Werbung

Neue Kommentare

Claus Friede zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Nein, nur eine kurze Pause......
Kalle mit der Kelle zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Seit November nichts Neues. Ist der Film-Blog ges...
Geli zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Mal eine nette Eigenwerbung zur Abwechslung... gl...
Rudi Arendt zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Reflexion der Landschaft - aktuelle impressionist...
Ulrike Tempel zu Adventsmessen und Handwerkermärkte in Hamburg – Alle Jahre wieder...: Leider sind die Termine veraltet 2017 / 2018...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Bildende Kunst

Jonas Burgert – Hälfte Schläfe

Drucken
(146 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 13. September 2016 um 08:57 Uhr
Jonas Burgert – Hälfte Schläfe 4.4 out of 5 based on 146 votes.
Jonas Burgert

Die Hamburger Produzentengalerie in der Admiralitätsstraße zeigt bis zum 30. Oktober 2016 Werke von Jonas Burgert. Seit der Ausstellung „Geschichtenerzähler“ in der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle im Jahr 2005 gehört der Berliner Künstler zu den Shootingstars der internationalen Kunstszene.
Einst als Nachfolger von Neo Rauch und Daniel Richter gehandelt, hat er sich inzwischen längst emanzipiert: In altmeisterlicher Manier verbindet Burgert in seiner figurativen Malerei Reales mit Magischem und Phantastischem, mit Symbolischem und Groteskem.

Bereits 2006 fand in den Räumen der Produzentengalerie die erste Soloausstellung des Berliners statt. Jetzt, zehn Jahre später ist es die vierte Schau des 47-jährigen, der heute zu den wichtigsten deutschen Gegenwartkünstlern zählt. Vorbei die Zeiten vom armen Künstlerleben. Vorbei die Jahre wo er – nach eigenen Aussagen – gemalt und gemalt habe und keinen habe es interessiert. Wo er sich tagsüber mit Jobs über Wasser gehalten habe, um Essen und Farbtuben kaufen zu können. Mittlerweile zahlen Liebhaber seiner Kunst sechsstellige Summen; seine Bilder sind in Privatkollektionen wie in Harald Falckenbergs Sammlung (Hamburg), der Sammlung Thomas Olbricht (Berlin) und der Vicki and Kent Logan Collection (Denver/USA) zu finden.

Wer allerdings in der aktuellen Hamburger Ausstellung großformatige Gemälde mit phantastischen, oftmals apokalyptischen Szenarien erwartet hat, dürfte enttäuscht sein. Der Fokus von „Hälfte Schläfe“ liegt auf der Portraitmalerei – seit der Renaissance die Königsdisziplin der Malerei. Jonas Burgert greift die Tradition der Alten Meister in Stil und Duktus wieder auf. Mit dem Unterschied, dass in seinen teils farbintensiven Ölgemälden reale und surreale mit magisch-fantastischen Elementen verschmelzen, welche den Portraits eine rätselhafte, sinnbildhafte Atmosphäre verleihen. Virtuos und mit malerischer Perfektion spielt der Künstler mit dem Absurden, nutzt als gestalterische Mittel Hell-Dunkel-Kontraste, die Wirkung von Licht und Schatten, trägt farblose Lasuren auf, um den Farben mehr Glanz und Tiefe zu verleihen.

In diesem Jahr sind sechzehn weibliche Bildnisse entstanden, entweder als Brustbild oder als Schulterbild im Format von 90x80 Zentimeter. Das schöne, idealisierte Gesicht einer jungen Frau begegnet dem Besucher in verschiedenen Figurationen. Das Gesicht ist en face dem Betrachter zugewandt, die Augen fixieren mit ruhigem Blick ihr Gegenüber. Den Kopf bedecken Turban-artige Aufbauten aus bunten Bändern oder zerstückelten Textilien, dekoriert mit Fischleibern und Tierköpfen. Auf die Endlichkeit des Lebens, die Vergänglichkeit von Jugend und Schönheit weisen einige Portraits hin: die Gesichtszüge sind deformiert, von Krankheiten gezeichnet oder zur Totenmaske erstarrt. Vanitas-Symbole – ein schwarzer Vogel oder tote Insekten – deuten Leid und Trauer an. Schöne Beispiele für Burgerts expressiv-realistische Portraitmalerei sind „Strauche“ und „Staube“. In „Strauche“ sitzt vor dunklem Hintergrund eine junge Frau an einem Tisch, die Hände auf der Tischplatte übereinandergelegt. Das einfallende Licht betont die jugendlichen Gesichtszüge und den turmartigen Kopfschmuck aus bunten Bändern, unter denen sich ein roter Fisch versteckt. An Tod und Vergänglichkeit erinnert „Staube“. Das Fisch- und Bandmotiv begegnet dem Betrachter erneut, allerdings gleicht das Gesicht mit den geschlossenen Augen eher einer Totenmaske. Leuchtend bunte Bänder und rosa-rot gestreifte Fische winden sich schlangenartig um Hals und Schulter der Protagonistin, zwei im Profil dargestellte Frauen zeigen offene, weg gesprengte Hinterköpfe. Gedanken an die Surrealisten stellen sich ein, an René Magritte und Salvador Dalí oder an die Wiener Schule des phantastischen Realismus.

„Strauche“ und „Staube“, zwei von Burgerts magisch-phantastischen Portraits, huldigen nicht nur der Schönheit, sondern weisen auch auf die dunkle Seite der menschlichen Existenz hin – auf Leben und Tod. Hoffnung und Tod seien zwei Elemente, die ihn faszinieren, hat Jonas Burgert einmal gesagt. Er sehe den Tod gar nicht negativ konnotiert, vielmehr als Antrieb für diesen großen lauten Motor, der sich Leben nennt.

Die interessante und vielseitige Ausstellung „Jonas Burgert - Hälfte Schläfe“ ist bis zum  30. Oktober 2016 in der Produzenten Galerie Hamburg, Admiralitätstraße 71, 20459 Hamburg, zu sehen.
Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr, Samstag von 11 bis 15 Uhr.
www.produzentengalerie.com


Abbildungsnachweis: Jonas Burgert. Courtesy of the artist an Produzentengalerie Hamburg. Alle Fotos, außer Header: Lepkowski Studios
Header: Blick in die Ausstellung. Foto: Christel Busch
Galerie:
01. „Strauche“, 2016, Öl auf Leinwand, 90x80 cm
02. „Neige“, 2016, Öl auf Leinwand, 90x80 cm
03. „Stritte“, 2016, Öl auf Leinwand, 90x80 cm
04. „Schwinde“, 2016, Öl auf Leinwand, 90x80 cm
05. „Schliefe“, 2016, Öl auf Leinwand, 90x80 cm
06. „Neide, 2016, Öl auf Leinwand, 90x80 cm
07. „Vieche“, 2016, Öl auf Leinwand, 90x80 cm
08. „Staube“, 2016, Öl auf Leinwand, 90x80 cm
09. „Sinde“, 2016, Öl auf Leinwand, 90x80 cm
10. „Schatte“, 2016, Öl auf Leinwand, 90x80 cm
11. „Schmiege“, 2016, Öl auf Leinwand, 90x80 cm

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Bildende Kunst > Jonas Burgert – Hälfte Schläfe

Mehr auf KulturPort.De

Noëmi Lerch: Willkommen im Tal der Tränen
 Noëmi Lerch: Willkommen im Tal der Tränen



Glücklich schaut die Autorin Noëmi Lerch drein – kein Wunder, sie erhielt gerade einen der begehrten Schweizer Literaturpreise 2020 des Bundesamts für Kultu [ ... ]



„1917” – Sam Mendes zwischen Realitätsanspruch und Illusion
 „1917” – Sam Mendes zwischen Realitätsanspruch und Illusion



Mit zehn Nominierungen avanciert Sam Mendes’ Kriegsepos „1917” zum Favoriten der Oscar-Verleihung. Selten priesen die Feuilletonisten ein Werk so einhellig [ ... ]



Vittorio Hösle: Globale Fliehkräfte. Eine geschichtsphilosophische Kartierung der Gegenwart.
 Vittorio Hösle: Globale Fliehkräfte. Eine geschichtsphilosophische Kartierung der Gegenwart.



Ein Buch über die tiefe Spaltung der westlichen Gesellschaft und das mögliche Scheitern der liberalen Demokratie hat der in den USA lebende Philosoph Vittorio  [ ... ]



Vom Wasser und von der Sicht aufs Leben: Ulrike Draesners Roman „Kanalschwimmer“
 Vom Wasser und von der Sicht aufs Leben: Ulrike Draesners Roman „Kanalschwimmer“



Biochemiker Charles hat „zu sicher gelebt“. Das begreift er leider erst im Alter von zweiundsechzig Jahren, also kurz vor dem Ruhestand.
Als seine Frau ihm [ ... ]



„Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli“
 „Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli“



Überall – nur nicht im Gesicht. Für einen „anständigen Tätowierer“ ein ungeschriebenes Gesetz. Christian Warlich (1891-1964) war mehr als nur anständi [ ... ]



Welten: Akureyri
 Welten: Akureyri



Akureyri ist eine Stadt im äußersten Norden Islands. In dem idyllisch, an einem Fjord gelegenen Zwanzigtausend-Seelen-Ort sind mehrere Kulturzentren, dort lebe [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.