Fotografie

Die Dortmunderin Annelise Kretschmer (1903-1987) gehört zu den bedeutenden deutschen Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Mit der Wanderausstellung „Kosmos des Lebens. Die Fotografin Annelise Kretschmer“ würdigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Arbeit dieser Künstlerin.

 

60 Ausstellungsreproduktionen aus dem Bestand des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster sowie acht Vintage-Prints aus dem Bestand des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund zeichnen ihre künstlerische Entwicklung in vier Kapiteln nach. Die Ausstellung ist im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund und dann bis Oktober 2025 an sieben weiteren Standorten in Westfalen-Lippe zu sehen.

 

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Eigene künstlerische Handschrift

In den künstlerischen Entwicklungen der Weimarer Republik wie der Neuen Sachlichkeit oder des Bauhauses erarbeitete sich Annelise Kretschmer eine eigenständige Position. Auch nach der Zäsur des Zweiten Weltkrieges verfolgte sie ein eigenes ästhetisches Konzept. Ihre Aufnahmen – ob von Personen, Orten oder Gegenständen – trafen das Wesen: Mit besonderer Sensibilität fing Kretschmer Emotionen und Charakter des fotografierten Gegenübers ein.

 

Internationale Anerkennung

Als eine der ersten Frauen in Deutschland, die ein Fotoatelier eröffneten, fand Annelise Kretschmer bereits in den späten 1920er-Jahren international Anerkennung. Sie nahm an wichtigen Ausstellungen des noch jungen Mediums Fotografie teil, wie 1929 der „Film und Foto“ in Stuttgart, 1930 der „Das Lichtbild“ in München und konnte in Zeitschriften publizieren.

 

Dortmunder Atelier war wichtiger Anlaufpunkt

Die NS-Zeit bedeutete für Kretschmer, die einen jüdischen Vater hatte, nicht nur persönlich, sondern auch beruflich einen großen Einschnitt. Zwar konnte sie in geringem Umfang weiterarbeiten, an die frühen Erfolge aber nicht wieder anschließen. Später war sie sehr gut in der Kunst- und Kulturszene vor allem von Dortmund vernetzt, ihr dortiges Atelier war ein wichtiger Anlaufpunkt. So zeigt die Ausstellung auch einen Einblick in das kulturelle und städtische Leben von Dortmund. „Wir hoffen das auf Feedback von den Dortmunder* innen, die das Atelier besucht haben, wir suchen Fotos und Geschichten“, sagt Museumsdirektor Dr. Jens Stöcker.

 

Porträts von Künstlern bis Wissenschaftlern

Sie porträtierte zahlreiche Künstler. Aber auch andere Personen wie Industrielle oder Wissenschaftler wurden von ihr fotografiert. Kretschmer entwickelte eine bildnerische Sprache, mit der sie die Persönlichkeit des Menschen einfangen konnte. Ihre Porträtaufnahmen sprechen durch ihre Unmittelbarkeit an und berühren. Sie schafft eine Situation des direkten Kontaktes zwischen Betrachtenden und fotografischem Abbild.

 

„Mit dieser Ausstellung rücken wir eine ganz besondere Künstlerin in den Fokus. Ihre Arbeiten, vor allem ihre Porträts, bestechen durch Intensität und Unmittelbarkeit des Ausdrucks“, sagt die Kuratorin der Ausstellung, Ute Christina Koch.

 

Kuratorin Uta Koch

Kuratorin Ute Christina Koch in der Ausstellung "Kosmos des Lebens. Die Fotografin Annelise Kretschmer" im MKK Dortmund. Foto: © Stadt Dortmund / Roland Gorecki

 

„Mit den Werken aus dem LWL-Museum für Kunst und Kultur können wir diese wichtige Künstlerin, deren Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens in Westfalen lag, einem breiteren Publikum in dieser Region vorstellen“, ergänzt die Leiterin des LWL-Museumsamtes, Ulrike Gilhaus. „Dies entspricht unserem Auftrag, zur Stärkung der Kultur und der Museen in Westfalen-Lippe beizutragen.“

 

Die Ausstellung „Kosmos des Lebens“ zeichnet in vier chronologisch aufeinander aufbauenden Kapiteln das künstlerisches Schaffen und Leben Kretschmers nach. Interessierte können sich nicht nur in der Ausstellung sondern auch in digitalen Führungen der Künstlerin thematisch nähern, beispielsweise in Hinblick auf ihre Netzwerke. Die Führungen werden mittels eines QR-Codes vor Ort im Museum bereitgestellt. Zudem haben die Geschichtsmanufaktur Dortmund und Sophie Reinlaßöder vom LWL-Museumsamt ein museumspädagogisches Begleitprogramm für Erwachsene sowie Familien entwickelt.


Kosmos des Lebens. Die Fotografin Annelise Kretschmer

Zu sehen bis 21. April 2024, im Studio des Museums für Kunst und Kulturgeschichte, Hansastraße 3, in 44137 Dortmund

Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen (LWL-Museum)

Die Wanderausstellung entstand in Kooperation mit dem LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster. Das Museum hat im Dezember 2019 den Nachlass der Künstlerin, bestehend aus 2.600 Fotografien als Originalvergrößerungen und etwa 13.000 Negativen, erworben.

 

Begleitprogramm:

Führungen

Am Sonntag, 28. Januar, gibt es ab 15 Uhr eine Kuratorinnenführung durch die Ausstellung, der Eintritt beträgt 3 Euro. Vom 4. Februar an finden an jedem zweiten Sonntag Führungen statt, zusätzlich gibt es Termine für After-Work-Führungen (29. Februar, 7. März und 18. April von 18 bis 19 Uhr, 3 Euro).

 

Workshops

Am 4. Februar können Familien mit Kindern ab sechs Jahren (14 – 15:30 Uhr und 15:30 – 17 Uhr) Leporellos gestalten. Leporellos sind eine schöne Art, Fotos aufzubewahren. In der Ausstellung entdecken Familien mit Kindern, wie die Fotografin Annelise Kretschmer ihre Bilder aufbewahrt hat. Anschließend werden eigene Leporellos gestaltet. Das Angebot ist kostenfrei, bitte anmelden.

Am 18. Februar von 13 bis 16 Uhr gibt es einen Workshop, der sich künstlerisch mit Fotografien auseinandersetzt: Im Workshop "Re-imagining Annelise. Experimentelles Arbeiten mit Fotografien" erforschen die Teilnehmer*innen unter Leitung von Fotografin Aslı Özçelik die künstlerische Kraft, Altes zu zerstören, um Neues zu schaffen. Fotografien von Annelise Kretschmer und eigene Fotografien der Teilnehmer*innen werden mit Malerei und Nähtechniken zusammengeführt. 3 Euro pro Person, Anmeldung bitte bis zum 15.Februar.

 

Podiumsdiskussion

Am Freitag, 15. März, ab 18 Uhr im STADT_RAUM sprechen Expert*innen aus Forschung und künstlerischer Praxis über Frauen* in der Fotografie. Drei Impulsbeiträge von Tabea Borchardt, Nathalie Dimic und Rebecca Racine Ramershoven widmen sich der Fotografie als Frauen*beruf, einem individuellen fotografischen Werdegang, dem Machtverhältnis zwischen Autor*in und porträtierter Person sowie dem Selbstporträt von Frauen* aus intersektionaler Perspektive. Das anschließende Podiumsgespräch öffnet den Raum für Austausch und Reflexion. Der Eintritt ist frei, es moderiert Aslı Özdemir.

Anmeldung zu Führungen und Veranstaltungen

Besucher*innen-Service des Museums für Kunst und Kulturgeschichte (MKK),

Tel. (0231) 50-26028, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Weitere Ausstellungsstationen:

28.04.2024 - 23.06.2024, Kult – Kultur und lebendige Tradition, Vreden

30.06.2024 - 25.08.2024, Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte
01.09.2024 - 27.10.2024, Stadtmuseum Iserlohn
03.11.2024 - 23.12.202, Bauernhausmuseum Bielefeld
18.01.2025 - 16.03.2025, Mindener Museum

23.03.2025 - 18.05.2025, Stadtmuseum Brakel
25.05.2025 - 20.07.2025, Südwestfälische Galerie im Schieferbergbau- und Heimatmuseum Schmallenberg

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