Neue Kommentare

Hans Maschek zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Wunderbar atmosphärische Beschreibung. Ich habe ...
Matthijs van de Beek zu „Stan & Ollie”. Oder die schmerzliche Seite der Komik : Das klingt wunderbar und wird ganz sicher angesch...
Dr. Frank-Peter Hansen zu Die Wittgenstein-Dekomposition: Frank-Peter Hansens Antwort auf Martin A. Hainz...
NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...
Peter Schmidt zu Verleihung der Goldenen Kamera – mit Bruno Ganz und ohne Friede Springer: Und noch einmal zur Goldenen Kamera
Im Fol...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Bildende Kunst

Günther Förg – Wandmalerei

Drucken
(88 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 21. September 2015 um 09:55 Uhr
Günther Förg – Wandmalerei 4.6 out of 5 based on 88 votes.
Günther Förg – Wandmalerei

Blau gegen Orange, Rot gegen Grün, Ocker gegen Rosé, Schwarz gegen Weiß. In den Hamburger Deichtorhallen sind derzeit riesige monochrome Farbflächen zu bestaunen, die mit geradezu körperlicher Wucht auf den Besucher einwirken: Die geometrischen Wandmalereien von Günther Förg (1952-2013) verwandeln die Nordhalle in energetisch aufgeladene Kraftfelder, die an Größe und Intensität bislang wohl einmalig sind.

Günther Förg soll sich gefreut haben auf diese Ausstellung, erzählt Dirk Luckow, Deichtorhallen-Chef und Kurator der Schau. Bis zuletzt haben die beiden in Kontakt gestanden, bis zuletzt arbeitete der krebskranke Künstler an dem Werkverzeichnis seiner rund 140 Wandmalereien, von denen in Hamburg nun 25 Beispiele gezeigt werden. Das Werkverzeichnis blieb unvollendet, doch die Wandarbeiten konnten dank sorgsam geführter Aufzeichnungen und der Zusammenarbeit mit dem Estate Günther Förg rekonstruiert werden. Allerdings in veränderten Maßen und den Dimensionen der nördlichen Deichtorhalle angepasst. Unter der Leitung von Albrecht Hausotter und Bernhard Suhr waren mehr als ein Dutzend Hamburger Künstler gut eine Woche lang mit der Umsetzung befasst. Wände von fünf Metern Höhe und sechs, sieben oder acht Metern Länge so zu streichen, dass die Farbflächen einheitlich monochrom und so satt wirken, dass sie eine sowohl physisch wie auch psychisch spürbare Präsenz entfalten, ist keine leichte Aufgabe. In den Deichtorhallen ist das hervorragend gelungen.

Förg selbst finanzierte sein Studium anfangs als Anstreicher. Hier erkundete er erstmals die vielfältigen Wechselwirkungen von Farbrhythmen und -Kontrasten, entwickelte sein untrügliches Gespür für große Dimensionen und Raum-Inszenierungen. 1978, noch während seiner Studienzeit an der Münchener Akademie der Bildenden Künste (dort lehrte er auch ab 1999), schuf der gebürtige Füssener seine erste raumfüllende Wandmalerei in einer Privatwohnung im Allgäuer Günzach. Seitdem beansprucht dieser Werkkomplex einen wichtigen Stellenwert in seinem umfangreichen Oeuvre.

Günther Förg war ein Allrounder der bildenden Kunst. Er malte, zeichnete, modellierte und fotografierte. Gemeinsamer Nenner aller Sparten war die Architektur. Das heißt, als Bildhauer schuf er auch figürliche Masken und Körper, doch die Auseinandersetzung mit geometrischen Bauten und Strukturen, etwa der russischen Avantgarde oder der Bauhausarchitektur, prägten sowohl die Fotografie wie auch die Wandmalerei nachhaltig. Für Letztere mag auch die amerikanische Farbfeldmalerei der 1940er bis 1960er Jahren Pate gestanden haben, (die wiederum ohne die geometrischen Abstraktionen Piet Mondrians und Josef Albers undenkbar wären): Der Einfluss von Barnett Newman, Ellsworth Kelly oder auch Mark Rothko ist unverkennbar. Für die eindrucksvollen „Farbskulpturen“ in den Deichtorhallen jedenfalls gilt, was Mark Rothko einmal so formulierte: „Ein Bild lebt durch die Gesellschaft eines sensiblen Betrachters, in dessen Bewusstsein es sich entfaltet und wächst“.

Günther Förg – Wandmalerei
Deichtorhallen Hamburg, Halle für Aktuelle Kunst, zu sehen bis 25. Oktober 2015.
Geöffnet: Di-So 11-18 Uhr
Kuratorführung: 8. Oktober 2015, 16 Uhr. 13 Euro/ erm. 9 Euro inkl. Eintritt, keine Anmeldung erforderlich

Es erscheinen zwei Publikationen im Snoeck Verlag:
1.) Günther Förg: Wandmalerei 1978-2013. Hrsg. Edition Traverses Sàrl, Münchenstein, Suisse & Michael Neff, Frankfurt/Main, ca. 368 Seiten, 29,7 x 21 cm, gebunden in rotem Leinen. Mit einem Essay von Max Wechsler. Buchhandelspreis: 98 Euro, Preis in der Ausstellung: 78 Euro
2.) Katalogband zur Ausstellung in den Deichtorhallen Hamburg. Mit Fotografien von Julian Faulhaber. Hrsg. Edition Traverses Sàrl, Münchenstein, Suisse/Dirk Luckow, Deichtorhallen Hamburg/Michael Neff, Frankfurt/Main, ca. 24 Seiten, 33,5 x 45 cm. Mit einem Vorwort von Dirk Luckow. Buchhandelspreis: 48 Euro, Preis in der Ausstellung: 28 Euro.

Katalogansicht GÜNTHER FÖRG – WANDMALEREI

Weitere Informationen


Abbildungsnachweis:
Header: Ausstellungsansicht. Foto: © Henning Rogge / Deichtorhallen Hamburg.
Galerie:
01. Günther Förg: Wandmalerei Antwerpen, Ausstellung Galerie Micheline Szwajcer Antwerpen, 1985. Foto: Günther Förg. © Estate Günther Förg
02. Günther Förg: Wandmalerei Köln, Ausstellung Galerie Max Hetzler, 1985. Foto: Wilhelm Schürmann. Courtesy Estate Günther Förg
03. Günther Förg: Wandmalerei Amsterdam Ausstellung „abstract”, Galerie van Krimpen Hazenstraat 20, Amsterdam, 1996. Foto: Günther Förg. © Estate Günther Förg
04. Günther Förg: Wandmalerei Köln, Ohne Titel, 2013 rose/coquelicot, Maße variable, Ausstellung Galerie Gisela Capitain, Köln, 2013. Foto: Simon Vogel. Courtesy Galerie Gisela Capitain
05. bis 08. Ausstellungsansichten. Foto: © Henning Rogge / Deichtorhallen Hamburg.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Bildende Kunst > Günther Förg – Wandmalerei

Mehr auf KulturPort.De

Melchior Palágyi: Der Gegensatz von Geist und Leben
 Melchior Palágyi: Der Gegensatz von Geist und Leben



Nicht viele Philosophen sind so gründlich vergessen wie der Ungar Melchior Palágyi (1859-1924). Wirklich berühmt war er nie, aber doch geschätzt von so hochk [ ... ]



Philipp Maintz: Thérèse
 Philipp Maintz: Thérèse



Was, wenn „Liebe“ nur ein freundliches Wort wäre für ihre eigene Unmöglichkeit? Nur ein Sammelbegriff für Sehnsüchte, die unerreichbar sind in einer Ge [ ... ]



19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht
 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht



28.000 Besucher amüsierten sich in der Museumsnacht der Hansestadt, trotz Eurovisions-Contest. Überall in der City tobte das Leben. Ich war natürlich auch wie [ ... ]



Meine 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg
 Meine 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg



Die Terminänderung, die Lange Nacht der Museen in Hamburg in den Mai, anstatt in den April zu legen war eine gute Idee. Denn der Tag war schön, nicht kalt! – [ ... ]



Hamburger Theater Festival: „Heilig Abend“ – ein als Krimi getarntes philosophisches Werk
 Hamburger Theater Festival: „Heilig Abend“ – ein als Krimi getarntes philosophisches Werk



Packendes Kammerspiel mit zwei exzellenten Schauspielern, die nach dem Schlussapplaus strahlten wie nach einem gelungenen Coup: Sophie von Kessel und Michele Cuc [ ... ]



Daniel Garcia Trio: Travesuras
 Daniel Garcia Trio: Travesuras



Ob tosende Akkord-Sturzbäche, Staccato-Piano oder ausufernde Tastenläufe: Zurückhaltung gehört nicht unbedingt zu den musikalischen Qualitäten des spanische [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.