Neue Kommentare

Michaela zu „Midsommar”. Die sonnendurchfluteten Abgründe des Ari Aster: Einer der magnetisierendsten Filme, die ich seit ...
Hampus Jeppsson zu „Der Distelfink“. Kühle Eleganz als Metapher für Schmerz: Interessant. Ein sehr guter Roman, dessen Verfilm...
Elvana Indergand zu Snøhetta: Architektur – Landschaft – Interieur: Ich bin begeistert von der Biblioteca Alexandrina...
Martin Kostinak zu DFG-Schwerpunktprogramm „Das digitale Bild“: Förderzusage für neues Forschungsprojekt des Fachbereichs Kunstwissen­schaft & Medienphilosophie: Welche Förderzusage für das KIT ist hier gemein...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Bildende Kunst

Ein Kunstmuseum für das Meer, die Inseln, die Küste und den Strand

Drucken
(168 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 03. Januar 2014 um 11:08 Uhr
Ein Kunstmuseum für das Meer, die Inseln, die Küste und den Strand 4.5 out of 5 based on 168 votes.
Museum Kunst der Westküste

Das Museum Kunst der Westküste gehört zu den jüngsten und sehenswertesten Museen in Norddeutschland.
Das im Jahr 2009 eröffnete, auf der Insel Föhr gelegene gemeinnützige Stiftermuseum widmet sich der Sammlung, Erforschung und Vermittlung von Kunst zum Thema Meer und Küste.

Die Stifterfamilie ist seit langem in der Region tätig – Vater Frederik Paulsen wurde 1909 in Dagebüll geboren und verstarb 1997 auf Föhr. Vor den Nazis über die Schweiz nach Schweden geflohen, gründete Paulsen Senior den weltweit agierenden Konzern Ferring Pharmaceuticals sowie die Ferring Stiftung, die sich seit 1988 in erster Linie der Erforschung der Lebensbedingungen in Küstengewässern, insbesondere im Nordfriesischen Wattenmeer und dessen Inseln und die Unterstützung von Maßnahmen zur Erhaltung und Verbesserung der Lebensbedingungen in diesen Gebieten gewidmet hat. Außerdem liegt der Fokus auf der Förderung der friesischen Sprache und Kultur, sowie auch anderer kleiner Sprachen.
 
Frederik Paulsen und Sohn Frederik Dag Arfst Paulsen, 1950 in Stockholm geboren, haben einen besonderen Bezug zum Eiland, weil die Eltern, respektive die Großeltern aus Föhr stammen.
Mit Kapital und privater Kunstsammlung überreichte Paulsen Junior ein modernes, ambitioniertes Museum, das sich im gesamten Norden sehen lassen kann.

Vier Kilometer nördlich von Wyk, in der kleinen Gemeinde Alkersum, bettet sich der Museumskomplex in das Landschaftsbild und orientiert sich an der ortstypischen Architektur. Kein Stifterprunk, kein Fremdkörper, sondern ein von Sunder-Plassmann Architekten sensibel und harmonisch komponiertes Ensemble aus sechs Gebäudeteilen mit durchquerbaren Grünflächen im Zentrum und Restaurant. Viel Licht, viel Glas, aber auch viele sinnvolle unterschiedliche Hängemöglichkeiten, je nach Bedarf.

Die Sammlung Paulsen umfasst einen kunsthistorischen Zeitraum von 1830 bis 1930 und findet seine motivische Geografie von der Küste der Niederlande über Deutschland und Dänemark bis Norwegen. Die Künstlernamen und Werke sind von Rang: die Niederländer Andreas Schelfhout, Hendrik Willem Mersdag und Piet Mondrian, die deutschen Künstler Max Liebermann, Emil Nolde, Max Beckmann und Lyonel Feininger sind ebenso zu sehen wie die dänischen ‚Skagen-Maler’ Anna und Michael Ancher sowie die norwegischen Meister Johann Christian Clausen Dahl, Hans Gude und Edvard Munch.

Vier Sonderausstellungen jährlich haben bereits in der Zeit des Gründungsdirektors Thorsten Sadowsky und seit Frühjahr 2013 unter Ulrike Wolff-Thomsen für viel Aufmerksamkeit gesorgt und erstaunliche Besucherströme ins Museum geleitet.

Dass der Lebensraum auch künstlerische Verortung ist zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellungspolitik. Die kausale, sich wechselseitig beeinflussende Beziehung von Kultur und Umwelt ist ein großer Fundus und ein sinnvolles Alleinstellungsmerkmal der Institution.
Die Schweizer Fotografen Mathias Braschler und Monika Fischer zeigen bis 12. Januar Fotografien mit dem Titel „Schicksale des Klimawandels“. Auch wenn diese Ausstellung künstlerisch nicht zu den Highlights gehört, weil das in der Ausstellung beschriebene Konzept inhaltlich nicht wirklich einleuchtend übertragen ist, so ist die Schau dennoch symptomatisch für die inhaltliche Orientierung des Museum.

Die Fotografen haben leider immer die gleiche fotografische Form gewählt und jedem Protagonisten übergestülpt, damit erreichen sie zwar einen formal schlüssigen Zusammenhang, aber das Individuum und dessen Einzelschicksal verschwindet dahinter. Zudem wählen sie eine in der Modefotografie verwendete Aufhellungs- und Reflexionstechnik, die das jeweilige Bild künstlich wirken lässt. Eine Inszenierung der Fotografen in einer Inszenierung von Naturgewalten, die sich nur selten in den Fotos, aufgenommen in 16 Ländern dieser Erde, überzeugend verbindet. Selbst die erklärenden Texte positivieren dieses Manko nicht.

Besonders sehenswert dagegen ist die Sonderausstellung „Hans Christian Andersen. Impromtu" mit historischen Fotografien, Scherenschnitten und Zeichnungen. Andersen (1805-1875) ist allen als Märchendichter bekannt. Die Reihe von fotografischen Portraits, die Hans Christian Andersen an unterschiedlichen Orten und in diversen Zusammenhängen zeigen, bilden das Kernstück und stammen überwiegend aus dem Dänischen Fotomuseum in Herning. Der Autor war einer "der meistfotografierten Menschen seiner Zeit und die meisten der insgesamt 250 fotografischen Porträts entstanden auf seine Initiative hin", heißt es im Ausstellungstext. Die überwiegend kleinen Abzüge geben einen wunderbaren Eindruck eines „unnahbaren, gleichwohl aber sensiblen, labilen und nervösen Künstlers – ein Selbstbild, dass Hans Christian Andersen immer wieder inszenierte und rastlos in der Welt verbreitete." Bis 12.1.

Die kommende Ausstellung zeigt vom 2. März bis 29. Juni 2014 Werke von Otto Heinrich Engel (1866-1949), unter dem Titel: „Der Maler von Föhr“. Engel gilt als einer der Wegbereiter zu einer avantgardistisch-modernen Malerei in Deutschland und war neben Max Liebermann Gründungsmitglied der Berliner Secession. Zwischen 1901 und 1914 verbrachte er die Sommer auf Föhr. „Die Föhr-Bilder thematisieren vorwiegend in lokale Trachten gekleidete Mädchen im Kontext mit Landschaftsausschnitten. Durch einen direkten pastosen Farbauftrag gelang es Engel, Stimmungen eines Augenblickes schnell einzufangen und diese in ihrer Flüchtigkeit mit den Mitteln der Malerei selbst zu dokumentieren,“ schreibt Ulrich Schulte-Wülwer, Aufsichtsratsvorsitzender des Museums Kunst der Westküste, in einer Publikation über den Maler.
Außerdem beschäftigt sich eine weitere Ausstellung mit dem Titel „Tiefseewelten“ mit zeitgenössischer Skulptur und Videokunst und ist vom 2. März bis Januar 2015 zu erleben.


Museum Kunst der Westküste, Hauptstraße 1, in 25938 Alkersum auf Föhr, www.mkdw.de
März bis Oktober: Di-So 10-17 Uhr. Do 10-19 Uhr
November bis Mitte Januar: Di-So 12-17 Uhr
Februar geschlossen.

Fotonachweis: Alle © Museum Kunst der Westküste
Header: Museum (Außenansicht Eingangsbereich)
Galerie:
01. Museum (Außenansicht)
02. Ausstellungsraum mit Werken der Paulsen Sammlung
03. Edvard Munch, Sommertag auf dem Anleger, 1888
04. Edvard Munch, Alpha und Omega, Alphas Tod, 1908/09
05. Mathias Braschler / Monika Fischer, Schicksale des Klimawandels, China, 2009 © Künstler.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Bildende Kunst > Ein Kunstmuseum für das Meer, die Inseln, di...

Mehr auf KulturPort.De

Film Festival Cologne 2019: Vom tragischen Witz und blutspritzenden Twists
 Film Festival Cologne 2019: Vom tragischen Witz und blutspritzenden Twists



Meuchelmord in Westernjacke: Das Film Festival Cologne (10.-17. Oktober) startet mit Quentin Dupieuxʼ skurriler Geschichte „Deerskin“, dessen absurder Spaß [ ... ]



„Envisioning America“ – Amerika vorstellen
 „Envisioning America“ – Amerika vorstellen



In den vergangenen Jahren hat sich die Sicht auf die USA extrem verengt, dominiert von einem Namen: Donald Trump. Ein alter weißer Mann, machtbesessen und unzur [ ... ]



Afenginn: Klingra
 Afenginn: Klingra



Großartige Musik vom Rande Europas: Kim Rafael Nyberg, in Finnland geborener und in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen lebender Komponist und Arrangeur hat ge [ ... ]



„Joker”– Joaquin Phoenix und der unerträgliche Schmerz des Lachens
 „Joker”– Joaquin Phoenix und der unerträgliche Schmerz des Lachens



Regisseur Todd Phillips katapultiert uns mitten hinein in die seelischen Abgründe seines Protagonisten. „Joker” sprengt künstlerisch das DC Format: Die nih [ ... ]



Stargast Gitte Hænning eröffnet im Hansa Varieté Theater Hamburg die 12. Spielzeit
 Stargast Gitte Hænning eröffnet im Hansa Varieté Theater Hamburg die 12. Spielzeit



Menschen, Mäuse, Sensationen…
Diese Kunst sei die ehrlichste aller Künste, sagte Conférencier Arnulf Rating am Premierenabend und wer wollte dem widersprec [ ... ]



Robert Wilson: „Mary said what she said“ mit Isabelle Huppert feierte deutsche Erstaufführung am Thalia Theater Hamburg
 Robert Wilson: „Mary said what she said“ mit Isabelle Huppert feierte deutsche Erstaufführung am Thalia Theater Hamburg



Angesichts der großartigen Lebensleistung von Robert Wilson wäre es ein wenig unfair zu sagen, dass Robert Wilson sich selber zitiert. Wenn es einer darf, dan [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.