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Bildende Kunst

"Sie können nur eine Rembrandt-Zeichnung entdecken, wenn sie von Rembrandt ist"

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Donnerstag, den 19. Mai 2011 um 14:17 Uhr
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Galerie Hans

Seit 1982 ist er mit seiner Galerie im Heine-Haus am Hamburger Jungfernstieg kunsthändlerisch aktiv. Die Rede ist von Mathias Hans - einem Galeristen, Sammler und Kenner alter Meister.
Doch viel zu wenige kennen ihn und wissen, was er für Schätze in seiner Sammlung und in seinem Galerieangebot hat. Nun zeigt er eine Verkaufsausstellung mit dem Titel „Meister um Rembrandt – Vorläufer Schüler Zeitgenossen“.

Mathias Hans sitzt in einem hellbraunen Anzug hinter seinem Schreibtisch und schaut über Binnen- und Außenalster. „Angefangen hat alles vor mehr als 30 Jahren. Ich war früher Musiker", sagt er, "und gleichzeitig habe ich Kunst gesammelt. Die meisten guten Händler, die ich kenne, sind die besten Sammler und Kenner. Aus der Not heraus, weil wir davon nicht Leben konnten, hat meine Frau eines Tages gesagt, warum verkaufst du nicht einmal ein Stück aus deiner Sammlung? Ich fragte sie zurück, was würdest du denn kaufen, Liebling? Dann hat sie geantwortet, ich würde eine Zeichnung kaufen, eine italienische Rötelzeichnung, vielleicht – einen männlichen Akt. Und ich frage weiter, was würdest du denn dafür zahlen? Ja, vielleicht so um 800 Mark. Das war der Prolog, damit ging es los."
Es sind die Musik, die Kunst und sein weites kulturelles Interessens- und Wissensgebiet, die jedes Gespräch zu einer Reise werden lassen. Er erzählt viel, assoziativ, gleichnishaft und schnell und so kommt es schon einmal vor, dass ein einziger Satz von ihm, fünf neue Fragen provozieren. Er spricht über seine Annäherungen an die Kunst, über seinen Zwillingsbruder, der eine Zeit lang als Kunsthistoriker an der Hamburger Kunsthalle arbeitete, ihn oft mitnahm und an die Kunst "rangeführt" hat. Und dann über Musik – morgens hört er regelmäßig Mozarts Ave Verum im Auto, wenn er in die Innenstadt fährt – und schlägt eine Brücke zur Malerei. „Das Ave Verum ist wie der Christus bei Grünewald“ und schon sprechen wir über Matthias Grünewald und sein Meisterwerk, den Isenheimer Altar im heutigen Colmar. „Früher habe ich mit dem Isenheimer Altar gehadert und dachte, was für ein Scharlatan, dass Grünewald einen grünen Heiland malt. Aber irgendwann merkte ich, dass der Künstler eine große Nummer ist. Nicht weil der Name berühmt ist und mir meine Lehrer dies immer wieder sagten, sondern nur weil es bei mir „Klick“ machte. Ich hatte verstanden, dass Grünewald das alles selbst gesehen hat, was er da tat, so wie Musiker eine Melodie in sich tragen.“

Auf seine Sammlung angesprochen sagt Hans: „Das Grundkriterium ist Qualität. Ich kaufe nie ein Kunstwerk, was unter der Qualität meiner Sammlung ist. Das ist umso schwerer, wenn man nicht genügend Geld hat, was ich nie hatte. Das gilt aber nicht unbedingt für andere. Was ich wirklich bedauere ist, dass viele Sammlungen gleich aussehen. Die haben ihren Baselitz und ihren Lüpertz und immer das gleiche Zeug und es ist leider alles marktgesteuert. Der gesamte Kunstmarkt ist heute ein reiner gewinnorientierter Massenmarkt. Deutlich regiert auch im Kunstmarkt der Massengeschmack und schlägt durch bis zu den Kindern und Enkelkindern. Niemand nimmt sich die Zeit und taucht in die Materie ab, schaut einmal ganz genau hin und stellt sich all die notwenigen Fragen, um dann ein tiefes Interesse zu generieren. Erst wenn man mit einem Kunstwerk in die Stille geht, antwortet es dir.“ Für Mathias Hans müsste jeder Kunstmuseumsdirektor ein Sammler sein oder zumindest ein Sammlerherz haben. Aber weil sie das nicht haben, meint er, würden nur wenige Museen wirklich groß sein. „Hamburg macht da keine Ausnahme. Wir haben hier weder Turner noch van Gogh. Wir haben Friedrich und Runge und das ist schon etwas, aber das heißt noch lange nicht, dass die Kunsthalle ein internationales Museum ist!“ Seit er am Jungfernstieg arbeitet war noch nie ein Kunsthallendirektor in seiner Galerie – „zumindest hat er sich nicht als solcher vorgestellt“, sagt er ein wenig unwirsch. Er vermisst Menschen wie Justus Brinkmann in Hamburg und Wilhelm von Bode in Berlin, die seien wirkliche Kenner der Kunst und Kunstliebhaber gewesen. „Heute sind mir da zu viele Eventmacher und erbsenzählende Verwaltungsleute unterwegs. Mittelmaß hat Hochkonjunktur“, fügt er noch hinzu.
Und dann sprechen wir über die aktuelle Ausstellung und über Rembrandt, seine Vorläufer, Schüler und Zeitgenossen. „Zentral in der Ausstellung sind eine Rembrandt-Zeichnung und mehrere bedeutende Grafiken. Sie können nur eine Rembrandt-Zeichnung entdecken, wenn sie von Rembrandt ist und von dort aus dann auch seine Zeitgenossen und Schüler entdecken. Neben Rembrandt zeigen wir Gemälde von Adam Elsheimer und seinem Kreis von ein paar weiteren Künstlern. Seine Schüler Govert Flinck, Carel Fabritius und Jan Lievens sind auch vertreten und die geschätzten Philips Koninck und Jacob van Ruisdael – also ausgesprochen bedeutende Werke – Zeichnungen, Druckgrafik, Gemälde.“

Zu sehen ist die Ausstellung immer dienstags bis freitags von 11 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr in der Galerie Hans, Jungfernstieg 34, 3 Etage,
20354 Hamburg.



 
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