Neue Kommentare

Maggie zu Walter-Kempowski-Literaturpreis 2019: Guten Abend,
Gibt es denn schon irgendeine...

Lothar Segeler zu Filmtonschaffende erstmals als Urheber*innen an Kinoerlösen beteiligt: Großartig - wie lange haben wir darauf gewartet!...
Alf Dobbertin zu Henri Bergson: Die beiden Quellen der Moral und der Religion: Ein großes Lob dem Rezensenten Stefan Diebitz, d...
Maximilian Buchmann zu „Apocalypse Now - Final Cut”. Der Höllentrip des Francis Ford Coppola: Uff! Nur heute im Kino? Hoffentlich bekomme ich n...
Klaus Schöll zu Am 12. Juli 2019 wird die James-Simon-Galerie eröffnet – in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Ich finde das die Treppe zur James-Simon-Galerie ...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Bildende Kunst

Herzenssache. Wilhelm Busch malt. Ernst Barlach Haus, Hamburg

Drucken
(48 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 04. April 2019 um 08:37 Uhr
Herzenssache. Wilhelm Busch malt. Ernst Barlach Haus, Hamburg 4.0 out of 5 based on 48 votes.
Herzenssache. Wilhelm Busch malt. Ernst Barlach Haus, Hamburg

Wilhelm Busch (1832-1908), der alte Weise mit dem Rauschebart aus Wiedensahl im Hannöverschen, ist in seinen frühen Jahren weit herumgekommen. Antwerpen, Düsseldorf, München, Frankfurt und das Land zwischen Weser und Oker waren einige Stationen. Das Ernst Barlach Haus gibt jetzt einen Einblick in die Welt des Malers Wilhelm Busch. Die meisten der mehr als 70 Bilder stammen aus dem Museum Wilhelm Busch in Hannover.

„Max und Moritz“, „Die fromme Helene“, „Plisch und Plum“ oder „Der Unglücksrabe“ – in Buschs Geschichten mit dem selbstsicheren, virtuosen Strich und den boshaften Versen wird geprügelt, betrogen und gelogen, verunglimpft und gekokelt. 25 Jahre lang dachte sich der eigenbrötlerische Junggeselle und dreifache Oheim immer neue Streiche gegen die scheinheilige Moral aus, weil Verleger und Publikum es so wollten. Nach rund 50 Sequenzen und vielen Lebensjahren gingen ihm die Pointen aus und er war vermögend genug, um endlich ungestört und zum „Selbstplaisir“ zu betreiben, was er als junger Student an Kunstakademien gelernt hatte – in Öl zu malen. Die in den nächsten Jahren entstandenen mehreren hundert Ölbilder und an die 2.000 Zeichnungen nannte er geringschätzig „kleine Chosen“ und versteckte sie vor der Öffentlichkeit. Zu Unrecht, wie viele meinen.

wilhelm busch sammelbildBusch war weder ein akademischer noch ein bloß realistischer Maler. Schon gar nicht wollte er der Porträtist der gehobenen Gesellschaft sein wie etwa seine reüssierenden Münchener Freunde Franz von Lenbach und Friedrich August von Kaulbach. Aber er war auch kein Feierabendmaler oder Bohemien á la Maler Klecksel. Seine häufig zigarrenkistendeckelgroßen Ölbilder – Genreszenen, karge und verlassen wirkende Interieurs, Landschaften, Porträts, etwa seiner jahrzehntelangen Gesprächspartnerin, der Frankfurter Bankiersgattin Johanna Keßler – entstanden außerhalb der Strömungen seiner Zeit. An seinem Faible für die alten Niederländer Rembrandt oder Frans Hals, deren Bilder er während seiner Antwerpener Zeit kennenlernte, mag es gelegen haben, dass er nicht im Stil der Zeit, dem Impressionismus malte. Felder, Wiesen und Wälder gibt Busch skizzenhaft verkürzt, in breitem, kräftigem Pinselstrich und satten und tonigen Farben wieder. Modern und packend allerdings sind die sich gegen den Realismus sperrenden, fast schon zu abstrakter Expressivität tendierenden Bilder mit den „Rotjacken“. Sie sind leuchtende Fixpunkte in der tosenden und traurig gestimmten Verlassenheit, mit der er die Natur einhüllt.

Frühe Bilder gleichen zuweilen Spitzweg'schen Idyllen; spätere setzen jenes frei, was für den Maler Busch charakteristisch erscheint: weite Horizonte aufreißende Landschaften, Waldlichtungen oder Ernteszenen. Buschs Ölbilder, auf sehr wenige Farben konzentriert, scheinen sich nicht allzu sehr von seiner Zeichenkunst zu unterscheiden. Sie gleichen ihnen im Duktus, in der Vehemenz, in der genialen Abbreviatur. Statt der Feder oder des Strichs zeichnet sein Pinsel – auch und gerade weil er nicht auf Linien, Lineaturen und Konturen verfällt. Und die Schraffur, eines der zu hoher Virtuosität getriebenes Mittel der Zeichnung, kehrt unverändert als malerisches Mittel wieder.

Busch war eben auch ein erfolgreicher Maler und Paul Klee notierte nach dem Besuch der im Todesjahr Wilhelm Buschs veranstalteten Gedächtnisausstellung in seinem Tagebuch „Hals verdünnt und verkleinert, aber etwas Hals eben doch. Kein Kitscher, sondern ein wohlorientierter Europäer. Einige Kerle mit roten Jacken gehören in eine Gemäldegalerie, sind durchaus gut“.

Herzenssache. Wilhelm Busch malt

zu sehen bis 10. Juni 2019
Geöffnet: Di.-So. 11-18 Uhr

Ernst Barlach Haus – Stiftung Hermann F. Reemtsma
Jenischpark
Baron-Voght-Straße 50a
22609 Hamburg
Weitere Informationen


Abbildungsnachweis:
Header: Detail aus Wilhelm Busch: Kinder auf Weidenstumpf (Die Geschwister), um 1883, Öl auf Papier/Pappe, 25 x 19,8 cm. Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur & Zeichenkunst, Hannover
Im Text:
Wilhelm Busch: Sammelbild mit neun Studien, um 1880, Öl auf Pappe, 42 x 60 cm. Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur & Zeichenkunst, Hannover


Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Bildende Kunst > Herzenssache. Wilhelm Busch malt. Ernst Barla...

Mehr auf KulturPort.De

Vilnius und die Nutzung postindustrieller Gebäude als alternative Zentren für Kultur und Nachtleben
 Vilnius und die Nutzung postindustrieller Gebäude als alternative Zentren für Kultur und Nachtleben



In den letzten Jahren haben viele osteuropäische Städte Projekte gestartet, um ehemalige Industriegebäude und bislang ungenutzte Flächen in Zentren städtisc [ ... ]



Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien
 Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien



Wie sieht es in anderen Ländern mit dem öffentlichen Raum aus? Bei uns gibt es ihn kaum noch, denn jeder freie Quadratmeter wird dem Auto gewidmet. Können wir [ ... ]



Theater-Horror vom Feinsten – „Mummy Brown/Mumienbraun“ der norwegischen Gruppe Susie Wang schockte beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel
 Theater-Horror vom Feinsten – „Mummy Brown/Mumienbraun“ der norwegischen Gruppe Susie Wang schockte beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel



Das Programmheft hat nicht zu viel versprochen: Eine derart blutige, ins Groteske überzogene Horror Picture Show hat man in Hamburg noch nicht geboten bekommen. [ ... ]



Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“
 Rainer Mausfeld: „Angst und Macht. Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“



Die Zitterpartie der Macht
Welch ein Glück im Unglück. Wie üblich nach einem Zwischenfall auf Leben und Tod so auch diesmal, wie erwartet: Kaum war das Kind  [ ... ]



„I Am Mother” Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo
 „I Am Mother” Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo



Grant Sputores post-apokalyptischer Science-Fiction Thriller „I Am Mother” beginnt als intimes Kammerspiel in einem, hermetisch von der Welt abgeschlossenen  [ ... ]



Letizia Battaglia: Retrospektive in Venedig
 Letizia Battaglia: Retrospektive in Venedig



Sie gilt als bekannteste „Mafia-Fotografin“ und als „eine der wichtigsten Fotografinnen unserer Zeit“, aber auch als politisch, ökologisch, sozial und f [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.