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Hamburger Architektur Sommer 2019


Bildende Kunst

„Alles fließt“ – Oliver Mark, Sibylle Springer und Sonja Ofen in der Gallery Lazarus Hamburg

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Samstag, den 02. November 2019 um 11:01 Uhr
Alles fliesst – Oliver Mark, Sibylle Springer und Sonja Ofen in der Gallery Lazarus Hamburg

Mia Farrow, Ben Kingsley, Anthony Hopkins – Oliver Mark hat sie alle vor der Kamera gehabt. Jetzt stellt der international renommierte Fotograf mit Sibylle Springer und Sonja Ofen – die eine Malerin, die andere Konzeptkünstlerin – in der Hamburger Gallery Lazarus aus. Eine Entdeckung!
Panta rhei – für Michael Schipper, Kunstliebhaber, passionierter Fotograf und Sponsor des "Haus der Photographie" – nicht nur eine philosophische Formel, sondern tägliche Praxis. Was Wunder, dass der erfolgreiche Werber, Chef und Inhaber der Agentur 'Schipper Company', seine erste Ausstellung in der Wexstraße 42 nach dem berühmten Lehrsatz des Heraklit benannt hat. „Alles fließt“ spiegelt nicht nur Schippers Neugier auf unbekanntes Terrain, die schon dazu führte, dass der Agentur-Chef seit sieben Jahren als Mitveranstalter der „add art – Unternehmen in Hamburg zeigen und fördern Kunst“ Nachwuchskünstlern in seiner Agentur eine Bühne bietet.

„Alles fließt“ kann auch als kleinster gemeinsame Nenner der drei Künstler*innen Oliver Mark, Sibylle Springer und Sonja Ofen gelten, deren Arbeiten nicht unterschiedlicher sein könnten.
Sonja Ofen o.T.Der Titel erschließt sich intuitiv beim Blick in das Schaufenster, das eine raumhohe filigrane Zeichnung der Konzeptkünstlerin Sonja Ofen ausfüllt. Die zarten, blauschwarzen, vertikal verlaufenden Linien auf transparenter Polyesterfolie gleichen einem lockeren Häkelmuster und rufen die Vorstellung eines dichten Vorhangs aus fallenden Regentropfen hervor. Eine verblüffend starke Arbeit, doch so poetisch sie auch wirkt, es liegt eine strenge Struktur zu Grunde: Die 35jährige Berlinerin, die erst vor zwei Jahren die Weißensee Kunsthochschule als Meisterschülerin abschloss, nimmt Blindtexte als Grundlage ihrer Wellenlinien, die sich – mal dick, mal dünn, je nachdem, wieviel Tusche die Feder aufgenommen hat - mitunter zu regelregen Gebirgen türmen. Auf anderen Blättern wiederum erinnern die graphischen Muster an Partituren oder seismische Aufzeichnungen, dann wieder an die Kurven eines Elektrokardiogramms.
Die Idee zu ihrem Konzept, erzählt Sonja Ofen, sei ihr bei einem Vortrag gekommen. Sie saß so weit hinten, dass sie die Texte auf der Leinwand nicht entziffern konnte, stattdessen tanzten ihr die Muster der einzelnen Wörter und ihrer Zwischenräume vor Augen. Als eine der ersten Arbeiten entstand ein Buch nach den „Regeln der Kunst“ von Pierre Bourdieu. Mittlerweile sind die Zeichnungen bis zu vier Meter hoch oder lang.

Obwohl das Konzept an Hanne Darbovens „Zeit-Abschreiben“ erinnert, will Ofen nicht als neue „Buchhalterin der Zeit“ gelten. Sie interessiert vielmehr, ob bei ihrer meditativen Arbeit „etwas Sinnliches entsteht“. Denn Sinnlichkeit, so sagt sie, muss sein, „um Interesse zu wecken, sich mit den Sachen zu befassen“.
Sibylle SpringerSinnlich, und das nicht zu knapp, sind auch die manierierten Mix-Media-Gemälde von Sibylle Springer (44). Doch diese Sinnlichkeit will entdeckt werden. Zuerst einmal fallen die gedeckte, leicht irisierende Farbigkeit und der collagenhafte Charakter zweier Großformate auf, die man als „Dschungelbilder“ überschreiben könnte. In dem Gemälde „Der Untergang“ erschließen sich im tropischen Dickicht Phallussymbole, sowie kopulierende Paare asiatischer und europäischer Kulturen. Um Lust und Schmerz geht es auch in dem zentralen Werk „How to get into trouble“ (160x200cm). Grau, violett, blau mit einigen kleinen versprengten, silbernen Kästchen, die wie Glühwürmchen aus dem Dunkel leuchten, erkennt man erst aus der Nähe, dass dieser Urwald bevölkert ist – und zwar mit Figuren der christlichen Mythologie, aus dem Internet, aus Werbebroschüren und Pornomagazinen. Ein Liebespaar aus dem Rokoko, ein nackter, kniender Mann im Käfig, Cupido und Venus aus Agnolo Bronzinos „Allegorie der Liebe“ - die bereits vielfach ausgezeichnete Künstlerin, die an der Bremer Kunsthochschule studierte und nun in Berlin und Bremen lebt, scheint die ganze Kunstgeschichte im Gepäck zu haben. Die Affinität zu historischen Vorbildern zeigt sich auch in Porträts wie von Rachel Ruysch, einer zu Lebzeiten höchst erfolgreichen Blumenmalerin des Barock. Sibylle Springer hat das Porträt der Niederländerin wie eine Ikone auf Blattgold gesetzt, mit einem grünlichen Oval als „Störfaktor“ über dem Gesicht. Auch hier wieder die Aura der Vergänglichkeit, die uns unwillkürlich an die vielen Vanitas-Motive der abendländischen Malerei denken lässt.

Anthony Hopkins by Mark OliverDer dritte im Bunde, Oliver Mark (56), ist Dreh- und Angelpunkt dieser ausgesprochen empfehlenswerten Ausstellung, denn über ihn lernte der frischgebackene Gallerist Michael Schipper die beiden Nachwuchskünstlerinnen kennen und schätzen. Obwohl Oliver Mark, dieser begnadete Menschenversteher und -inszenierer, im Auftrag großer Magazine wie „Stern“, „Spiegel“ oder „Zeit“ ständig um die Welt jettet und wohl schon so ziemlich all jene ablichtete, die in Politik, Gesellschaft und Kultur derzeit eine Rolle spielen (von Benazir Bhutto, über Angela Merkel und Joachim Gauck bis zu Daniel Barenboim, Jeff Koons und Robert Wilson), obwohl er international in großen Häusern ausstellt (aktuell im Liechtensteinischen Landesmuseum), war es für ihn keine Frage, die Ausstellungseinladung seines langjährigen Freundes Michael Schipper anzunehmen. „Michael weiß Menschen und ihre Arbeit zu wertschätzen, es macht Spaß mit ihm zu arbeiten und kleine Räume sehe ich als Herausforderung“, sagt Mark, der glaubt, dass er auch dank seiner mittlerweile schon erwachsenen Söhne die Bodenhaftung nie verloren hat. In der Lazarus Gallery zeigt er nun eine Auswahl seiner besten Porträts, unter ihnen einen fanatisch in die Ferne stierenden Jonathan Meese mit (extra nachgebautem) Napoleon-Hut und die Nahaufnahme eines weinenden Via Lewandowsky, aufgenommen nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo. Zu sehen sind aber auch hocherotische Akte und frech-provokante Aufnahmen, die Oliver Marks Lust am subversiven Witz verraten. Bestes Beispiel: Freundin Isa Melzheimer, die in Männermanier breitbeinig stehend einen Wasserstrahl in Richtung Tischgrill schickt. Titel: „Isa hat die Grillsaison eröffnet“ – nun ja, wie heißt es so schön? Alles fließt!

„Alles fließt“

Ausstellung mit Werken von Oliver Mark, Sibylle Springer, Sonja Ofen
Zu sehen bis zum 9. November 2019
Gallery Lazarus fine prints, Wexstraße 42, 20355 Hamburg.
Weitere Informationen

Da 'Schipper Company' Sponsor des „Haus für Photographie" der Deichtorhallen Hamburg ist, wird zur Laufzeit der Ausstellung „Alles fließt" ein Themenabend veranstaltet.


Abbildungsnachweis:
Header: Alles fließt
01.
Sonja Ofen: Ohne Titel, 2019, Acryltusche auf Polyester Kopier-Zeichenfolie
02.
Sibylle Springer: how to get into trouble; 2019, Acryl, Aquarell, Blattsilber, Tempera und Tusche auf Leinwand
03. Mark Oliver: Anthony Hopkins

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