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61. Nordischen Filmtagen Lübeck

Schade: Roy Andersson persönlich kommt nicht. Aber: Sein gerade in Venedig mit dem Regiepreis ausgezeichneter Film „Über die Unendlichkeit“ ist dabei, wenn sich in Lübeck der Vorhang hebt bei den Nordischen Filmtagen 2019 für die 196 Filme, die in insgesamt 283 Vorstellungen vom 29. Oktober bis zum 3. November wunderbare Einblicke in das aktuelle Filmschaffen der skandinavischen und baltischen Länder bieten.

Und auch „Pferde stehlen“, die bei der Berlinale 2019 preisgekrönte Bestsellerverfilmung von Hans Petter Moland, flimmert bei den Nordischen Filmtagen Lübeck über die Leinwand. Dieser Film geht als norwegischer Kandidat ins Rennen um den Oscar. Am Donnerstag, dem 29. Oktober, um 19 Uhr ist es soweit. Dann eröffnet der schwedische Film „Feuer und Flamme“ den diesjährigen Filmreigen im Lübecker Kolosseum. Dies in Anwesenheit des Regie-Duos Måns Mårlind und Björn Stein. Tickets für alle Filme der NFL gibt es ab 26. Oktober.

Erstaunliche Lebensgeschichten, großartige Landschaftsbilder und die mitunter unglaubliche Welt der Politik stehen im Mittelpunkt des Leinwandgeschehens der 61. Nordischen Filmtage Lübeck (NFL). Es lohnt sich, schon jetzt einen Blick auf deren Webseite zu werfen. Und es lohnt sich, in genau dieser Zeit, in der das filmische Geschehen das gesamte Lübecker Stadtbild prägt, der Hansestadt einen mehrtägigen Besuch abzustatten. Denn: Nicht nur tolle Filme, sondern auch ein phantastisches Rahmenprogramm wird geboten, zum Teil sogar kostenfrei.
Bei freiem Eintritt erwachen beispielsweise Figuren aus Filmen in einer audiovisuellen Installation unter den Arkaden des Kanzleigebäudes (Marienkirchhof) zu neuem Leben. Dazu gibt`s eigens für diesen Zweck komponierte Filmmusik dänischer Musikerinnen. Eine Präsentation des Buches „To Liv – Zwei Leben“ mit Autor Jan Erik Holst, Filmkritiker Per Haddal und Kuratorin Franziska Kremser-Klinkertz wird kostenfrei im Kolosseum angeboten. Gleiches gilt für die Multimedia-Performance im Petrikirchhof, den besonderen Kinderfilm im Cinestar Filmpalast und die Filmtage-Party im „Treibsand“ bei der Alternative auf der Walli.

NFTL Festivalmacheer Foto Marion HinzDas komplette Programm des Festivals, bei dem neun Preise im Gesamtwert von 52.500 Euro vergeben werden, stellten die Festivalleiter Linde Fröhlich (Künstlerische Leitung), Florian Vollmers (Festival Manager) und die KuratorInnen bei einer Pressekonferenz im Radisson Blu Senator Hotel Lübeck vor. Natürlich ist Norwegen als Partnerland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse beim Festival literarisch vertreten mit Romanverfilmungen im Wettbewerb, mit Serien und Dokumentationen über norwegische Autoren und Persönlichkeiten der Kunst- und Zeitgeschichte. So präsentiert sich der Schriftsteller Tomas Espedal nicht nur als Autor vor der Kamera, sondern auch als begeisterter Reisender und emotionale Privatperson. Gleich zwei Filme beschäftigen sich zudem mit dem Maler Edvard Munch, der eine enge Beziehung zu Lübeck hatte.

Starke Debüts und reife Alterswerke zeichnen den Spielfilmwettbewerb aus mit insgesamt 18 Filmen – unter ihnen viele nationale und internationale Premieren inklusive bereits preisgekrönter Beiträge. Hierzu gehört der oben erwähnte Film „Pferde stehlen“ (Regie: Hans Petter Moland) nach dem ebenfalls preisgekrönten Roman des norwegischen Autors Per Petterson. Für seine hier einmal mehr erwiesene herausragende künstlerische Leistung gewann Kameramann Rasmus Videbaek den Silbernen Bären auf der diesjährigen Berlinale.
Ebenfalls kürzlich preisgekrönt ist der von Fans sehnlichst erwartete neue Roy Andersson-Film. Seine filmische Reflexion „Über die Unendlichkeit“ wurde beim Filmfestival in Venedig mit dem Regiepreis ausgezeichnet. Das neue Meisterwerk des begnadeten Regisseurs ist Ode und Klage zugleich. Kurz gesagt: Es ist ein Kaleidoskop all dessen, was ewig menschlich ist. Großes Kino also in Lübeck! „Die Filme des diesjährigen Wettbewerbs spielen mit großen Gefühlen: Liebe und Verrat, Leidenschaft und Obsession, Trauer und Niedertracht. Sie wenden in hoher Perfektion klassische Erzähltechniken an und setzen zugleich Innovationen durch ungewöhnlichen Bildkompositionen oder die experimentelle Aufhebung der Grenzen von Stil und Genre. Und sie überzeugen durch großartige Darstellerinnen und Darsteller“, so Linde Fröhlich, langjährige Künstlerische Leiterin der NFL.
Mika Kaurismäki serviert mit „Meister Cheng“ eine filmkulinarische Köstlichkeit, und Richard Hobert erzählt in „Der Sohn des Vogelfängers“ ein emotionales Familiendrama auf den Färöern. Marius Holst begibt sich für seinen Politthriller in den „Kongo“, und Jesper W. Nielsen schildert in seinem Psychothriller „Ausnahme“ die Niedertracht im Hier und Heute. Rúnar Rúnarsson formt in seinem Film „Echo“ 56 Mini-Dramen zu einem faszinierenden Mosaik der isländischen Gesellschaft. Grímur Hákonarson erzählt in „The County“ vom befreienden Eigensinn einer Bäuerin, während Hlynur Pálmasons „Weißer weißer Tag“ davon handelt, wie ein Witwer in besonderer Weise seine Trauer überwindet. Hierzu wird Hauptdarsteller Ingvar E. Sigurdsson („Phantastische Tierwesen“) in Lübeck erwartet.

Vier Spielfilmdebüts, die aufhorchen lassen, gehören zu den Wettbewerbsbeiträgen: Karolis Kaupinis debütiert mit der historischen Satire „Nova Lituania“. Ulaa Salim siedelt seinen Erstling „Sons of Denmark“ als provokanten Politthriller in der nahen Zukunft an. Das finnische Partygirl „Aurora“ sucht unter der Regie von Mila Tervo nicht nur eine Frau für einen iranischen Flüchtling, sondern vor allem sich selbst. Und „Anori“ ist eine junge Frau aus Grönland in New York, die den Konflikt zwischen modernem Leben und alten Mythen durchlebt. Dieser romantische Thriller ist der erste von einer Frau inszenierte Spielfilm Grönlands (Regie: Pipaluk Kreutzmann Jørgensen).

Auf einen Film sei an dieser Stelle noch hingewiesen, der – wenn man dem Trailer Glauben schenkt – großes Kino bietet: Der norwegisch-niederländische Film „Natursinfonie“ (Regie: Marko Röhr) zeigt zu mitreißendere Orchestermusik des Filmkomponisten Panu Aaltio menschliche und tierische Streifzüge durch eine poetisch verdichtete Landschaft. Einfach wunderschön anzuschauen! Großes Kino mit zu Bild gewordenen Tönen, mit Sägefischen und Einblicken in die Algenwelt bieten auch die 360 ° Filme im Fulldome-Kino auf dem Klingenberg sowie die Stummfilmkonzerte mit Live-Musik im Hafenschuppen 6.

61. Nordische Filmtage Lübeck

Unter www.nordische-filmtage.de gibt es ab sofort alle detaillierten Informationen zum Festivalprogramm. Weitere News gibt es auf den Social-Media-Plattformen Facebook, Twitter, Instagram/nordicfilmdays. Programmraster mit Details zu den Filmen und dem Programm mit allen Vorführzeiten können auf der Festivalwebseite eingesehen werden.
Der Kartenvorverkauf beginnt am 26. Oktober um 15 Uhr im CineStar Filmpalast Stadthalle Lübeck und online über die Festival Webseite und www.cinestar.de.


Abbildungsnachweis:
Headerfoto: Logo der 61. Nordischen Filmtage
Festivalmacher: Marion Hinz

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