Bildende Kunst
Wie Werner Büttner von Marlborough Contemporary wachgeküsst wurde

„Ich habe immer an ihm festgehalten!“ Dem renommierten Hamburger Sammler Harald Falckenberg geht es da nicht anders, als der Frankfurter Galeristin Bärbel Grässlin. Sie vertritt Werner Büttner seit seinen Anfängen und bezeichnet ihn als „verborgenen Schatz“, den es noch zu geben gilt.

Büttner, gemeinsam mit Albert Oehlen und Martin Kippenberger in den 1980er-Jahren Apologet der „schlechten Malerei“ und – wie Falckenberg sagt – „der Kopf“ dieser dadaistischen, subversiv ironischen und politischen Hamburger Gruppe, startet jetzt noch einmal so richtig durch.
Der Grund: Marlborough Contemporary London hat den Wahl-Hamburger unter Vertrag genommen. Die jüngste Galerie der weltweit agierenden Marlborough Group eröffnete ihre Räume 2012 im ersten Stock des Stammhauses im Londoner Nobelviertel Mayfair – und Direktor Andrew Renton notierte Werner Büttner (*1954) gleich „ganz oben auf meiner Prioritätenliste“.
Büttners internationaler Durchbruch kommt zu einem Zeitpunkt, da kaum noch jemand damit gerechnet hatte. Die „Jungen Wilden“ sind Kunstgeschichte, das Hamburger Dreigestirn ist längst auseinandergefallen, Kippenberger, der „Frühvollendete“ seit bald 19 Jahren verstorben. Ein Umstand, der sich auf die Preisentwicklung seiner Werke ausnehmend positiv auswirkte: Die Rekordsumme für einen kapitalen „Kippi“ liegt mittlerweile über 22 Millionen Dollar. Seitdem Albert Oehlen von „Gagosian“ vertreten wird, liegen seine Bilder auch schon fast im siebenstelligen Bereich. 700.000 Euro für ein Gemälde sind heute keine Seltenheit mehr.

altNur HfbK-Professor Werner Büttner, von dem Freund Harald Falckenberg „so 60 bis 80 Arbeiten“ sein eigen nennt, blieb vom Hype um seine einstigen Weggefährten relativ unberührt, daran änderte auch seine Retrospektive 2013 im ZKM in Karlsruhe und Museum Weserburg in Bremen wenig. Doch auch das ist nun Geschichte: Nach Falckenbergs Einschätzung hat sich Marlboroughs Engagement bereits auf die Preisgestaltung deutscher Galerien ausgewirkt. Bärbel Grässlin handelt Büttners Werke aus jüngerer Zeit derzeit ab 30.000 Euro. Größere Leinwände liegen bei 50 000 Euro, Gemälde aus den 80er-Jahren sind teurer. Großformatige C-Prints wie „Wetterfester Schmetterling“ aus dem Jahr 2000, Büttners Kommentar zur Finanzkrise nach dem Zusammenbruch der „Lehman Brothers“, kosten um die 17.000 Euro. Noch, muss man dazu sagen, noch. „The Making oft he Abyss“, die erste Soloschau Büttners bei Marlborough Contemporary im Frühjahr 2015, lief super. „Nun hat Marlborough meine ersten schwergewichtigen englischen Bücher erfolgreich lanciert“, kommentiert der Künstler. „Als nächstes bereiten wir für den Herbst eine Ausstellung in New York vor. Da das Team Marlborough und meine Wenigkeit wissen was sie tun, einander verstehen und schätzen, sehe ich der Eröffnung selbstbewusst entgegen.“

Man darf also davon ausgehen, dass die Preisspirale im Oktober noch einmal kräftig anziehen wird. Andrew Renton, der Büttners Arbeiten seit den frühen 80er-Jahren aus programmatischen Ausstellungen, wie „Zeitgeist“ (Berlin 1982) und „von hier aus“ (Düsseldorf 1984) kennt und schätzt, lässt jedenfalls keinen Zweifel daran, dass noch viel Luft nach oben ist: „Sie können ein absolutes Meisterwerk von Büttner für 50.000 bis 80.000 Euro kaufen. Das ist absurd, wo doch etliche Zeitgenossen ein Vielfaches kosten und Schlüsselwerke des späten Kippenberger Millionen bringen“.

Büttner sei Teil der „bahnbrechendsten“ Gruppe von Malern gewesen, die es in den 80er-Jahren gegeben hätte. „Für mich ist er heute der Missing Link zwischen den Generationen. Wenn die Geschichte einmal zu Ende erzählt ist, wird Werner Büttner im Zentrum narrativer Kunst seiner Generation stehen. Mit einem so wichtigen Künstler zusammenzuarbeiten hätte ich nie zu hoffen gewagt.“

Weitere Informationen

YouTube-Videos:
Artist Werner Büttner in conversation at Marlborough Contemporary
Retrospektive »Werner Büttner. Gemeine Wahrheiten«
, ZKM | Karlsruhe


Abbildungsnachweis:
Header: Still from Werner Büttner in conversation
(Thanks to the Director of Marlborough Contemporary Professor Andrew Renton.)
Einladungskarten-Motiv

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