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Hamburger Architektur Sommer 2015


Bildende Kunst

Max Slevogt – eine Retrospektive zum 150. Geburtstag

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Dienstag, den 16. Oktober 2018 um 07:36 Uhr
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Max Slevogt eine Retrospektive zum 150 Geburtstag

Das Landesmuseum Hannover widmet dem Jubilar, der neben Max Liebermann und Lovis Corinth zum „Dreigestirn des deutschen Impressionismus“ gehört, eine großartige Einzelausstellung.
Das Haus besitzt die älteste Privatsammlung Slevogt‘scher Werke, welche für die Ausstellung um Leihgaben aus nationalen und internationalen Museen ergänzt wird. „Wir wollen Max Slevogt in unserer Schau neu entdecken und zeigen, dass er mehr war als nur ein ‚Schönwetterimpressionist‘“, sagt Kurator Thomas Andratschke. 150 Bilder gilt es zu entdecken!

Der Besucher sollte der thematisch geordneten Ausstellung folgen, die mit den Münchner Jahren beginnt, über die Portraits, Landschaftsbilder und Stillleben, den druckgrafischen Werken bis hin zu den Exlibris des hannoverschen Rittmeisters und Kunstsammlers Konrad Wrede, der dem Museum seine Sammlung nach dem Zweiten Weltkrieg vermachte. Angesichts dieser Fülle sollte sich der Betrachter Zeit nehmen, um die Vielfalt der Bilder aufzunehmen und zu genießen. Neben dem farbenfrohen Zoobild „Der Papageienmann“ finden sich berühmte Werke wie die Geschlechterkampfallegorie „Frauenraub“, die Großstadtkarikatur „Der Selbstmordautomat“ sowie Buchillustrationen.

Slevogt war nicht nur Maler von Portraits, von Stillleben und Landschaften, sondern auch ein begnadeter Illustrator, Zeichner und Grafiker. Folgerichtig hängen diese Medien in der Ausstellung gleichberechtig nebeneinander. Heute ist Slevogt fast ausschließlich als Impressionist bekannt, der seine Motive in der Stadt oder in der Landschaft fand, mit seiner Staffelei ins Freie zog und ‚en plein air‘ malte. Daneben finden sich aber auch Motive und Szenen aus der Bibel, Geschichte und Literatur, deren Darstellungen allein seiner Phantasie entsprungen sind, wie „Die Versuchung“ und „Ritter Blaubart“.

Schon die Einordnung als Impressionist erweist sich daher als fragwürdig, betont Ausstellungskurator Thomas Andratschke: „Mir ist sehr wichtig, den doppelten Blick des Künstlers zu zeigen. Es gibt natürlich zahlreiche Arbeiten, bei denen er von seinen Eindrücken ausgegangen ist. Aber vieles ist eben auch eindeutig in seinem Kopf entstanden, und dann sind wir nicht beim Im-, sondern beim Expressionismus.“

In München studierte der in Landshut geborene Slevogt an der Akademie der Bildenden Künste und ein Semester an der Académie Julian in Paris, bevor er sich als freier Künstler niederließ und ab etwa 1892 öffentlich ausstellte. Finanziell war er nicht erfolgreich! Mit seinem Werk „Danaë“ beteiligte er sich zwar an einer Ausstellung der Münchner Sezession, aber sein Gemälde wurde als anstößig empfunden und wieder abgehängt.

Auf Anraten von Max Liebermann, verlegte er Anfang der 1900er-Jahre seinen Wohnsitz von München nach Berlin. Doch bevor er sich in der preußischen Hauptstadt niederließ, verbrachte Slevogt einige Wochen in Frankfurt/M. Hier entstand seine berühmte Reihe „Frankfurter Zoobilder“, welche das bürgerliche Freizeitvergnügen beschreiben.

Berlin, die aufstrebende preußische Metropole, war mit ihren Galerien, dem legendären Café Roma und der avantgardistischen Kunstszene ein gutes Pflaster für Geschäfte und Kontakte. Man traf sich in der Stadt, in den Salons, auf Soireen und in der Oper. Der Galerist Paul Cassirer erkannte schon früh die künstlerischen Qualitäten des Malers und nahm ihn unter Vertrag. War Slevogt noch zu Beginn seiner Karriere von der Historienmalerei und den dunkleren Farbtönen beeinflusst, begann er sich jetzt für den aus Frankreich kommenden Impressionismus zu begeistern: für die Lebendigkeit der Farben, den pastosen Farbtönen, dem flirrenden Spiel von Licht und Schatten. Mit „Das Champagnerlied" aus dem Jahr 1902, das den portugiesischen Opernsänger Francesco d’Andrade in seiner Rolle als Don Giovanni zeigt, gelang ihm sein erstes impressionistisches Hauptwerk.
Das Geschäft boomte. Er war ein gefragter Porträtist, galt als Maler des mondänen Großbürgertums, mit einem Faible fürs Theater und der Oper. Bald gehörte er neben Liebermann und Corinth zu den führenden deutschen Impressionisten.

Slevogt wurde Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und in der neu gegründeten Berliner Sezession, die gegen den starren akademischen Kunstgeschmack des Kaisers protestierte. Neben Berlin, sollte die Pfalz seine Wahlheimat werden. Nach der Heirat mit seiner Jugendfreundin Antonie Finkler verbrachte die Familie – inzwischen waren zwei Kinder geboren worden – die Sommermonate auf dem 1914 erworbenen Gut Neukastel bei Landau, wo Slevogt die pfälzische Landschaft zu jeder Jahreszeit und bei jedem Lichteinfall malte.
Seinen Hof in Neukastel stattete er mit Fresken aus, die von seiner Liebe zu Musik und Literatur erzählen. Das Musikzimmer bemalte er mit Szenen aus Webers „Freischütz“ und Wagners „Ring des Nibelungen“ aber auch aus der „Zauberflöte“ und „Don Giovanni“. Die Decke seiner Bibliothek schmückten Erzählungen aus „1001 Nacht“, Homers „Ilias“ und Shakespeares „Macbeth“ sowie „Lederstrumpf“ des amerikanischen Schriftstellers James Fenimore Cooper. Musikalische Motive ziehen sich durch sein gesamtes Werk, so hat der Künstler, selbst ein begabter Sänger und Pianist, den im Berlin der Jahrhundertwende gefeierten Bariton Francisco d‘Andrade in drei großformatigen Rollenportraits gemalt sowie Illustrationen zur „Zauberflöte“ geschaffen. Slevogt entwarf Bühnenbilder für Mozarts „Don Giovanni" an der Staatsoper Dresden, Illustrationen zu diversen literarischen Werken, wie Goethes „Faust" und das große Wandgemälde, das „Golgatha-Fresko“ in der Friedenskirche in Ludwigshafen.

Im Frühjahr 1914 unternahm Max Slevogt mit Freunden eine Reise nach Ägypten. Die auf der Tour von Alexandria bis Assuan entstandenen farbenprächtigen Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle zeigen seine Begeisterung (und die seiner Zeit) für den Orient. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldete er sich für einige Wochen als Kriegsmaler an der Westfront. Seine desillusionierten Kriegserfahrungen verarbeitete er in visionären Bildern für „Ein Kriegstagebuch“, 1917 beim Berliner Verlag Bruno Cassirer erschienen und die durchaus mit den Kriegsbildern des spanischen Malers Francisco de Goya vergleichbar sind.

Doch wer war der Privatmann hinter der Staffelei? Er war ein von Gicht und Erkältungen geplagter kränkelnder Mann, der oft wochenlang das Bett hütete. Dabei entsprach er dem Bild des genussfreudigen Lebemanns, dem wohlbeleibten Esser, Trinker und Zigarrenraucher. Er besaß einen tiefgründigen, teils schwarzen Humor, der sich in bitterbösen, oft zeitkritischen Illustrationen äußerte. Obwohl er ein vom Erfolg verwöhnter Künstler war, kehrte er dem Berliner Trubel nach und nach den Rücken und zog sich in die ländliche Pfalz zurück, die seinem Bedürfnis nach Entspannung und Naturverbundenheit entsprach. So geriet der einst strahlende Name in der Hauptstadt langsam in Vergessenheit. Über seine schwächelnde Gesundheit berichtet er häufig in seinen Briefen, so die Wissenschaftlerin Eva Wolf, die über zwei Jahre an seiner Korrespondenz forschte. Wie sieht sie ihn? „Er war mir sympathisch. Er macht kein Geheimnis aus sich.“ Wohl wahr. Skandale, Mysterien und Abgründe hat dieser bodenständige Mann nicht zu bieten.

Am 20. September 1932, an einem gewittrigen Spätsommertag verstarb der erst 64-jährige Max Slevogt auf seinem Hofgut Neukastel im süd¬pfälzischen Dorf Leinsweiler.

„Max Slevogt. Eine Retrospektive zum 150. Geburtstag“

Die Ausstellung ist bis zum
24. Februar 2019 im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover, Willy-Brandt-Allee 5, 30169 Hannover zu sehen.
Die Öffnungszeiten sind Di bis Fr 10-17 Uhr, Sa und So 10-18 Uhr, Mo geschlossen, freitags von 14 - 17 Uhr ist der Eintritt in die Sammlungen frei.
An folgenden Feiertagen bleibt das Haus geschlossen: Heiligabend + Silvester
Ein Katalog ist erschienen.
Weitere Informationen
Veranstaltungskalender

Weitere Jubiläumsausstellungen:
- „Ein Tag am Meer. Slevogt, Liebermann &Cassirer“ bis 10.2.2019 im Landesmuseum Mainz
- „Slevogt und Frankreich“ bis 13.1.2019 im Saarlandmuseum, Saarbrücken


Abbildungsnachweis Max Slevogt: © Landesmuseum Hannover
Header: Nach dem Bade (Detail), 1892, Öl auf Leinwand, 71x102cm
Galerie:
01. Papageienmann, 1901, Öl auf Leinwand, 81,5x65,3cm
02. Blick in die Ausstellung
03. Champagner-Arie aus Don Giovanni (d'Andrade an der Rampe), 1902, Öl auf Leinwand, 105x131,5cm
04. Nilbarke bei den Granitfelsen (Detail), 1914, Öl auf Leinwand, 54x74cm. © Albertinum, Galerie
05. Blumenstillleben im Freien, 1901, Öl auf Leinwand, 63x82,5cm
06. Blick in die Ausstellung
07. Ansicht von Frankfurt, 1911, Öl auf Leinwand auf Pappe, 64,5x74,4cm
08. Nina im Kostüm einer Pierrette, 1926, Öl auf Leinwand, 104x84cm. © GDKE/Landesmuseum Mainz/Max Slevogt-Galerie
09. Der Schwarze d’Andrade, 1903, Öl auf Leinwand, 150x109cm. © Hamburger Kunsthalle
10. Schreitende Löwin im Käfig, 1901, Öl auf Leinwand, 52,2x58,8cm
11. Frauenraub, 1905, Öl auf Leinwand, 181,5x131cm
12. Selbstbildnis, 1930-31, Öl auf Leinwand, 82,2x54,2cm
13. Selbstmordautomat, 1917, Kreidelithografie, 54,4x40cm
14. Somali, 1912, Radierung, 9x6,5cm.

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