wie auch im bewegten Bild. Dabei wendet sich der Künstler bewusst gegen eine fotorealistische Darstellung, sondern nutzt visuelle Verfremdungseffekte, wie sie die Fotografie zum Beispiel in Langzeitbelichtung, Weichzeichnung oder Verzerrung etabliert hat. Das ist vielleicht nicht unbedingt neu, geschieht hier aber mit bemerkenswert expressiver Eindrücklichkeit.

Für mehrere seiner Arbeiten wählt er dabei das Sujet der Autofahrt, wobei deren temporeiche Fahrt und flackerndes Vorbeirauschen der Umgebung digital nachempfunden wird. Bei „Lost Highway“ zum Beispiel verzieht sich die Landschaft zu langen, schwarzen Bildstreifen, wie elektrische Leitungen, wie zitternde Notenlinien, die vermeintlich über den Köpfen der Betrachter hinwegziehen und in ein undefinierbares, fast bedrohliches Grau münden. Ähnlich ist zeigt eine Video-Installation, die innerhalb einer separat begehbaren, quaderförmig-hochkantig aufgestellten Box projiziert wird, eine in bunter Farbigkeit vorbeirauschende, aber nicht mehr eindeutig zu identifizierende (Stadt-)Kulisse, deren Durchquerung der Betrachter durch das Bewegtbild der laserstrahlartigen Lichtblitze quasi live miterleben kann. Es überrascht dabei weniger, dass diese motorisierten Momente des Vorbeirasens den Künstler besonders interessieren: Schließlich hat sich Emir Haveric bereits einen Namen als Werbefotograf für verschiedene große Autohersteller gemacht, in denen er ähnliche Motive inszenieren konnte.

Aber nicht nur in der Geschwindigkeit, auch im Gemächlichen, ja fast Kontemplativen findet Emir Haveric den „richtigen Moment“ der Aufnahme. So beschäftigt sich die Werkgruppe „Koi“ mit schillernden Karpfen, deren Körper durchs trüb-schwarze Wasser gleiten, wobei sie jedoch nur noch verschwommen und schemenhaft zu erkennen sind. In dem nur noch undeutlich umrissenen, aber leuchtenden Farbtupfer, der in weichen Bewegungen durch ein schwarzes Nichts zu treiben scheint, werden die Lichteffekte der Aufnahme besonders deutlich in Szene gesetzt. Nicht umsonst spricht Emir Haveric von seiner Arbeit als einem „feinen Dosieren des Lichts auf ein schwarzes Negativ“.

Seinen Werken kommt dabei nicht zuletzt die räumliche Beschaffenheit der Oberpostdirektion zugute, die durch punktuelle Lichtakzentuierung und übrigen Abdimmung des Raums die Farbeffekte der Fotografien noch einmal besonders hervorzuheben wissen, wie auch Kuratorin Yvonne Boland betont. Ihr sei die Fokussierung der auf einen Künstler besonders wichtig gewesen, um die Licht-Effekte der Arbeiten voll zur Geltung kommen zu lassen. In den zehn ausgewählten Fotografien und zwei Video-Installationen ist Emir Haverics Arbeit bewusst „auf den Punkt gebracht“. Und ein starker Auftakt soll „Gefangenes Licht“ ja sein: Schließlich läutet sie die nachfolgenden Pop-up-Ausstellungen der „Young Blood“-Reihe ein, mit denen die Kunstagentin aus Malaysia jungen Nachwuchs-Künstlern der nationalen und internationalen Szene eine Ausstellungsplattform bieten möchte.

Der Anfang ist wohl geglückt: Über 300 Besucher erschienen zur Vernissage am 8. August 2013, eingereist aus der ganzen Republik. „Natürlich finde ich die Ausstellung toll. Die Location, die Fläche, hat so eine Atmosphäre von Underground. Und die Lichteffekte hier unten sind besonders beeindruckend“, so eine Besucherin. Und ein anderer Gast ist so begeistert, dass er gar vom „künstlerischen Highlight des Jahres“ spricht.

Anzuschauen ist die Ausstellung noch bis zum 15. September 2013, immer von Dienstag bis Sonntag von 11 – 19 Uhr (und nach Vereinbarung) in der ehemaligen Oberpostdirektion am Stephansplatz 3 in Hamburg.


Fotonachweis:  Copyright: YOUNG BLOOD
Header: Detail aus Emir Haveric: Kois, Lambda C-Type Print,, 180 x 135 cm, 2009, Singapur, Foto: Emir Haveric
Galerie:
01. Plakat
02. und 03. Blick in die Ausstellung im Untergeschoss der ehemaligen Oberpostdirektion
04. Emir Haveric: Lost Highway, Lambda C-Type Print, 180 x 135 cm, 2007 - 2013, USA, Foto: Emir Haveric
05. Emir Haveric: Kois, Lambda C-Type Print, 180 x 135 cm, 2009, Singapur, Foto: Emir Haveric
06. Blick in die Ausstellung

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avatar Joachim Sadowski
+3
 
 
Eine sehr interessante Ausstellung mit viel Spielraum für Interpretationen.
Den Ansatz vom Künstler, mit seinen Werken auch "leere Denkräume" geschaffen zu haben, finde ich äußerst gelungen. Im Gegensatz zu anderen Lichtkünstlern, die einen bereits in feste "visuelle Korsagen" schnüren, war die Leichtigkeit und Frische von Haveric eine kreative Ruhezone zum Sackenlassen und Interpretieren.
Toller Event + toller Künstler = Dank an die Kuratorin, Yvonne Boland!
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