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Den Hauptpreis des 40. FILMSCHOOLFEST MUNICH gewinnt der Kurzspielfilm „Regime Change” von Yana Sad (Moscow School of New Cinema, Russland).
Der Publikumspreis geht an „Her Dance“ von Bar Cohen (The Steve Tisch School of Film and Television).
Insgesamt wurden im internationalen Wettbewerb zehn Preise im Wert von 36.000 Euro verliehen.


Am Samstag, den 20. November 2021 wurden die Preise des 40. FILMSCHOOLFEST MUNICH verliehen. Die Festivaljury (Mara Wesenauer, Roberto Cueto, Olga Caspers, Loïc Hobi, Angélique Kourounis)  und weitere Jurys der Preisstifter wählten ihre Preisträger:innen dieses Jahr aus 32 Spiel-, 7 Dokumentar-, 6 Animationsfilmen und 1 Experimentalfilm. Zehn Preise – im Wert von 36.000 Euro – wurden vergeben, eine Lobende Erwähnung ausgesprochen. Die Preisträgerfilme kommen 2021 von Filmhochschulen aus acht verschiedenen Ländern.
 
Diana Iljine, Festivalleiterin: „Ich gratuliere allen Teilnehmer:innen des 40. FILMSCHOOLFEST MUNICH. Einige gehen mit wundervollen Preisen nach Hause, aber alle ganz sicher mit dem Gefühl, wichtige Kontakte geknüpft und sich über zentrale Themen ausgetauscht zu haben. Wir freuen uns, dass wir auch dieses Jahr wieder einen Beitrag zur Förderung der jungen Filmemacher:innen in aller Welt leisten konnten.“
 
Das Festival konnte dank strenger Einhaltung der 2G-Regeln auch in dieser erneut schwierigen Phase der Corona-Pandemie als Präsenzfestival gut besucht in den Kinos der HFF stattfinden. Die Festivallounge - dieses Jahr ein großes, gut durchlüftetes und beheiztes Zelt im Garten der HFF - war ebenfalls ein beliebter Treffpunkt für die zahlreichen internationalen Gäste und HFF-Student:innen.
 
Die Preisträger:innen:
Regime Change von Yana Sad (Moscow School of New Cinema, Russland) wurde als bester Film mit dem VFF Young Talent Award ausgezeichnet. Der Preis wird von der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten (VFF) gestiftet und ist mit 10.000 Euro dotiert. Der 18-minütigen Kurzfilm begleitet Oleg und seinen Bruder Ivan, die umgeben von kleinen Tümpeln und Seen in einem Haus am Rande einer Kleinstadt wohnen. Oleg ist Autist und kann nicht alleine leben, sein Tagesablauf muss strikt geregelt sein. Ivan sorgt sich liebend um seinen Bruder, doch er stößt an seine Grenzen, da seine eigenen Bedürfnisse kaum Raum finden.
Die Jury sagt: „Der Film porträtiert eine zärtliche und eher ungewöhnliche Beziehung zweier Brüder, die durch die autistische Veranlagung des einen Bruders bestimmt wird. Die Kamera fängt die natürliche Schönheit des Menschen ein in all seinen Unvollkommenheiten – körperlich, geistig und emotional. Bei einem Thema, das in vielen Gesellschaften ein universelles Tabu darstellt, ist es für eine russische Filmemacherin besonders mutig, ein solches Sujet zu behandeln und darüber zu erzählen. Das macht diesen Film noch wertvoller. Die Jury entschied einstimmig, den VFF-Nachwuchspreis an „Regime Change” zu vergeben.  

Die Festivaljury vergab auch den vom Münchner Traditionsunternehmen ARRI gestifteten ARRI-Preis für den Besten Dokumentarfilm (dotiert mit Sachleistungen im Wert von 4.000 Euro). Er geht an Paula González García, Gloria Gutiérrez Álvarez und Andrés Santacruz für A Dance for the End of the World“ (The Madrid Film School). Der Film begleitet zwei Menschen in Madrid im April 2020 während der Pandemie: Sie kennen sich nicht, schreiben sich aber in einem Chat. Während sie das tun, beginnt in ihren Köpfen eine Reise durch Raum und Zeit, die sie aus ihrer erzwungenen Isolation und Einsamkeit befreit. Die Jury: „So wie sich Zeiten ändern, so ändert sich auch Kommunikation, vor allem in der Isolation. Dieser Film zeigt aus einer ungewöhnlichen Perspektive, wie Menschen Einsamkeit auf ihre eigene Weise erleben, und dabei kreative Wege suchen, um in Kontakt zu bleiben und Freude in beunruhigenden Zeiten zu finden.“

In der Kategorie Dokumentarfilm vergab die Jury außerdem eine Lobende Erwähnung an $75.000 von Moïse Togo (Le Fresnoy – Studio des Arts Contemporains, Frankreich). Die Jury lobt „die einzigartige grafische Gestaltung, die das Unsichtbare wahrnehmbar und das Grauen sichtbar macht, die den Bleistift in eine Kamera verwandelt und die Animation in den Dienst gegen eine schreckliche unbekannte Sache stellt“. Der Film berichtet auf erschütternde Weise darüber, dass Menschen mit Albinismus in Afrika häufig Opfer von Diskriminierung und brutalen Gewalttaten werden.
 
Der Preis für das beste Drehbuch (2.000 Euro, gestiftet von Angela Waldleitner) geht an Drehbuchautor und Regisseur David Bustos und seinen Koautor Sergio Amador für Play Dead (Escola Superior de Cinema i Audiovisuals de Catalunya, Spanien). „Play Dead“ entführt uns in ein abgelegenes Haus, im dem Marcel und seine Mutter den Sommer verbringen. Die Jury lobt: „Umgeben vom Schatten des Todes, der Abwesenheit des Vaters und einem verlassenen Ort entsteht eine faszinierende, aber sprachlose Familiengeschichte voller unartikulierter Gefühle, die uns gleichermaßen berührt und unbehaglich zurücklässt.“

Der zweiB-Award für die beste Animation (dotiert mit einem DCP-Mastering im Wert von 1.000 Euro) geht an den Film Scum Mutation von Ov (Le Fresnoy – Studio National des Arts Contemporains, Frankreich). Dieser experimentelle Animationsfilm blickt in die Vergangenheit und Zukunft, bringt Traumata ans Licht und ungewöhnlich mutierte Körper in Bewegung. Es ist ein furioser Aufruf, sich nicht den repressiven Kräften zu ergeben, sondern mit aller Kraft aus der Opferhaltung zu befreien. Die Jury begründet ihre Entscheidung: „Als notwendiger Aufschrei gegen binäre und systemische Unterdrückung führen die deformierten Körper zu einer künstlerischen und kraftvollen Explosion, die das Bewusstsein des Publikums herausfordert.“
 
Der Panther-Preis für die beste Produktion eines Films einer europäischen Hochschule geht dieses Jahr an die Ungarin Borbála Nagy. Sie studierte zunächst an der Fakultät der Filmwissenschaften in Budapest, arbeitete dann als Journalistin. 2011 verließ sie Ungarn aus persönlichen und politischen Gründen. Seit 2012 studiert sie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) in der Fachrichtung Regie. Der Preis ist mit Sachleistungen im Wert von 5.000 Euro dotiert. Land of Glory“ entführt uns an eine Schule, irgendwo in Ungarn. Es ist ein scheinbar normaler Tag, außer dass ein Besuch des ungarischen Premierministers ansteht. Die Jury: „In einer Zeit, in der der Nationalismus in ganz Europa zunimmt, wirft dieser Film mit Worten, Humor und einem präzisen visuellen Stil einige entscheidende Fragen auf und zeigt, wie jeder, selbst eine Teenagerin in der Schule, Widerstand leisten und für die eigenen Werte eintreten kann. Für den großen Mut, einen solchen Film gerade jetzt zu machen, verleihen wir „Land of Glory“ den Preis für die beste Produktion eines europäischen Films.“
 
Der Student Camera Award (2.000 Euro, gestiftet von der Zeitschrift Film & TV Kamera) für die beste Cinematografie geht dieses Jahr an The Water‘s Whisper“ von Ian B. Morales, der Filmregie an der National School of Film Arts in Mexico City studierte. „The Water‘s Whisper“ ist sein Abschlussfilm, bei dem er auch das Drehbuch schrieb und die Kamera führte. Die Jury sagt: „Mit einem flimmernden und schimmernden Lichtstrahl, der sich im Wasser bricht, entführt uns dieser poetische Film in die Welt eines heranwachsenden Jungen. Die hervorragende Bildkomposition und die präzise gewählte Kadrierung in einem technisch anspruchsvollen Umfeld schaffen eine einzigartige Atmosphäre der Sinnlichkeit.“
 
ARTE-Zuschauer dürfen sich auf Must Be Painful von David Semler (FAMU, Prague) freuen, der mit dem ARTE-Kurzfilmpreis ausgezeichnet wurde. ARTE kauft den Kurzfilm für bis zu 6.000 Euro an. DIE ARTE-Jury begründet ihre Wahl folgendermaßen: „In einem Wartesaal im Bahnhof in Tschechien, spielt sich ein Beziehungsdrama von zwei völlig unterschiedlichen Paaren ab. Homosexualität, Diskriminierung, Ehebruch, Liebe und Trennung: all die großen gesellschaftlichen Themen werden auf kleinstem Raum in zwei verschiedenen Sprachen verhandelt. Mit großer Spannung verfolgen wir die Geschichte dieser beiden Paare und wissen bis zum Schluss nicht, wie es endet. „Must be painful“ von David Semler gelingt in nur 15 Minuten in einem dichten, atmosphärischen Kammerspiel die großen Dramen unserer Zeit zu erzählen“. 

Die Jury, die den mit 2.500 Euro dotierten Wolfgang-Längsfeld-Preis vergibt (Jury: Daniel Kunz, Páris Cannes, Sven Zellner), würdigt im Gedenken an den Gründer des Festivals und HFF-Professor Wolfgang Längsfeld den originellsten Film im internationalen Wettbewerb und hat sich 2021 für den Kurzspielfilm Harmonia“ des Niederländers Thom Lunshof entschieden (The Netherlands Film Academy). Die Jury sagt: „Zornig, wild und poetisch. Die Jury ist begeistert, einen Film zu feiern, der uns eine kühne cineastische Erfahrung beschert, die sich nie mit einer bequemen Erzählweise zufrieden gibt. Die enorme Anstrengung einer jungen Frau, dem extremen Druck ihres Umfelds zu widerstehen, wird erweitert zu einer Collage individueller Kämpfe, die zusammengesehen ein kollektives Porträt bildet: einen klaren Spiegel unserer Zeit, in der der Zwang, um jeden Preis erfolgreich zu sein, eine Gesellschaft hervorbringt, die am Rande des Zusammenbruchs steht. Anspruchsvolle filmische Entscheidungen, wunderbare schauspielerische Leistungen und eine experimentelle Herangehensweise an Erzähltraditionen gipfeln in einem manischen, rücksichtslosen und atemberaubenden Höhepunkt. Wenn zu gewinnen bedeutet, allein zu sein, laden wir diesen mutigen Filmemacher ein, sein Handwerk weiter voranzutreiben, die Bühne zu betreten und einen Moment seiner Einsamkeit mit uns allen zu teilen.“

Der Prix Interculturel (2.000 Euro, gestiftet von der Interfilm Akademie) geht an Topless von Hannah Jandl (Hochschule für Fernsehen und Film München). Die Jury (Galina Antoschewskaja, Pfr. Eckart Bruchner, Bhagu T. Chellaney) sagt: „Gemäß dem Sinnspruch „Kleider machen Leute“ werden Schuhe von Passanten in München gefilmt, die, über ihre Schuhe befragt, von sich selbst und ihrer eigenen Sicht auf das Leben erzählen. Eine behutsame, sokratische Frageweise, stets auf die Schuhe konzentriert, und eine teilweise ikonographische Kamera befördern den interkulturellen Dialog. Dabei kommen die unterschiedlichsten Lebenseinstellungen, Lebenssichten der Passant:innen verschiedener Herkunft zum Ausdruck und regen geschickt die Zuschauer:innen zur eigenen Reflexion an.“

Zum Publikumsliebling wurde von den Zuschauer:innen „Her Dance“ von Bar Cohen (The Steve Tisch School of Film and Television) gekürt. Bis Samstag Morgen um 9 Uhr konnte für den Publikumspreis, dotiert mit 1.500 € und gestiftet vom Freundeskreis Filmfest München, abgestimmt werden.

Im Sonderwettbewerb Climate Clips Award (Stifter: Nagelschneider Stiftung) wurden die Preise bereits beim Opening vergeben. Den mit 5.000 Euro dotierten Hauptpreis erhielt „Fight Fast Fashion“ von Miriam Welcker und Lili Zwirner (Hochschule RheinMain, Deutschland). Den mit 3.000 Euro dotierten 2. Platz belegte „Zizuma“ von Kolumbianer Sergio Alejandro N. Suárez (Universidad Nacional de Colombia). Dahinter konnten sich die Italienerinnen Giulia Betti und Alice Gambara (Civica Scuola die Cinema Lucchino Visconti) mit „Earth!“ über den dritten Platz und 1.000 Euro Preisgeld freuen.

Quelle:

Internationale Münchner Filmwochen GmbH

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