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Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019

Bildende Kunst

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CF: Ihre Beschreibung bringt mich direkt zu meiner nächsten Frage. Ich würde gerne Ihr Verhältnis wissen von festhalten und loslassen können. Sie mussten sich wagen von Fotos zu malen, die taten sich schwer mit dem Informellen. Wann hatten Sie die Momente erreicht, loslassen zu können? Wann brauchten Sie den vermeintlichen Regeln nicht mehr zu folgen?

KM: Immer dann wenn ich etwas erkannt habe. Ich hatte den Vorteil viel zu reisen und die unterschiedlichsten Motive malen zu können und an anderen Orten sieht man Dinge auch anders. Und dann wurde ich von Dritten darauf hingewiesen als mir jemand sagte, ich könne ruhig auch von Fotografien malen.
Ich hatte kein Atelier, ich malte meistens im Kreis der Familie, in der Küche, unsere Kinder oder Freunde waren um mich herum und viele erinnern sich auch heute noch daran. Sie sagen: „Ich war dabei als dieses Bild entstand.“ Ich wollte mich nicht zurückziehen und musste auch nicht so konzentriert sein, dass mich andere gestört hätten. Ich habe auch zwischendurch dann aufgehört zu malen und dann wieder weiter gemacht. Und ich habe relativ schnell gemalt. Wenn mir dann einer die blöde Frage stellte: „Wie lange hast Du denn an einem solchen Bild gearbeitet?“, dann sagte ich die Wahrheit und hab mich geschämt, dass es nur eine Stunde war. Und prompt schrieb eine Zeitung zu meiner Ausstellung in Reinbek: Der Schnellmaler stellt aus.
Andererseits war ich beim Malen nie entspannt! Ich hab mich gemüht, war sauer über mich, wenn mir etwas nicht gelungen war. Ich habe immer höchsten Respekt vor Malern, die sich ein Ziel setzten und das auch erreichten. Ich hatte oft ein Zeil, wollte eine Landschaft malen, aber es konnte dann passieren, dass daraus ein Stillleben wurde.

CF: Ja, aber das ist meines Erachtens auch ein wichtiger Teil des Loslassen-Könnens. Und Sie haben offensichtlich nicht in einem ‚Elfenbeinturm’ gearbeitet. Der wiederum ist mit Kunsttheorie verknüpft. Ist Ihnen Theorie wichtig in der Malerei?

KM: Die Kunsttheorie spielt für mich überhaupt keine Rolle. Im Gegenteil. Ich habe einmal überlegt, ob ich mich am Lerchenfeld (Anm. der Red. Hochschule für Bildende Künste Hamburg) ausbilden lasse. Damals hatte der Maler Ivo Hauptmann dort eine führende Position und ich schätzte seine Bilder sehr, aber ich hatte die Furcht, dass am Ende nicht mehr das herauskommt, was ich gerne wollte, deshalb hab ich dann das Studium gelassen.

CF: Heißt das, Sie hatten Furcht vor einem ‚Filter’, der sich möglicherweise zwischen Sie und Ihre Bilder schiebt und dann alles verändert hätte?

KM: Ja, genau. Ich wollte einfach nur meine Bilder malen und keine hohe Ansprüche stellen. Ich hab mir alles selbst beigebracht

CF: Sie haben eine bestimmte Verwicklung mit Ihren Bildern in der Zeit in der sie sie gemalt haben. Wenn Sie von heute aus zurückblicken, hat sich da etwas in Ihrer Anschauung verändert?

KM: Interessanterweise habe ich – und dies ist mir jetzt in unserer Zusammenarbeit für diesen Katalog aufgefallen – festgestellt, dass ich früher sehr ähnlich gemalt habe wie heute, obwohl viele meine Freunde zu mir sagten: „Da hast Du Dich ja wieder völlig verändert“. Und mir war das gar nicht recht. Ich wollte mich gar nicht so sehr verändern. Ich glaube ich habe heute noch viele Ansichten wie damals, allerdings habe ich heute wesentlich mehr Routine. Damals malte ich mit Kragenstäbchen, weil ich etwas anderes machen wollte und da klappte nicht alles. Heute klappt vieles aus der Erfahrung heraus und ich kenne Effekte.

CF: Ihre Bilder sind sehr farbenfroh, sie strahlen eine positive Grundstimmung aus und zeigen positive Blicke auf die Welt. Entspricht das Ihrem Naturell?

KM: Immer. Ich hatte selbst in schlimmen Situationen meines Lebens sehr schnell wieder eine positive Einstellung. Das habe ich mein ganzes Leben durchgehalten und bin auch heute noch so. Jeder Tag ist für mich neu und schön und versuche auch meinem Umfeld, meiner Familie dies zu vermitteln und zu beeinflussen. Meine Bilder sind meine Anschauung.

CF: Es gibt aber Bilder, wenn auch nur wenige, die düster erscheinen, auf Vergänglichkeit verweisen und eine gewisse Melancholie und Weltschmerz haben.

KM: Ja, wenige. Ich habe in diesen Bildern dann häufig ein bestimmtes Blau verwendet wie in diesem Bild der Baumgruppe...
Es ist zwar von der Linienführung lebendig, aber die Farbigkeit ist matt.

CF: Sie bekommen viel Besuch, Sie malen und Ihre Freunde sind um Sie. Wie schauen die auf Ihr Werk. Ist Ihnen deren Meinung wichtig und sind Sie Kritik empfänglich? Wie gehen Sie mit den Blick der Anderen um?

KM: Das ist eine sehr interessante Frage, weil mich gerade deren Urteil nicht so interessiert, die mich genau kennen. Auf das Urteil von jenen, die etwas von Malerei verstehen, bin ich gespannt - da zittere ich sogar ein wenig. Das haut manchmal rein wie ein Hammer oder ich bin selig und es ist ein Ritterschlag.

CF: Würden Sie dann auch etwas verändern, wenn die Kritik eines Fachmanns Sie trifft?

KM: Ja, das würde ich mir zu Herzen nehmen. Ich würde an dem kritisierten Bild nichts mehr ändern, aber darauf bei den nächsten reagieren.
Wenn ich male reduziere ich meine Ansprüche, ich versuche an die Dinge ohne Eitelkeiten heranzugehen. Mir ist es manchmal unangenehm, wenn mancher meine Arbeiten sehr lobt, dann frage ich mich: Hab ich mir das alles wirklich alles so gedacht? Aber ich sage dann dem einen oder anderen, dass das, was er da hineinsieht und interpretiert für mich nicht vorhanden war.

CF: Jeder Kunstbetrachter blickt doch nicht nur auf das eine Bild, sondern auch auf die, die er in seinem Kopf mitbringt und dadurch wird es dann in den Kommunikationszyklus gebracht...

KM: Ja, das ist richtig. Ich glaube ich selbst habe kein Sendungsbewusstsein. Ich möchte aber, dass sich so mancher überhaupt einmal mit Malerei auseinandersetzt. Ich bin nie auf die Idee gekommen, mich in meinen Bildern zu offenbaren und möchte kein Psychogramm an der Wand hängen haben.

CF: Ich möchte abschließend noch auf das Kunstforum Markert kommen. Warum ist es Ihnen wichtig junge Künstler zu fördern, Ihnen hier diese Ausstellungsinstitution zur Verfügung zu stellen?

KM: Ich bewege in diesem Sektor gerne etwas, weil ich glaube, dass junge Künstler nicht genug gefördert werden. Das Kunstforum Markert dient den Künstlern als Ausstellungsforum, sie können etwas verkaufen und sie werden durch die Katalogproduktion bekannter, sie können also etwas über die Ausstellung hinaus vorweisen. Einige Künstler haben durch unsere Förderung einen richtigen Aufschwung erhalten.
Es gibt aber auch noch andere Aspekte von unternehmerischer Seite, die häufig nicht genügend genutzt und angesprochen werden. Die Markert Gruppe möchte junge Künstler fördern, aber auch den Mitarbeitern die Kunst näher bringen. Das hat sich über Jahre hinweg entwickelt und die Mitarbeiter schauen mittlerweile sehr aufmerksam und geschult auf Kunstwerke. Viele junge Künstler, die hier im Kunstforum oder in der Firma ausgestellt haben, waren über die gezielten Fragen von Mitarbeitern überrascht. Und die Mitarbeiten hängen sich nun selbst auch ausgewählte Bilder in die Arbeitsräume.
Ich halte es also für wichtig alle mit einzubeziehen, weil ich merke, dass sie viel aufgeschlossener werden und anfangen sich füreinander zu interessieren.

„Klaus Markert: Ich muss malen!“

Claus Friede sprach mit Klaus Markert im Kunstforum Markert, seiner Ausstellungsinstitution in Hamburg-Hamm, anlässlich der Ausstellung vom 30.4. bis 31.9.2010 sowie in seiner Firma „Markert Gruppe“ im schleswig-holsteinischen Neumünster im März 2010.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.


Abbildungsnachweis:
(c) Klaus Markert, Fotos: Paul Sochacki
Header: "o.T.", 1992, Mischtechnik
Galerie:
1. "Blick auf die Stadt", 2001, Öl auf Leinwand
2. "Strandkörbe", 1983, Öl auf Leinwand
3. "Ostsee bei Heiligendamm"
4. "Anghiari", 2008, Öl auf Leinwand
5. "Bäume", 1988, Aquarell
6. "Boston", 1988, Öl auf Leinwand
7. "Reichstag vom Wasser", 2008, Öl auf Leinwand
8. "Abstrakt", 2000, Acryl und Kreide
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